Auf den Spuren von Bobby Fischer

dpa

Von dpa

Do, 29. März 2018

Schach

Ein US-Amerikaner greift nach der Schach-Krone.

BERLIN (dpa). Bei der amerikanischen Nationalhymne zeigte Fabiano Caruana keine Emotionen, die Zeremonie im Berliner Kühlhaus war ihm eher unangenehm, und auch über den Siegerscheck in Höhe von 95 000 Euro wird sich das junge Schachgenie wohl erst später freuen. In Gedanken eilte der Turniersieger schon weit voraus: In acht Monaten, am 28. November, will sich der 25-Jährige die Krone der Geistesriesen aufsetzen. Gewinnt Herausforderer Caruana in London das Duell mit dem Norweger Magnus Carlsen, hätten die USA erstmals seit 46 Jahren wieder einen Schach-Weltmeister.

Als Bobby Fischer 1972 in einer wahren Psycho-Schlacht in Reykjavik Boris Spasski (UdSSR) niederkämpfte, da war an Caruana noch gar nicht zu denken. Doch in der Szene hat der Italo-Amerikaner, der am 30. Juli 1992 in Miami geboren wurde, heute längst einen Namen. Im Jahr 1996 zog er mit seinen Eltern nach Brooklyn in New York, im Jahr darauf entdeckte ihn der bekannte Schachtrainer Bruce Pandolfini – und erkannte bald sein Talent. Pandolfini hatte einst auch Bobby Fischer geholfen: mit Analysen für dessen WM-Duell mit Spasski.

"Ich freue mich wirklich riesig, ich könnte nicht glücklicher sein", sagte Caruana am späten Dienstagabend, als er seine 14. und letzte Partie mit den schwarzen Steinen gegen den Russen Alexander Grischtschuk gewonnen hatte. In der Gesamtwertung des Kandidatenturniers setzte sich Caruana mit 9,0 Punkten vor dem Aserbaidschaner Schachrijar Mamedscharow und dem Russen Sergej Karjakin (beide 8,0 Punkte) durch.

Auf das WM-Duell mit dem zwei Jahre älteren Carlsen werde er sich "natürlich äußerst gewissenhaft vorbereiten". Viele trauen dem Großmeister den Titel zu, nur die Statistik spricht derzeit noch gegen Caruana, der die italienische und die US-Staatsbürgerschaft besitzt. In 31 Partien mit normaler Bedenkzeit saß er Carlsen bis dato am Brett gegenüber – fünfmal konnte er den Weltmeister schlagen. Neun Duelle gewann allerdings der Skandinavier, 17 endeten remis.