Eine Hobbyreiterin bei der Weltmeisterschaft

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Von dpa

Do, 20. September 2018

Reitsport

Studentin Laura Klaphake gilt als Nachwuchshoffnung der deutschen Springreiter, bei der WM patzt sie allerdings erstmals.

TRYON (dpa). Das neue Gesicht des deutschen Springsports lacht einen mit großen, blauen Augen an. Laura Klaphake versprüht gute Laune. Kein Wunder, die junge Frau mit den langen blonden Haaren hat eine Bilderbuch-Karriere hingelegt und lebt in diesen Tagen ihren Traum. Als 24-Jährige reitet sie bei der Weltmeisterschaft in den USA für das deutsche Team. Dabei ist sie eine "Hobbyreiterin", wie sie sich selbst bezeichnet.

Laura Klaphake ist kein Reit-Profi, sondern Studentin. Die junge Frau hat ihren ersten Wirtschafts-Abschluss an der Universität Osnabrück absolviert und ist nun dabei, ihren Master in Immobilienmanagement im Fernstudium zu machen. "Manchmal ist das anstrengend", sagt sie – fügt aber lächelnd an: "Meistens ist es aber eine schöne Abwechslung."

Bisher klappt die Doppel-Belastung ganz wunderbar. Schon in jungen Jahren ritt Klaphake in deutschen Mannschaften bei Nachwuchs- Europameisterschaften, sammelte dort Medaillen, unter anderem Gold mit der U-21-Auswahl. Im Vorjahr nominierte Bundestrainer Otto Becker sie für die EM in Göteborg. Bei ihrem Debüt bei den Erwachsenen kam sie immerhin auf Platz 17 und mit dem Team auf Rang fünf. Bei ihrem ersten WM-Ritt am Mittwoch erlebte sie aber einen Schreckmoment. Ihre Stute Catch me if you can verweigerte an einer Mauer und sprang erst im zweiten Versuch. "Das lag nicht am Pferd", kommentierte die 24-Jährige. "Den Fehler nehme ich auf meine Kappe." Grinsend erklärte sie: "Morgen geht es weiter." Klaphake habe es "trotzdem noch gut zu Ende geritten", sagte der Bundestrainer.

Zuvor hatte Klaphake die Erwartungen des Coaches erfüllt. Bei den Einsätzen in der Nationalmannschaft in diesem Jahr ritt die junge Frau immer fehlerfrei. Beim CHIO in Aachen trug sie damit wesentlich zum Sieg des Gastgeber-Quartetts bei: Klaphake lieferte als einzige im Quartett eine Doppel-Null.

Dass sich die 24-Jährige aus dem niedersächsischen Mühlen trotz des Studiums zu einer Weltklasse-Reiterin entwickelt hat, ist kein Zufall. Klaphake stammt aus einer Reiter-Familie, saß schon früh auf einem Pony. Mutter Gaby war deutsche Meisterin und hilft beim Training der Pferde, wenn die Tochter lernen muss. Vater Josef ritt auch und arbeitet seit vielen Jahren als Verkäufer im Stall von Paul Schockemöhle. Das Pferd Catch me if you can, mit dem Klaphake in Tryon startet, gehört Schockemöhle. Noch, muss es heißen, denn die Stute ist äußerst begehrt. Acht Millionen Dollar soll der Internet-Milliardär Bill Gates geboten haben, um das Pferd für seine Tochter zu erwerben. Noch gibt es aber "eine Abmachung", erklärt Klaphake: "Bis zum Jahresende darf ich sie reiten, dann setzen wir uns zusammen."

Für Olympia 2020 in Tokio könnte das Pferd verloren gehen. Dass Schockemöhle beim Pferdeverkauf nicht zu Sentimentalitäten neigt, erlebte die junge Frau bereits. Silverstone, mit der Klaphake viele Jahre aufwuchs und im Vorjahr deutsche Meisterin wurde, verkaufte der Pferdehändler Ende 2017 für einige Millionen.