Unsichtbare Nervenstärke

Matthias Konzok

Von Matthias Konzok

Mo, 15. Oktober 2018

Schießen

Zwei Bundesliga-Auftaktsiege für Weiler Luftpistolenschützen.

SPORTSCHIESSEN Bundesliga. Kein Zucken. Keine Bewegung. Weder von seiner Hand, noch von seiner Luftpistole. Wie Pavel Svetlik den Abzug tätigt, ist kaum sichtbar. Eine Körper- und Waffenbeherrschung erster Güte. Sein Schuss ist allenfalls zu hören. Ein Aspekt, der die Spannung in der Ötlinger Mehrzweckhalle auf die Spitze treibt. Als Svetlik absetzt, durchbricht lauter Jubel die angespannte Stille. Die gelbgekleideten Bundesliga-Schützen des ESV Weil reißen die Arme nach oben: Auftaktsieg. Im Stechen leuchtete bei Svetlik eine 9.1 auf – neun Ringe. Bei seinem Gegner Tobias Bumb waren es wenige Sekunden zuvor nur acht. Genauer gesagt: 8.9. Nuancen fehlten zum Gleichstand, und so besiegten die Weiler die Sgi Waldenburg mit 3:2.

Das Stechen war der finale Höhepunkt eines spannenden Duells. Kristallisierten sich bei den anderen vier Paarungen die Sieger frühzeitig heraus, schwankten die Prognosen zwischen Svetlik und Bumb stetig. Hier der ESV-Schütze, der seine Pistole nur wenige Zentimeter über seinem Abzugspunkt ansetzt, dort Bumb, der den Zielvorgang an einem weitaus höheren Punkt einleitet, ehe er seine Pistole nach unten senkt. Beide verharren mitunter sekundenlang, ehe sie, kaum sichtbar, den Abzug tätigen.

"Sie haben es super gemacht", sagte eine freudestrahlende ESV-Trainerin Helga Kopp. Auch von ihr fiel nach Svetliks Erfolg die Anspannung ab, denn "der erste Wettkampf ist immer der schwerste. Keiner weiß, wo er steht". Dass Svetlik an Position drei antrat, war auch für Kopp ein ungewohntes Bild. Denn der ESV positionieret an Nummer eins Neuzugang Sylvain Garconnot und konnte so die folgenden Positionen mit WM-Teilnehmer Michael Schwald und Svetlik besetzen.

Für Garconnot hatte sein erster Bundesliga-Wettkampf eine besondere Herausforderung parat. Nebst der SGi Ludwigsburg hätte Waldenburg den lautesten Anhang, so Kopp, und die Waldenburger bestätigten diese These, indem sie auf dem schmalen Grat zwischen Anfeuerung und Lärmbelästigung tanzten. "Ich musste mich erst an die Atmosphäre gewöhnen", bekannte der mehrfache französische Meister. Bei Landesmeisterschaften schießt er zwar vor bis zu 2000 Zuschauern, doch sein Bundesliga-Debüt "war speziell, man muss sich noch mehr konzentrieren".

Garconnots Trefferbild zeigte eine präzise Dichte um den Mittelkreis, aber auch den Knackpunkt: "Sechs falsche Schüsse" hatte der Franzose gezählt, sodass er trotz einer bemerkenswerten Zehnerserie zu Beginn (98) sein Einzel nicht gewinnen konnte. Keine Zweifel an ihren Erfolgen ließen Michael Schwald und Christian Schebesta aufkommen, das Duo legte den Grundstein für den ersten Saisonsieg, den Svetlik vollendete.

WM-Teilnehmer Schwald mit zwei souveränen Siegen

Für Youngster Luca Schröder verlief der Auftakt suboptimal, nach drei Schüssen suchte er das Gespräch mit Kopp. "Ich war nervöser als erwartet und habe keine Ruhe reingebracht", erklärte Schröder. Er tauschte sich mit seiner Trainerin aus, das Adrenalin ging zurück, "nach der Pause war es besser". Die erste Serie kostete ihn zwar die Chance auf den Punktgewinn, doch da seine Mannschaft gewann, konnte er mit seinem Resultat leben.

Beim zweiten Wettkampf gegen den TSV Ötlingen (Kirchheim unter Teck) nutzte der ESV seine Kaderbreite, Nathalie Schelken kam für Schröder zum Einsatz. Sie holte wie Schwald einen souveränen Einzelsieg, die Weilerin erzielte mit 99 Ringen zudem den Serienbestwert des ESV beim Auftaktwochenende. Garconnot büßte mit einer schwächeren dritten Serie seine Siegchance ein. Zünglein an der Waage spielten Svetlik und Schebesta. Der Tscheche schoss erneut eine starke letzte Serie, vermied diesmal das Stechen und besiegte Fabian Dröge 377:375. Schebesta holte mit seinen letzten zehn Schüssen auf und besiegelte mit seinem 10:9-Erfolg im Stechen den 4:1-Sieg.

Die Qualifikation für das Finale um die deutsche Meisterschaft haben sich die Weiler zum Ziel gesetzt, und mit dem Auftakt haben sie eine erste Basis gelegt. Nebst Tabellenführer SV Waldkirch ist der ESV das einzige Südteam mit vier Punkten – auch weil in den entscheidenden Momenten die Nerven hielten.

ESV Weil – Sgi Waldenburg 3:2 (1873:1885 Ringe). Garconnot – Costa 372:386; Schwald – Backes 383:381; Svetlik – Bumb 374:374 (9:8); Schröder – Klossek 369:375; Schebesta – Vennekamp 375:369.

ESV Weil – TSV Ötlingen 4:1 (1873:1851 Ringe). Garconnot – Lesti 369:371; Schwald – Kobarg 378:369; Svetlik – Dröge 377:375; Schebesta – Scharpf 373:373 (10:9); Schelken – Engel 376:363.