Nur drei Blatt Papier

Uwe Rogowski

Von Uwe Rogowski

Mo, 28. November 2016

Schießen

Der ESV Weil empfing in Ötlingen die Bundesliga der Sportschützen.

SPORTSCHIESSEN Erste Bundesliga Süd Luftpistole. Es hielt sich die Waage: Für den ESV Weil gab es im Bundesliga-Heimkampf gegen Ludwigsburg und Ötlingen einen Sieg respektive eine Niederlage. Für das Viertelfinale der acht besten Bundesligisten wird es für die Luftpistolen-Schützen des ESV Weil vermutlich nicht reichen.

An den lärmenden Rasseln der zwei Gäste-Fans im Publikum lag es nicht, dass Michael Schwald sein derzeit realistisches Optimum verfehlte. Jedes gute Ergebnis der Ludwigsburger Schützen begleiteten sie mit den nervenden Drehdingern, doch Schwald und Co. kennen die Lärmbelästigungen. "Auswärts wird oft gejubelt ohne Ende", sagte die Nummer eins des ESV Weil. Die opulenten Ohrschützer "dämpfen ganz gut", aber man nehme die Kulisse trotzdem wahr, und "manchmal ist man dadurch nicht perfekt fokussiert".

Ohnehin lief am Samstagabend während des gesamten Bundesliga-Wettkampfs in der Ötlinger Mehrzweckhalle, der elektronisch gestoppte 50 Minuten dauerte, gedämpfte Musik: die aktuellen Charts, Disco-Sound. Und es lag schon an ihm selber, dass er sein Niveau nicht erreichte. Schwald würde dieses momentan "bei 385 Ringen ansiedeln". Gegen Ludwigsburg, den Tabellenfünften, summierten sich Schwalds Schüsse auf 380, 400 wären perfekt. "Mit der Technik hat es nicht so geklappt", sagte der Student, letztlich sei ihm "etwas die Kraft ausgegangen". 40 Schuss sollte jeder Bundesliga-Schütze beim Luftpistolen-Schießen in 50 Minuten abgeben, Pausen lassen sich individuell gestalten. Mancher verlässt kurz die Halle oder setzt sich, senkt den Kopf und sinniert; je nach Façon. Schwalds Tendenz ging meist Richtung neun, seine Gegnerin Celine Goberville streute etwas öfter eine Zehn ein als er. Nur bei einem der vier Durchgänge lag der Weiler, der im kommenden Jahr zur Europameisterschaft will, vorn.

Die Unterschiede beim Schießen sind so marginal, dass sie mit dem menschlichen Auge kaum zu erkennen sind. Zwischen Sieg und Niederlage, zwischen Halleluja und Drama liegen manchmal drei Blatt Papier. Oder ein Strich mit dem Stabilo. Doch Ludwigsburg war am Samstag fast durchweg diesen Hauch besser. Drei von ihnen schafften mehr als 380 Ringe, die anderen beiden lagen nur knapp darunter. Im Fußball würde man sagen: homogene Mannschaftsleistung. "Wenn der Gegner eine Hochphase hat, kannst du fast nichts machen", sagt der Weiler Thomas Lakner. Schwald kam mit 380 Ringen schon auf den höchsten Weiler Wert. Christian Schebesta sorgte mit 378 Ringen für den einzigen Punkt. "Ich würde gerne mal ins Bundesliga-Finale gehen", sagte Schwald, "doch wir haben eben nicht die perfekte Aufstellung dafür." Die Konkurrenz schieße konstanter und so hätte man ab dem Viertelfinale vermutlich ohnehin keine Aussicht auf große Erfolge. "Es wäre schön gewesen", sagte ESV-Trainerin Helga Kopp. "Doch jetzt sind wir schon bissel weg von den ersten vier Plätzen." Nathalie Schelken war nach Verletzung zurück, doch bei den meisten Weilern fehlen ein paar Prozent. Svetlik hat, wie berichtet, derzeit keinen Trainingsverein. Lakner sei beruflich eingespannt.

Am Sonntag gab es zwar ein 4:1 gegen den nun punktgleichen TSV Ötlingen, doch es war mehr ein Pflichtsieg, um sich die unteren Plätze vom Leib zu halten. Auch hier fehlten die konstanten Spitzen; Schwalds Schüsse addierten sich auf 381, er unterlag Asgeir Sigurgeirsson, der sich als Muster der Beständigkeit präsentierte. Seine 386 Ringe waren an beiden Tagen in Weil der Spitzenwert.

ESV Weil – SGi Ludwigsburg 1:4 (1864:1904 Ringe)

Schwald – Goberville 380:384; Svetlik – Brunner 379:381, Schebesta – Potteck 378:377; Schelken – Hochmuth 366:383; Lakner – Roth 361:379.
ESV Weil – TSV Ötlingen 4:1
(1874:1840 Ringe)
Schwald – Sigurgeirsson 381:386; Svetlik – Susi Scharpf 380:357; Schebesta – Kobarg 376:374; Schelken – Stefan Scharpf 374:368; Lakner – Engel 363:355.

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