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07. August 2012
Nicht träumen, nur konzentrieren
Speerwerferin Christina Obergföll tritt heute in der Qualifikation an – und hat ihre Website vorübergehend abschalten lassen.
LONDON. Das Mitteilungsbedürfnis von Sportlern ist oftmals groß. Es wird getwittert und gefacebookt, fast immer und überall. Christina Obergföll, 30-jährige Speerwerferin aus Offenburg, ist da mittendrin statt nur dabei. Bis zu den Olympischen Spielen in London zumindest. Wer jetzt Obergfölls Homepage (http://www.christina-obergfoell.com ansteuert, erfährt hingegen, dass ihre Website "aufgrund der ’frozen period’ bis zum 16. August 2012 vorübergehend offline ist". Frozen period bedeutet, dass auf Internetseiten, welche Werbung (zum Beispiel Sponsorenlogos) enthalten, nicht gebloggt werden darf. Man kann die abgeschaltete Website von Obergföll aber auch so interpretieren: Hier will sich eine Sportlerin auf ihren Sport konzentrieren und nicht durch die Verlockungen der Kommunikationswelt ablenken lassen.
Christina Obergföll scheint die volle Konzentration auch nötig zu haben, wenn sie an diesem Dienstagmorgen (11 Uhr) zur Speerwurf-Qualifikation antritt. Denn die Saison 2012 lief für die Frau, die aus Mahlberg stammt, bisher nicht optimal. Auf 67,04 Meter hat sie das 600 Gramm schwere Sportgerät in diesem Sommer zwar bereits geworfen, aber das sind rund drei Meter weniger als ihre persönliche Bestleistung aus dem Jahr 2007 von 70,20 Metern. Immerhin: Mit den 67,04 Metern rangiert sie in der Weltjahresbestenliste auf Rang drei. Nur die Südafrikanerin Sunette Viljoen (69,35) und die tschechische Weltrekordlerin und Olympiasiegerin von 2008, Barbora Spotakova (68,73), schleuderten den Speer 2012 bisher weiter als die Südbadenerin.
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Bei der Europameisterschaft wurde Christina Obergföll vor wenigen Wochen nur Zweite – hinter der Ukrainerin Wira Rebryk. Und das obwohl ihre Dauerrivalinnen Spotakova und Maria Abakumowa (Russland) nicht teilnahmen. Gestärkt ist Obergföll jedenfalls nicht von der EM zurückgekommen.
Trainer Werner Daniels macht dennoch einen auf optimistisch. "Sehr gut, sehr konzentriert hat Christina trainiert", sagt der Coach. Und wie äußert sich die Sportlerin, die 2005 und 2007 Vize-Weltmeisterin wurde und 2008 bei Olympia in Peking mit Bronze die einzige Medaille für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) gewann? Obergföll, die in diesem Jahr mit dem Heidelberger Sportpsychologen Hans Eberspächer zusammenarbeitet, um Körper und Geist in Einklang zu bringen, will nicht mehr über Träume reden. Zu oft sah die Realität dann ganz anders aus. Nun sagt Obergföll nur: "Wenn ich mein Leistungsvermögen bringe, rede ich bei den Medaillen mit. Ich möchte einfach 68 Meter weit werfen. Und ich weiß auch nicht, ob die anderen 72 Meter auspacken."
Eines, da ist sich 30-jährige Profi-Speerwerferin sicher, wird sie vermeiden: dass sie schon an diesem Dienstag bei der Qualifikation – so wie ihre Website – offline ist und das Finale der besten Zwölf am Donnerstag (22 Uhr) verpasst. Um das sicher zu verhindern, muss die Offenburgerin an diesem Dienstagmorgen in der Qualifikation den Speer 62 Meter weit schleudern. Das sollte keine Schwierigkeit sein. Denn Qualifikationen waren – im Gegensatz zu den Finals – noch nie das Problem der Christina Obergföll.
Autor: Georg Gulde



