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Benjamin Resetz

Von Benjamin Resetz

Di, 28. August 2018

Reitsport

Julia Beck gewinnt den Höhepunkt des Bad Krozinger Reitturniers.

REITEN. Ein großes Stelldichein für Ross und Reiter gab es auch in diesem Jahr wieder in Bad Krozingen – wenngleich das Wetter am Wochenende nicht immer mitspielte. Anlässlich des Vita Classica Springturniers des RV Bad Krozingen sattelten jedoch wieder viele der besten Reiterinnen und Reiter aus der Region ihre Pferde.

Alljährlich wird der Bad Krozinger Kurpark zur großen Bühne für Pferd und Reiter, wenn der ausrichtende Reitverein St. Georg Bad Krozingen zum Vita Classica Springturnier einlädt. Der Wettbwerb ist äußerst attraktiv, auch weil "das S-Springen hier mit Geldpreisen recht hoch dotiert ist", wie Timo Beck vom Pforzheimer Reitverein erklärte. Der 41-Jährige zählte zu den Favoriten auf den Sieg in der höchsten Klasse des Turniers, musste sich am Ende aber genauso geschlagen geben wie Tobias Schwarz vom RFSV Kenzingen, der in den beiden vorangegangenen Jahren triumphiert hatte.

Bereits am Freitag und Samstag gingen Reiter und Pferde an den Start und sprangen in den Leistungsklassen A bis S mit einem Stern – allerdings bei kühlen Temperaturen und viel Regen. "Ich selbst habe meine Starts da abgesagt, denn wir haben doch sehr hochwertige Pferde dabei", sagte Timo Beck. "Für die Springen am Sonntag war es aber super. Der Boden ist jetzt perfekt und die Natur ist auch dankbar für die Niederschläge."

Das sah auch der erste Vorsitzende des RV St. Georg, Lothar Stiefvater, so. "Was die Zuschauerzahlen betrifft, war das regnerische Wetter nicht zuträglich, denn es waren am Freitag und Samstag nur wenige Zuschauer da", räumt der Vereinschef kurz vor dem finalen Springen der Klasse S mit Siegerrunde am Sonntagnachmittag ein. "Aber wir nehmen es, wie es kommt – es ist ja eine Veranstaltung für Reiter und Pferde. Und heute haben wir wieder beste Bedingungen und großen Zulauf."

Tatsächlich war das Turniergelände am Sonntag bestens besucht. Unzählige Zuschauer und Unterstützer drängten sich um den Parcours, vor den Essensständen bildeten sich Schlangen. Da trübte auch die Abwesenheit von Nationenpreisreiter Hans-Dieter Dreher die Stimmung nicht. Der Eimeldinger zählte in den vergangenen Jahren stets zum Teilnehmerfeld in Bad Krozingen und lockte als prominenteter Vertreter stets zahlreiche Menschen in den Kurpark. Als Reservist im deutschen Nationalteam bereitet sich Dreher derzeit jedoch auf die Weltmeisterschaft in Frankreich vom 11. bis 23. September vor. "Dass Hansi nicht dabei ist, ist natürlich schade", findet auch Lothar Stiefvater. "Er ist hier immer das i-Tüpfelchen. Aber wir haben ja auch viele andere starke Teilnehmer."

Seit 8 Uhr hatten sich die Protagonisten – ob mit zwei oder vier Beinen – einen heißen Kampf um die Plätze geliefert. Unter anderem setzte sich in der Springprüfung der Klasse L die Bad Krozinger Lokalmatadorin Kathrin Hermann auf Belle Amie durch. Das Highlight des Wochenendes folgte jedoch zum Schluss. In der Ein-Stern-S-Springprüfung mit Siegerrunde gaben sich die besten Reiter und Tiere die Ehre und lieferten dem beeindruckten Publikum noch einmal hochklassiges Springreiten auf anspruchsvollen Kursen.

Hier ging zunächst der zweimalige Sieger Tobias Schwarz als Favorit ins Rennen, leistete sich auf La Belle jedoch am fünften Hindernis, einer Dreier-Kombination, einen Abwurf und wurde am Ende Sechster. Auch auf seinem zweiten Pferd Amadeo kassierte Schwarz vier Strafpunkte im ersten Durchgang. Ebenso erging es seinem Konkurrenten Timo Beck auf Carianza. Besser machte er es auf seinem Hengst Ben Gun, mit dem er beide Durchgänge fehlerfrei absolvierte, was ihm mit den Zeiten von 68,40 und 43,38 Sekunden den vierten Platz einbrachte.

Tobias Schwarz durchbrach in der Siegerrunde nach gutem Lauf auf Amadeo mit voller Wucht das letzte Hindernis und verspielte somit alle Chancen. Ein Raunen ging durchs Publikum, doch Schwarz gab nach dem Wettkampf Entwarnung: "So etwas kommt vor. Das schreckt weder mich noch das Pferd." Auch mit dem verpassten Sieg haderte der Tutschfelder nicht. "Man kann schließlich nicht immer gewinnen. In diesem Jahr gönne ich es meinen Mitstreitern von Herzen. Es war ein tolles Turnier, im kommenden Jahr greifen wir wieder an."

Siegerin wurde Julia Beck vom RV Lahr auf ihrer 12-jährigen Stute Charenta mit zwei fehlerfreien Durchgängen (69,23 und 36,46 Sekunden) vor dem für die Schweiz reitenden Timo Heiniger (69,45 und 37,21) sowie Rebecca Hotz vom RV Schopfheim (68,81 und 39,14).