Der Lokalmatador verzaubert die Halle

Jochen Dippel

Von Jochen Dippel

Mo, 14. Januar 2019

Reitsport

Martin Fuchs gewinnt das CSI im ersten Basler Weltcupspringen / Die Veranstaltung wird vom Tod eines Pferdes überschattet.

BASEL. Der Beste kommt zum Schluss: Als Martin Fuchs auf Clooney zum finalen Stechen in die Bahn reitet, wird es in der Basler St. Jakobhalle mucksmäuschenstill; als er wenig später das Ziel passiert, bricht der Jubel los — in Orkanstärke. Die mehr als 6000 Zuschauer feiern den Lokalmatador ausgelassen. Auch der Vize-Weltmeister im Springreiten lässt seinen Gefühlen freien Lauf, reißt die Kappe vom Kopf, schleudert sie in den Sand. Völlig verdient. Wie im Vorjahr entschied der Publikumsliebling die wichtigste Springprüfung am Rheinknie für sich. Sorgte Fuchs 2018 für den ersten Schweizer Sieg im Großen Preis, so behauptete er sich beim 10. CSI im ersten Basler Weltcupspringen. 

Der 26-jährige Eidgenosse war mit seinem halb so alten Westfalenschimmel fehlerfrei und in 37,61 Sekunden schneller als der Niederländer Marc Houtzager mit Calimero (38,84). Noch fixer war zwar der Belgier Pieter Devos auf Apart (36,38), der aber mit einem Abwurf Dritter in der mit 210 000 Schweizer Franken (cirka 186 000 Euro) dotierten Prüfung wurde. Nur dieses Trio schaffte im Normalumlauf Nullrunden. "Ein Sieg in Basel ist immer sehr speziell", sagte Fuchs später. "Ich hatte den Vorteil, als Letzter zu starten und die Konkurrenten zu sehen."

 Nicht in die Entscheidung eingreifen konnten die deutschen Reiter, die in Basel, das mit 23 050 Besuchern an vier Tagen Rekordbesuch meldete, sieglos blieben. Immerhin sammelte Hans-Dieter Dreher, der auf Berlinda Platz 13 belegte, vier Weltcuppunkte und verbesserte sich in der Gesamtwertung mit 32 Zählern ebenfalls auf Rang 13. Insgesamt 18 Reiter qualifizieren sich für das Weltcupfinale. "Berlinda sprang genial, aber vor dem fünften Sprung irritierte sie irgendwas, sodass sie zu dicht ans Hindernis kam", kommentierte der Eimeldinger seinen Abwurf.  Auch im Preis des Kantons Basel-Landschaft verpasste Dreher zuvor knapp einen Sieg. Die Zeit hätte gereicht, um den Brasilianer Yuri Mansur auf Amor von der Spitze zu verdrängen. Doch warf ihn ein Patzer seines Franzosen-Wallachs Twenty Clary auf Rang acht zurück.  

Am Freitagabend entpuppte sich Niels Bruynssels im Großen Preis von Basel als Wiederholungstäter. Nach 2017 sicherte sich der 35-jährige Belgier erneut die 50 000 Franken-Siegprämie in dem mit 200 000 Franken dotierten zweitwichtigsten Springen. Auf dem zehnjährigen Wallach Delux fand er die schnellste fehlerfreie Linie im Stechen. Dichtauf folgten der Niederländer Marc Houtzager auf Calimero und der Franzose Philippe Rozier auf Cristallo.

Eine großartige Vorstellung bot auch Pia Reich. Die frühere Bereiterin des Gestüts Grenzland und rechte Hand von Hans-Dieter Dreher, sprang im Preis des Grandhotels Les Trois Rois auf den vierten Platz. Im Sattel des 15-jährigen Holsteiners Cool and Easy zeigte die 26-jährige Stilistin über den anspruchsvollen Parcours eine konzentrierte, lässige und souveräne Nullrunde, die dem Namen ihres Schimmels alle Ehre machte — bei ihrem ersten Fünf-Sterne-Turnier. Nur 16 Hunderstelsekunden fehlten der Bad Bellingerin zu Rang zwei. Sieger der 60 000-Franken-Prüfung wurde Pius Schwizer (Schweiz) auf Cortney Cox vor Max Kühner (Österreich).

Überschattet wurde das Turnier indes vom Tod eines Pferdes. Der 13-jährige Oldenburger Chagrannus brach sich in einem Zeitspringen am Samstag unter dem vielmaligen Schweizer Meister Walter Gabathuler nach einem Sprung das rechte Hinterbein. Das Pferd, das sich im Besitz des Basler Turnier-Mitgründers Thomas Straumann befindet, wurde sofort ins Tierspital Zürich gebracht. "Dort wurde leider eine irreparable Splitterfraktur festgestellt, sodass wir das Pferd einschläfern mussten", erklärte Straumann. "Einen glatten Bruch hätte man noch operieren und mit Platten fixieren lassen können. Das ist wirklich tragisch und ein schwerer Verlust für meine Familie." Zugleich betonte Straumann, dass Gabathuler keinerlei Schuld treffe.