Auf Rollen, die die Welt bedeuten

Benjamin Resetz

Von Benjamin Resetz

Mo, 14. Mai 2018

Rollkunstlauf

Beim Internationalen Deutschlandpokal der Rollkunstläufer in Freiburg glänzen die Stars aus Italien und Argentinien in den Küren.

FREIBURG.Der Internationale Deutschlandpokal im Rollkunstlauf lockte in der vergangenen Woche die Elite des Rollschuhsports in die Schauenberghalle, den Rollkunst-Tempel der Freiburger Turnerschaft von 1844. Hier lieferten sich Spitzenläufer aus aller Welt über eine Woche spannende Wettkämpfe. Erstmals kam ein neues Wertungssystem zum Einsatz. Die Freiburger Lokalmatadoren erlebten Triumphe und Rückschläge.

250 Läufer aus 22 Nationen brachten in der vergangenen Woche alles auf den glatten Beton der Schauenberghalle, was Körper und Rollschuhe hergaben. Auch für die Lokalmatadoren gab es in ihrer Paradedisziplin, der Pflicht, Grund zu feiern, denn die Freiburger heimsten einmal mehr diverse Medaillen ein. Doch auch Rückschläge galt es zu verkraften.

So unter anderem bei Annalena Schmid, die sich in der Juniorinnenklasse gute Chancen ausgerechnet hatte, aufgrund einer umstrittenen Wertung jedoch auf Rang sechs landete. "Sie wurde da wirklich verladen", ärgerte sich FT-Trainer und Rollkunst-Abteilungsleiter Michael Obrecht im Anschluss. "Mit ihrer Leistung hätte sie eigentlich auf dem Treppchen stehen müssen." Besser lief es für Alina de Silva. Sie trat erstmals in der Altersklasse der Juniorinnen an und holte gleich den Sieg. "Ich bin ganz frei in den Wettkampf gegangen, habe es auf mich zukommen lassen", so die glückliche Athletin. "Ich hatte einen kleinen Patzer drin, aber es hat gereicht. Der Sieg bedeutet mir alles." Ebenfalls zu einem versöhnlichen Ende brachte der amtierende Freiburger Sportler des Jahres, FT-Läufer Tim Jendricke, seinen Auftritt in der Meisterklasse. Dabei hatte sich der 20-Jährige bis wenige Tage vor dem Wettkampf mit einem Infekt geplagt.

Bei seiner ersten Figur erlaubte er sich einen Fehler, vor der zweiten wurde ihm ein obligatorisches zweites Warm-Up verweigert – er brachte sie dennoch gut über die Bühne. Erst bei der dritten Figur konnte Jendricke sein Können voll abrufen und am Ende noch zur Silbermedaille laufen, hinter dem Argentinier Luis de Mattia. "Ein Wechselbad der Gefühle", beschrieb Jendricke den Wettkampf. "Aber lieber erlaube ich mir heute einen Durchhänger als bei der Weltmeisterschaft." Dort gelte es, wieder anzugreifen und eine Medaille zu holen. Bei den Cadettinnen gab es einen weiteren Freiburger Erfolg zu bejubeln. Hier verwies Annalena Schmids jüngere Schwester Julia die Konkurrentinnen mit großem Abstand auf die Plätze.

Am Samstag standen schließlich die Kür-Wettbewerbe an. Spektakulär anzusehen, allerdings ohne Freiburger Beteiligung, sorgte das optische Highlight eines jeden Wettbewerbes wieder für volle Ränge. Dabei war es der Freiburger Abteilungsleiter Obrecht, der Ende der 1970er Jahre noch zu den weltbesten Kürläufern zählte. "Ich finde es schade, dass wir hier nicht mehr konkurrenzfähig sind", gesteht der ehemalige Weltmeister. "Aber die Zeiten haben sich geändert. Heute sind wir nur noch in der Pflicht Weltspitze."

Sportlich war hingegen einiges geboten, als die Spitzenläuferinnen und -Läufer aus Rollkunst-Nationen wie Argentinien und Italien um die Medaillen liefen. Tänzerische Elemente, Sprünge, Drehungen, Pirouetten – "Läuferisch ist das Feld in diesem Jahr sehr stark. Tolle Läufer und tolle Programme werden hier gezeigt", fand auch Obrecht anerkennende Worte. Das Publikum ging mit. Besonders die argentinischen Sportler machten mit ihrer Entourage mächtig Stimmung in der Halle. Läuferinnen feuerten ihre Teamkameraden lautstark an, während sie selbst noch für ihren eigenen Lauf geschminkt wurden. Und auch das deutsche Team unterstützte mit "Zickezacke"-Rufen Landsmann Tim Schubert, der bei den Junioren nach einem frühen Sturz nicht über Rang sechs hinauskam.

Die Pokalwoche bilanziert Abteilungsleiter Obrecht derweil als Erfolg. "Organisatorisch hat alles sehr gut funktioniert. Und auch das neue Wertungssystem, das bei uns zum ersten Mal zum Einsatz kam, wurde gut umgesetzt." Gleichzeitig kritisiert Obrecht, dass die vergleichsweise langen Pausen zwischen Lauf und Bekanntgabe der Noten den Sport seiner Dramatik beraubten. "Ich schätze die Bemühungen, die Wertung neutraler zu machen. Gleichzeitig sind sie aber sehr emotionsbereinigt – das ist nicht immer gut."

In einer großen Abschlusszeremonie gaben sich die Sportler am späten Samstagabend noch einmal die Ehre und brachten den internationalen Deutschlandpokal 2018 zu einem feierlichen Ende. Auch im kommenden Jahr wird der Wettbewerb in Freiburg steigen.