Klenz bricht Groß-Rekord

dpa

Von dpa

Fr, 20. Juli 2018

Schwimmsport

20-jähriger Schwimmer verbessert 200-Meter-Schmetterling-Bestmarke / Baumert auf Rang sechs.

BERLIN (dpa/BZ). Uralt-Rekord gebrochen, als Belohnung eine Reise nach Schottland in Sicht: Schmetterlingsschwimmer Ramon Klenz hat am Donnerstag über 200 Meter in 1:55,76 Minuten die 32 Jahre alte Bestmarke von Michael Groß um 48 Hundertstelsekunden unterboten und darf nun wohl doch noch zur EM (12. bis 20. August) nach Glasgow fliegen.

"Das werde ich vorschlagen", sagte der begeisterte Chefbundestrainer Henning Lambertz, der den 20 Jahre alten Klenz eigentlich nicht für den Saisonhöhepunkt nominiert hatte. "Sein Rennen war phänomenal!"Am Rekord von 1986 hätten sich frühere Weltklasseschwimmer wie Helge Meeuw und Thomas Rupprath "die Zähne ausgebissen". Das zeige, wie hoch die Leistung von Klenz einzuschätzen sei. Klenz, der für den Hamburger SC schwimmt und David Thomasberger als nationalen Champion ablöste, sagte: "Mit so einer Zeit habe ich nicht gerechnet."

Schon im Rennen habe er gemerkt, dass es gut läuft. "Den Uralt-Rekord von Michael Groß irgendwann zu brechen, war schon mein Ziel. Dass es schon heute geklappt hat, ist fantastisch." Die Form-Explosion kommt wahrscheinlich gerade noch zur rechten Zeit. Eigentlich ist der vom Deutschen Schwimm-Verband (DSV) festgelegte Qualifikationszeitraum für die Europameisterschaft, die in diesem Jahr im Rahmen der European Championships in Glasgow stattfinden, schon vorbei. Ausnahmen und Nachnominierungen sind aber möglich. Der vorherige deutsche Rekordhalter Michael Groß (54) hat Klenz zur Bestmarke gratuliert – und schelmisch hinzugefügt: "Ich hatte schon Angst, den Rekord mit ins Grab zu nehmen."

Franziska Hentke braucht keine Ausnahme. Die Vize-Weltmeisterin auf der 200-Meter-Schmetterlingsstrecke ist längst qualifiziert und kann die Titelkämpfe in der Bundeshauptstadt als Vorbereitung unter Wettkampfbedingungen nutzen. Die 29-Jährige verteidigte ihren Meistertitel in 2:09,09 Minuten, war mit ihrer Zeit aber nicht zufrieden. "Das war nicht so gut", sagte sie knapp. Die Magdeburgerin gehört zu den Hoffnungsträgern des DSV-Teams bei der EM. "Man sollte die Bedeutung dieser Zeit nicht zu hoch hängen", sagte Lambertz. Der Chefbundestrainer traut Hentke in Glasgow Anfang August "eine Punktlandung" zu.

Über 400 Meter Freistil wiederholte der 22 Jahre alte Poul Zellmann (Essen) seinen Erfolg aus dem Vorjahr und sicherte sich den Meistertitel in 3:48,35 Minuten. Bei den Frauen siegte Julia Hassler (Heidelberg). Über 100 Meter Rücken löste Christian Diener in 54,60 Sekunden Marek Ulrich als Titelträger ab.

Über 100 Meter Rücken der Frauen belegte Dörte Baumert (SG Regio Freiburg) den sechsten Rang – mit der starken Zeit von 1:02,77 Minuten. Es siegte Laura Riedemann (Halle/Saale) in 1:00,60 Minuten. Die 4x200-Meter-Männer-Freistilstaffel der SG Regio Freiburg belegte in der Besetzung Marco Färber-Gonzalez, Armin Hummel, Simon Grimm und Linus Richter den fünften Rang – mit einer Zeit von 7:44,30 Minuten.

An diesem Freitag greift Marco Koch ins Geschehen ein. Der 28 Jahre alte Weltmeister von 2015 startet über 100 Meter Brust und nutzt das Rennen, um sich für seine doppelt so lange Spezialstrecke einzuschwimmen. Über 200 Meter will der bisher nicht für die EM nominierte Darmstädter am Samstag Lambertz davon überzeugen, ihn doch noch mit nach Schottland zu nehmen. Wie das geht, hat Ramon Klenz gezeigt.