Offenburger Appetithappen

Wolfram Köhli

Von Wolfram Köhli

Mo, 18. September 2017

Volleyball

VC Printus Offenburg präsentiert sich – auch als Turniersieger.

VOLLEYBALL 2. Bundesliga Frauen. Ein neuer Mann, sechs neue Sponsoren, viele neue Gesichter auf dem Spielfeld und eine gewachsene Crew um die Mannschaft: Der VCO Offenburg hat sich runderneuert und stellt sich professioneller denn ja dar. Er blieb am Wochenende unbesiegt.

Es gibt Veränderungen. Die Augenscheinlichste: Es steht ein Mann an der Seitenlinie. Damit haben sich zumindest beim Einspielen Inhalte und Intensität geändert. Nach sieben Jahren steter Entwicklung mit Tanja Scheuer als Cheftrainerin symbolisiert dieser Austausch ein wenig mehr als einen ganz normalen Trainerwechsel. Es kommt einem Paradigmenwechsel gleich. Vielleicht ist es gar der Aufbruch in eine andere Zeitrechnung in Offenburgs Volleyball.

Das hat nichts mit der gewachsenen Durchschnittlänge der Mädels auf dem Feld zu tun. Es ist vielmehr der Anspruch, der offen und recht selbstbewusst nach außen getragen wird, der den Unterschied ausmacht. All dies bestimmt den ersten Eindruck, den jemand gewinnen konnte, der am Wochenende sich aufmachte, um Appetit auf die neue Saison zu bekommen. Den hatte in den Monaten zuvor das in familiärer Bande verbundene Dreigestirn im Management aus dem Hause Scheuer bereits diversen neuen Sponsoren gemacht. Erfolgreich. Auch dank der tatkräftigen Unterstützung des ehemaligen Offenburger Oberbürgermeisters, Stammgastes und Netzwerkers Wolfgang Bruder sowie des Hauptsponsors Printus. Sechs neue Firmen, darunter der Schwanauer Tunnelmaschinenbauer Herrenknecht, entdeckten ihr Herz für Frauenvolleyball in Offenburg. "Die zahlreichen Facetten machen Frauenvolleyball so attraktiv", führte Präsident Fritz Scheuer bei der Begrüßung der neuen Unterstützer aus, "hier können Bälle noch verteidigt werden."

Finanzielle Grundlagen
sind stabiler geworden

Der Verein kann dank seiner nachhaltigen Arbeit im Spitzenbereich und an der Basis nun auf einer verbesserten finanziellen Grundlage aufbauen. Um zwanzig Prozent erhöhte sich der Etat auf "einen unteren sechsstelligen Betrag", so Florian Scheuer. Damit stieg der Volleyballclub bei weitem nicht zum Krösus der Liga auf. Es ermöglicht ihm in seiner neunten Spielzeit eine Mannschaft auf einem Niveau, das die Konkurrenz vorab beeindruckt. Mitfavorit lautet das Urteil der neun anderen Zweitligisten.

"Wir versuchen qualitativ gute Spielerinnen zu holen", sagte Florian Scheuer in der vom VCO bekannten Diktion. Das neue Selbstverständnis sprach aus seinem Nachsatz, "und das ist uns gelungen." Keine zwei Stunden später belegte das Team diese Einschätzung mit Leistung. Ein schnörkelloses 4:0 im Test gegen den österreichischen Erstligisten Hypo Tirol Innsbruck. Der neue Trainer Florian Völker hatte zuvor die Situation so skizziert: "Trainer und Mannschaft bringen viel Talent mit. Das müssen wir aufs Feld bringen."

Bevor die in sechs bis sieben Trainingseinheiten pro Woche eingeübten Abläufe in der Halle belegt wurden, stand am Freitag Kontaktpflege auf dem Programm. In Dreiergruppen wechselten die Spielerinnen mit den Stehtischen auch die Gesprächspartner. Dating für Volleyball. Ein kurzer verbaler Austausch, ein erster Eindruck und die Erfahrung: Volleyball auf diesem Niveau erfordert etwas mehr als nur fehlerfreies blocken, baggern, pritschen und schmettern. Eine kleine Episode am Rande zeigt auch Veränderungen auf. Um die Akteurinnen aus dem anglofonen Sprachbereich nicht per se von der teaminternen Kommunikation auszuschließen, wurde Englisch als Sprache innerhalb der Gruppe ausgewählt. Als der Fotograf die Mädels in englischer Sprache zum Porträt bat und Anweisungen erteilte, warf Alexandra Bura ein: "Ich spreche auch deutsch."

Wer sich am Samstag in die Halle bewegte, wurde von einem altbekannten und doch neuen Gesicht überrascht. Annika Foit, die Linkshänderin aus den ersten Jahren des Offenburger Aufstiegs, präsentierte sich auf dem Feld. Zuletzt war sie sportlich mit dem Frauenteam der Faustballer aus Offenburg aufgefallen. Die Studentin aus Ulm habe gefragt, ob sie sich mit den Offenburgerinnen fit halten dürfe, berichtete Teammanager Florian Scheuer. "Wie es weitergeht, wird sich zeigen", ließ er eine Zukunft im Zweitligateam oder der zweiten Mannschaft offen.

Turnier am Samstag: VC Offenburg – Hypo Tirol Innsbruck 3:0, VCO Münster – VC Neuwied 2:1, VC Offenburg – VCO Münster 3:0, VC Neuwied – Hypo Tirol Innsbruck 3:0, Hypo Tirol Innsbruck – VCO Münster 0:3, VC Offenburg – VC Neuwied 2:1.