Plötzlich wird Deniz Naki doch verurteilt

dpa

Von dpa

Fr, 07. April 2017

Sonstige Sportarten

Türkei: Lange Haftstrafe auf Bewährung im Berufungsprozess.

ISTANBUL (dpa). Da er sich mit kurdischen Opfern solidarisierte, musste der frühere Bundesligaspieler Deniz Naki vor Gericht und wurde verurteilt. Die politische Justiz von Staatspräsident Erdogan macht auch nicht vor Fußballern halt.

Ein Jahr, sechs Monate und 22 Tage Haft auf Bewährung wegen "Terrorpropaganda": Fußball-Profi Deniz Naki war nach der Berufungsverhandlung vor einem Gericht in der Südtürkei "sehr enttäuscht". Bei der ersten Verhandlung "bin ich noch freigesprochen worden. Mit so einem Urteil herauszukommen, macht mich sehr traurig", sagte der ehemalige deutsche U-21-Nationalspieler der ARD.

Die Bewährungszeit betrage fünf Jahre, erläuterte Soran Haldi Mizrak, der Rechtsanwalt des bei Amed SK in der Kurdenmetropole Diyarbakir spielenden Fußball-Profis, am Donnerstag. In dieser Zeit dürfe Naki sich nichts zuschulden kommen lassen. Der Jurist kritisierte die Entscheidung nach der halbstündigen Verhandlung zudem als "willkürlich".

Der Online-Zeitung Haberdar sagte Naki: "Ich bin ein Mensch, der gegen den Krieg ist." Deswegen sei er "traurig" über das Urteil. "Aber das zeigt auch, dass derjenige der im momentanen Zustand des Landes eine Botschaft des Friedens verbreiten will und auf der Seite des Friedens, gegen den Krieg steht, mit solchen Problemen konfrontiert wird." Der Bild-Zeitung sagte der im nordrhein-westfälischen Düren geborene 27-Jährige: "Ich werde weiter den Mund aufmachen, wenn ich Menschen Not leiden sehe."

Der in Düren geborene Profi will nicht klein beigeben

Hintergrund des Verfahrens waren Twitter- und Facebook-Nachrichten Nakis, in denen er das Vorgehen des türkischen Militärs im kurdisch geprägten Südosten des Landes kritisiert hatte. Nachdem Amed im Januar 2016 im Pokal gegen den Erstligisten Bursaspor gewonnen hatte, schrieb Naki unter anderem, der Sieg sei denen gewidmet, "die bei den Grausamkeiten, die seit über 50 Tagen auf unserem Boden stattfinden, getötet oder verletzt wurden".

In der Türkei geht das Militär seit dem Scheitern eines Waffenstillstands im Sommer 2015 im Südosten des Landes gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK vor. Die PKK wiederum verübt immer wieder Anschläge. Naki sprach mit Blick auf seine Texte von Friedensbotschaften. Trotzdem folgten im Januar vor einem Jahr eine Sperre über zwölf Spiele und eine Geldstrafe von rund 6000 Euro durch den türkischen Fußballverband.