Spannende Perspektive

Uwe Rogowski

Von Uwe Rogowski

Fr, 07. September 2018

Triathlon

Triathlet Magnus Männer aus Zell startet bereits als 18-Jähriger in der Bundesliga und arbeitet detailversessen an seiner Entwicklung.

TRIATHLON. Talent, so viel ist sicher, spielt im Sport eine signifikante Rolle. Es gibt Sportarten, da ist die einschlägige Veranlagung essenziell. Eine sagenhafte Ballbehandlung beim Fußball, die hat man oder nicht. Da lässt sich nur wenig machen. Für einen guten Tennisspieler sind Antizipation und Ballgefühl vorteilhafte Begabungen. Und auch beim Triathlon erweisen sich sportspezifische Talente in der Regel als gewinnbringend. Es braucht aber vor allem eines: Willen.

Dass Magnus Männer in diesem Ausdauer-Sport erfolgreich ist, und zwar derart, dass er für den AST Süßen mit 18 Jahren als einer der Jüngeren in der Triathlon-Bundesliga startet, sollte so gesehen niemanden überraschen. Der Zeller ist offenbar mit einem beachtlichen natürlichen Antrieb auf die Welt gekommen. Sein privater Trainer, Peter Hein aus Mannheim, ebenfalls ein aktiver Triathlet, staunt jeden Tag aufs Neue. "Eine seiner größten Eigenschaften ist, dass Magnus bis in die Haarspitzen und drüber motiviert ist." Man müsse "ihn bremsen – eine tolle Eigenschaft", sagt Hein.

"Beim Schwimmen hat er Weltcup-Niveau."

Generation Playstation? Männer muss niemand von einem Monitor wegholen, an die frische Luft treiben, aufs Rad, ins Schwimmbecken. Er trainiert 17 bis 20 Stunden in der Woche, sagt Männer, was er auch nach der anstehenden Aufnahme seines Studiums auf Grundschullehramt an der PH Freiburg nicht einschränken will. Seine von Hein kreierten und regelmäßig nach GPS-Daten angepassten Trainingspläne hält er exakt ein, Männer ist auffallend wissbegierig und detailversessen, er will ständig die Abläufe optimieren, über seinen Heimatverein Turnerschaft Langenau hinaus, wo er mit elf Jahren bei Hubert Klemm ins Triathlon einstieg, sucht er nach Trainingsimpulsen, die ihn fordern und voranbringen. Was großspurig klingt, ist nicht so gemeint: "Ich suche oft Trainingspartner, finde in der Nähe aber wenige, weil es mit dem Niveau nicht so funktioniert", sagt Männer, dessen Antrieb sich unter anderem so äußert: "Wenn mir bei einem Bundesligawettkampf 20 Konkurrenten davonrennen, dann will ich, dass es bald nur noch zehn sind, und irgendwann noch weniger."

Womit man am neuralgischen Punkt wäre. Davonrennen, das machen derzeit noch viele im Wettkampf. Wäre Männer auch in der dritten Triathlon-Disziplin, dem Laufen, besser unterwegs, könnte er sogar schon ein Kandidat für Top-Plätze bei Bundesligarennen sein, wie jenem in Binz auf Rügen, wo er am Samstag für Süßen in die Ostsee springt. "Ich laufe es meist schnell an", sagt er, "überhole einige und dann heißt es für mich nur noch: überleben." Augen zu und durch. Qual auf den letzten Kilometern.

750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren, fünf km Laufen, so lauten die Koordinaten auf der Kurzstrecke. Das Radfahren spielt hier eine vergleichsweise weniger wichtige Rolle. Auf der Kurzstrecke ist, anders als etwa bei einem Ironman wie Hawaii, das Windschattenfahren erlaubt. "Da rollst du wie hinter einem LKW her und fährst einen 45er bis 47er Schnitt", sagt Männer. "Da kommt man nicht in die hohen Watt-Zahlen."

Mit dem Schwimmen bringt er sich regelmäßig in eine gute Position. Dort lässt Männer das Gros des Feldes hinter sich. Bei seinem zweiten Bundesligatriathlon, im Juli in Münster, kam er nach 9:11 Minuten als siebtbester Schwimmer aus dem Wasser, bei seinem Debüt im Kraichgau wurde er 22. (9:09). Bei der deutschen Meisterschaft der Junioren war er in diesem Jahr schnellster Schwimmer, nur ein Sturz in der Folge verhinderte mutmaßlich seinen Sieg. "Er hat ein sehr gutes Wassergefühl", sagt Trainer Hein. "Beim Schwimmen hat er Weltcup-Niveau, ist überragend, bei Olympischen Spielen würde er im Triathlon nicht unter den letzten aus dem Wasser gehen." Was fast übertrieben klingt, doch wer will ihm widersprechen? Hein ist ein Mann der Zahlen, ein studierter Mathematiker.

Um an seiner Spezialität zu feilen, hat sich Männer vor eineinhalb Jahren dem TSV RW Lörrach angeschlossen, er will von Schwimmcoach Andreas Pannachs Fachwissen profitieren. "Ich halte sehr viel von seinem Training", sagt Männer. Für das Radfahren hat er wiederum in ein Zeitfahrrad investiert, das noch in diesem Jahr geliefert wird. Trainer Hein gefällt Männers Engagement, sein Bestreben, überall etwas herauskitzeln zu wollen. Allerdings sei die Mentalität, sich an die Grenze zu treiben, "auch Voraussetzung. Sonst kommt man nicht dorthin, wo er hin möchte", sagt Hein.

Das ist ein dezidierter Hinweis auf hohe Ziele, die unter bestimmten Voraussetzungen "auch realistisch sind", wie Hein betont. Voraussetzung wäre zunächst eine dauerhafte Verbesserung der Laufzeiten. "Sie ist sein großes Defizit", sagt Hein, es gebe, Stand jetzt, nicht die Aussicht, den Top-Leuten Paroli bieten zu können. Männer müsse sich konstant den 15:00 Minuten nähern, denn "mit Schwimmen gewinnt man die Rennen nicht, das geht nur über Laufen. Diese Lücke muss er schließen". Allerdings "hat Magnus hier auch etliches Potenzial, und wenn man 2018 sieht, hat er eine gute Entwicklung gemacht". Im Kraichgau lief er eine Zeit von 15:51, in Münster 15:44.

Wo Magnus Männer genau hin will, ist nicht definiert. Der Triathlonsport bietet ja ein breites Spektrum: Langdistanz, Profis, Hawaii, Olympische Distanz. Letzteres hat er "auf jeden Fall" im Hinterkopf. Hein, der 2016 beim renommierten Triathlon Nizza über die Langdistanz 32. wurde, sieht für ihn in jedem Fall eine "spannende Perspektive".

Beim Bundesligisten AST Süßen schätzen sie das offenbar ähnlich ein. Beim Debüt noch Fünfter im Team und damit das Streichresultat, war er in Münster Dritter. Manager Simon Weißenfels hatte ihm vorerst nur ein Rennen in Aussicht gestellt, Binz wird am Samstag schon das dritte sein in seiner ersten Saison. "Das sagt doch eigentlich alles", findet Hein.