Spiel, Satz, Sieg und Onkel

Lukas Karrer

Von Lukas Karrer

Mo, 16. Juli 2018

Tennis

Adrian Obert als Lichtblick für den TC BW Oberweier an einem ansonsten gebrauchten Tag / Sorgen um Coach Oliver Killeweit.

TENNIS 2. Bundesliga: TC BW Oberweier – TC Großhesselohe 2:7. Der TC BW Oberweier hat zur Premiere in die neue Saison die erwartete Niederlage hinnehmen müssen. Der TC Großhesselohe war an der Palmengasse vor rund 450 Zuschauern deutlich überlegen. Die Hitze machte dabei nicht nur den Spielern zu schaffen. Gleich zweimal musste der Rettungswagen anrücken. Oberweiers Trainer Oliver Killeweit und eine Zuschauerin mussten mit Kreislaufproblemen vorsorglich ins Krankenhaus gebracht werden.

Den 15. Juli 2018 wird Adrian Obert so schnell nicht vergessen. Der 23-Jährige drehte zum Saisonauftakt ein verloren geglaubtes Spiel gegen Steven Diez und durfte sich Sekunden nach Spielende über eine weitere positive Nachricht freuen. Während seines Einzels war Obert Onkel eines kleinen Jungen geworden. Die frohe Kunde wurde von der anwesenden Familie direkt nach Spielende überliefert. "Ich bin heute sehr glücklich", so Obert, der mit zunehmender Matchdauer immer besser ins Rollen kam. 4:6, 5:6 und Aufschlag Diez – die Fakten sprachen gegen die Nummer vier der Gastgeber. In der Folge sammelte der Sprössling von Oliver Killeweit Punkt um Punkt.

"Ich habe den Druck, den ich mir selbst gemacht habe, positiv genutzt", sagte Obert. In der vergangenen Saison lief nicht alles nach Plan für den ehrgeizigen Tennisspieler. Nachdem Obert sich zu Beginn einige vermeidbare Fehler auf der Rückhand erlaubte, wurde eben jener zunächst wackelige Schlag zum entscheidenden Erfolgsfaktor. "Da mein Gegner mir viele Bälle in die Rückhand gespielt hat, bekam ich dort ein immer besseres Gefühl. Gerade der Crossball kam gegen Ende der Partie", erklärte der strahlende Sieger die Wende.

Abgesehen vom starken Auftritt des Eigengewächses des TCBWO standen die Akteure der Heimmannschaft in ihren Einzeln auf verlorenem Posten. Auf den Spitzenpositionen waren der ehemalige deutsche Davis-Cup-Spieler Florian Mayer und Dennis Novak, der zuletzt erst in der dritten Runde in Wimbledon an Milos Raonic gescheitert war, für Rückkehrer Felipe Mantilla und Paul Wörner zu stark. Lediglich Wörner konnte im ersten Satz mit Novak mithalten. Beim Stand von 4:5 kassierte er jedoch das letztlich spielentscheidende Break. Auch Philipp Bauer und Andrej Kracman mussten ihrem Gegenüber gratulieren. Fernando Ramboli unterlag denkbar unglücklich nach 7:1 Führung mit 8:10 im Matchtiebreak.

Während die zweite Einzelrunde begann, machten an der Palmengasse zunehmend unschöne Nachrichten die Runde. Mehrere Zuschauer klagten über Kreislaufprobleme. Unter den beiden Personen, welche die Tennisanlage in Oberweier mit dem Rettungswagen verlassen mussten, war auch Oliver Killeweit. Von Seiten aller Beteiligten gab es beste Genesungswünsche für den allseits beliebten Trainer. In der Folge wichen nahezu alle Zuschauer auf die Schattenplätze aus. Am Abend gab es Entwarnung für Oliver Killeweit und die, die sich um ihn sorgten: Es war wohl nur eine Kreislaufschwäche.

In den Doppeln wehrte sich Oberweier noch einmal nach Kräften. Felipe Mantilla und Fernando Romboli schlugen das Spitzendoppel der Gäste Florian Mayer und Marek Jaloviec im Matchtiebreak. Philipp Bauer und Andre Steinbach unterlagen nach starker Leistung ebenso wie Andrej Kracman und Paul Wörner.

Nach den Abgängen des Ungarns Attila Balasz und des Russen Alexey Vatutin fehlt es dem TCBWO an den Spitzenpositionen an Qualität.

Ohne die beiden Schweden eine Mission Impossible

Ohne die beiden kurzfristig ausgefallenen Schweden Christian Lindell und Jonathan Mridha wurde das Unterfangen zur "Mission Impossible". Adrian Obert blickt dennoch zuversichtlich in die nahe Zukunft: "Das wird eine schwere Runde für uns. Wir haben aber genug Klasse, um die Liga zu halten." Die gute Stimmung haben sie sich in Oberweier vom sportlichen Misserfolg nicht verderben lassen. Ein klares Saisonziel lässt sich Adrian Obert in der Folge dennoch nicht entlocken, generell hat er jedoch eine klare Marschroute für die anstehenden Aufgaben: "Wir wollen über Kampf, Identifikation und Willen individuell und als Mannschaft unsere Ziele erreichen."

Kompakt: Mantilla – Mayer 2:6, 3:6; Wörner – Novak 4:6, 1:6; Romboli – Jaloviec 4:6, 6:4, 8:10; Obert – Diez 4:6, 7:6, 10:2; Kracman – Krawietz 3:6, 4:6; Bauer – Zimmermann 2:6, 2:6; Mantilla/Romboli – Mayer/Jaloviec 6:1, 5:7, 10:7; Wörner/Kracman – Novak/Krawietz 2:6, 3:6; Bauer/Steinbach – Westerhof/Zimmermann 6:2, 4:6, 3:10.