Schnell zu Silber, stark zu Bronze

dpa

Von dpa

Mi, 08. August 2018

Leichtathletik

Gina Lückenkemper und David Storl holen EM-Medaillen.

BERLIN (dpa/BZ). Gina Lückenkemper mit Silber über 100 Meter und Kugelstoßer David Storl mit Bronze gewannen bei der Leichtathletik-EM in Berlin am Dienstagabend die ersten Medaillen für das deutsche Team.

Vor dem Training leckt sie gern mal an einer Neun-Volt-Batterie, voll unter Strom und mit Power ist Gina Lückenkemper im 100-Meter-Finale der Leichtathletik-EM zur Silbermedaille gesprintet. Die 21-Jährige musste sich am Dienstagabend im Berliner Olympiastadion nur der Britin Dina Asher-Smith geschlagen geben, die in 10,85 Sekunden (Einstellung der Weltjahresbestzeit) zum Titel stürmte. Die Niederländerin Dafne Schippers verpasste als Dritte in 10,99 Sekunden den erhofften Hattrick. Sie hatte 2014 und 2016 EM-Gold gewonnen.

Lückenkemper hüpfte nach dem Silber-Coup auf der blauen Bahn, verdrückte ein paar Tränen – und wurde von Maskottchen Berlino in den Arm genommen. Dann ging sie allein auf die Ehrenrunde und ließ sich von 34 000 Zuschauern feiern. "Ich habe jede einzelne Sekunde davon genossen", sagte sie danach im ZDF.

Schon nach dem Halbfinale sprudelte es aus Lückenkemper heraus. "Es war einfach ein geiles Rennen. Ich bin saugeil drauf. Es ist einfach mega, dass ich das auf die Bahn bringen kann." Zwei Stunden später holte sie sich ihre insgesamt dritte Medaille bei Europameisterschaften ab – die Eltern und ihr Freund jubelten im Stadion mit den Fans. Vor zwei Jahren in Amsterdam hatte sich Deutschlands Top-Sprinterin jeweils Bronze über 200 Meter und in der 4x100-Meter-Staffel erkämpft. Und das mit 19. Inzwischen ist die junge Frau reifer geworden – und schneller. Sie ist das Gesicht dieser EM. "Ich möchte von der EM mit zwei Medaillen nach Hause fahren", hatte die Athletin vor den Titelkämpfen selbstbewusst angekündigt.

Bei der WM in London rannte sie Bestzeit: 10,95 Sekunden – so schnell war als letzte Deutsche die später des Dopings überführte Doppelweltmeisterin Kathrin Krabbe im Jahr 1991 gesprintet. Mit ihrem Trainer Ulrich Kunst hat Lückenkemper vor allem an ihrem Start experimentiert – ihr größtes Manko. Auch im Finale verlor sie dort zunächst einige Meter. Dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" war die Studentin der Wirtschaftspsychologie eine mehrseitige Story wert.

Als sie einmal erzählte, dass sie sich einen Neun-Volt-Block an die Zunge hält, ging ein ungläubiges Staunen durch die Runde. Stimmt das wirklich? Ja, sie mache das vor dem Training, "um die Nervenzellen im Gehirn zu aktivieren". Um ernsthaft in der Weltspitze konkurrenzfähig zu sein, müsse sie "auf Dauer unter elf Sekunden laufen", sagte sie kürzlich. "Da habe ich noch ein paar Jahre Zeit für."

Die Gold-Serie von Kugelstoßer David Storl bei Europameisterschaften ist zwar gerissen. Der Leipziger gewann aber am Dienstag vor 34 000 Zuschauern in Berlin immerhin Bronze mit einer Weite von 21,41 Metern. Damit verpasste es der 28-Jährige nach seinen Triumphen 2012, 2014 und 2016, als erster Kugelstoßer vier EM-Titel hintereinander zu gewinnen. Dem zweimaligen Weltmeister fehlten 31 Zentimeter auf den neuen Europameister Michal Haratyk aus Polen. Zweiter wurde dessen Landsmann Konrad Bukowiecki (21,66).

Der Ulmer Zehnkämpfer Arthur Abele steuert als Zweiter des ersten Wettkampftages auf Medaillenkurs. Nach den ersten fünf Disziplinen liegt der 32-Jährige mit 4285 Punkten 95 Zähler hinter dem Briten Tim Duckworth. Favorit Kévin Mayer (Frankreich) war nach drei ungültigen Weitsprung-Versuchen ausgeschieden.

Leichtathletik-EM heute, Finals: :Weitsprung Männer (19.40 Uhr); Kugelstoßen Frauen (20.09 Uhr); Diskuswerfen Männer (20.20 Uhr); 10000 Meter Frauen (20.40 Uhr); Zehnkampf Männer (letzte Disziplin, 1500 m/21.35 Uhr). Qualifikation, u.a. Speerwerfen Männer (mit Johannes Vetter von der LG Offenburg/14.25 Uhr); Hochsprung Frauen (mit Marie-Laurence Jungfleisch aus Freiburg/18.25 Uhr).