"Sie haben Schatten gemessen"

dpa

Von dpa

Fr, 10. August 2018

Leichtathletik

Beim Männer-Weitsprung geht es nicht mit rechten Dingen zu.

BERLIN (dpa/BZ). Auch mit etwas Abstand war der Frust über das Mess-Chaos im Finale der Weitspringer bei EM-Silbergewinner Fabian Heinle noch nicht komplett verflogen. Ein zu kurz gewerteter Sprung kostete den Überraschungszweiten von Berlin am Mittwochabend die zwischenzeitliche Führung – und damit eine noch größere Chance auf den möglichen Gold-Satz. "Das ist ärgerlich, wenn so etwas im Finale einer EM passiert", sagte der 24-Jährige am Donnerstagmorgen über die Panne der Kampfrichter.

Sein vierter Versuch war zunächst nur mit 7,77 Metern gemessen worden. Nach einem Protest wurde die Weite erst deutlich später auf 8,02 Meter korrigiert. Damit wäre er zu diesem Zeitpunkt im Wettkampf in Führung gegangen und hätte seinen nächsten Versuch ausgelassen, um ausgeruht Kraft für einen letzten Angriff auf die Bestweite zu nehmen.

"Das ist unsäglich für uns, für die Athleten, die Trainer und auch die Zuschauer", sagte Sprung-Bundestrainer Uwe Florczak. "Man fühlt sich nicht mehr sicher. Es ist ja nicht nur in Berlin passiert, sondern auch schon vorher in Zürich oder London." Es sei kein Messfehler, sondern ein Bedienfehler gewesen, so Florczak über den Wettkampf bei schwierigen Lichtverhältnissen. "Sie haben Schatten gemessen." Mehrere Athleten beklagten, dass aus ihrer Sicht zu kurze Weiten gewertet worden seien. So kam der Schwede Thobias Nilsson Montler mit seinem letzten Versuch Heinle nochmal gefährlich nahe – diskutierte minutenlang mit den Kampfrichtern, wurde am Ende aber drei Zentimeter hinter dem Deutschen platziert.

Bundestrainer Florczak sprach sich für eine Änderung des Mess-Systems aus und schlug vor, bei der elektronischen Messung wie in der Vergangenheit auch wieder den Messpunkt im Sand abzustecken. "Damit wäre mir deutlich wohler", sagte der Leitende Bundestrainer für Drei-, Weit- und Hochsprung. Mit zweimal gesprungenen 8,13 Metern wurde Heinle Zweiter hinter dem Griechen Miltiadis Tentoglou, der 8,25 Meter sprang. "Vielleicht wäre noch was gegangen, ich bin aber auch mit der Silbermedaille zufrieden", sagte Heinle, der ebenso wie Hochspringerin Marie-Laurence Jungfleisch für den VfB Stuttgart startet und von Tamas Kiss trainiert wird, im ZDF.