Titelaspirant

Ist Bundesligist TuS Adelhausen bereit für den großen Wurf?

Matthias Konzok

Von Matthias Konzok

Mi, 05. September 2018 um 10:29 Uhr

Ringen

Aus dem bitteren Aus im Playoff-Halbfinale scheint der TuS Adelhausen gestärkt hervorgegangen zu sein. Die Bundesliga-Ringer basteln wieder an dem großen Coup.

Gerade einmal knapp 750 Einwohner zählt Adelhausen. Ein Dorf. Ein Dorf, dessen Ringer an einem Ziel arbeiten: die erste Mannschaftsmeisterschaft des TuS. Gelingt der Triumph, Adelhausen wäre der kleinste Ort, der seit der Gründung der Bundesliga 1964 den Titel holen würde. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg voller Unwägbarkeiten. Vor zwei Jahren stemmte der TuS gerade noch die Bundesliga, leitete einen Umbruch ein – und der zahlte sich aus. Die Dinkelbergstaffel hat sich vom Mit-Hängen-und-Würgen-Erstligisten zum Holla-die-Waldfee-Meisterkandidaten gewandelt.

Angetrieben vom ehrgeizig-engagierten Trainerduo Florian Philipp und Bernd Reichenbach tüftelt der TuS an idealen Voraussetzungen für den maximalen Erfolg. "Wir wollten charakterstarke Ringer, die teamfähig sind und das Vereinsleben verstehen", sagt Philipp. Letzteres spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle, gerade in einem Dorf, in dem zum Halbfinalkampf gegen den KSV Köllerbach über 800 Zuschauer in die Dinkelberghalle strömten. Mehr Fans als Einwohner.

Im Rückkampf ereilte den TuS dann das bittere Aus. "Wir hatten keine Schwachstellen, sondern nur Verletzte", sagt Reichenbach im Rückblick. Ausfälle zur Unzeit. Doch die Niederlage scheint die Verantwortlichen nur umso mehr anzutreiben. Noch mehr Akribie, noch mehr Einsatz. "Wir haben eine sehr starke Mannschaft", weiß Reichenbach vor dem Auftakt am Samstag beim AC Heusweiler.

Meister-Erfahrung aus der Deutschen Ringer-Liga

Der sportliche Leiter Alen Kovacevic hat mit dem Trainerteam akribisch am neuen Kader gefeilt. Stützen wie Ivo Angelov, Christian John und Alexander Semisorow sind geblieben, hinzu gesellen sich teils namhafte Neuzugänge, unter anderem ein Trio aus der Deutschen Ringerliga, die in Konkurrenz zur Bundesliga des Deutschen Ringer-Bundes steht. Ein Pluspunkt der Brüder Georg und William Harth (beide SVG Weingarten) sowie von Peter Öhler (ASV Nendingen): Sie haben den DM-Mannschaftstitel schon mehrmals gewonnen.

So präsentiert sich der TuS-Kader als Mischung aus Talent und Routine. Beides wichtige Erfolgsfaktoren. Ein weiterer ist die Psyche. Auch hier setzte die Adelhauser Personalplanung an, "es ist gut, zwei richtige Granaten zu haben", sagt Philipp über die Gewichtsklassen bis 57 und bis 75 Kilogramm. Zum Auftakt soll beispielsweise der Georgier Beka Bujiashvili (57) sichere Punkte einbringen, am Schluss der Ungar Balint Korpasi (75). Garantierte Zähler sollen Druck vom TuS nehmen – und ihn für die Gegner erhöhen.

"Man darf sich nie zu sicher fühlen." TuS-Coach Bernd Reichenbach
Und das neue Punktesystem in der Bundesliga "ist für uns kein Nachteil", sagt Philipp. Künftig schlagen Top-Ringer im begrenzten Punktekonto teuer zu Buche, eigene Akteure erhöhen den Spielraum. Der TuS verfügt über einen Unterbau, mit dem bundesweit nicht viele Clubs mithalten können. Eigengewächs Stephan Brunner (75) wird regelmäßig zum Einsatz kommen, und aus dem Regionalliga-Team sichern Ringer wie Felix Krafft eine verlässliche Flexibilität. Entsprechend groß ist das Selbstvertrauen beim TuS. Aber allein darauf verlassen sich die Adelhauser nicht, "man darf sich nie zu sicher fühlen", mahnt Reichenbach. Das Primärziel klingt daher bescheiden: "das Erreichen der Playoffs". Kleine Schritte bis zum großen Wurf.

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