Ex-DFB-Spitze angeklagt

dpa

Von dpa

Do, 24. Mai 2018

Sportpolitik

Drei Funktionären wird Steuerhinterziehung in der Affäre um die Fußball-WM 2006 vorgeworfen.

FRANKFURT (dpa). Die drei langjährigen DFB-Funktionäre Wolfgang Niersbach, Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt werden in der Affäre um die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wegen Steuerhinterziehung angeklagt. Alle drei bestätigten am Mittwoch, entsprechende Anklageschriften von der Staatsanwaltschaft erhalten zu haben.

Diese Schriften werden nun vom Landgericht Frankfurt in einem Zwischenverfahren geprüft. Danach kann Niersbach, Zwanziger und Schmidt in einer Hauptverhandlung der Prozess gemacht werden. Die Ermittler werfen dem Trio vor, eine falsche Steuererklärung für das WM-Jahr 2006 abgegeben und eine Rückzahlung jener ominösen 6,7 Millionen Euro im Zentrum der gesamten Affäre bewusst verschleiert zu haben.

Die drei langjährigen Spitzenfunktionäre weisen die Anschuldigungen zurück. "Es wird sich herausstellen, dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe völlig haltlos sind", sagte der 2015 zurückgetretene DFB-Präsident Niersbach. Sein Vorgänger Zwanziger erklärte in einer Stellungnahme seines Anwalts: "Diese Anklageerhebung ist blinder Aktionismus, um von eigenem Fehlverhalten abzulenken und die ,heiße Kartoffel Ermittlungsverfahren‘ möglichst schnell in die Verantwortung der Gerichte abzuschieben." Horst R. Schmidt, langjähriger Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), ließ erklären: "Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft verletzen mich."

Auffällig ist, dass zumindest Schmidt und Zwanziger für die Rückzahlung der 6,7 Millionen Euro unterschiedliche Argumente vorbringen. Zwanziger erklärte, dass es sich dabei tatsächlich wie auch in der Steuererklärung angegeben um einen "Zuschuss für die Fifa-Gala" gehandelt habe, die später jedoch nie stattfand. Der Anwalt von Schmidt hält dagegen an der alten DFB-Version fest, wonach dieses Geld ursprünglich dafür verwendet worden sei, "um die Voraussetzungen für die Gewährung eines Zuschusses des Fußball-Weltverbandes (Fifa) für die Durchführung der WM 2006 in Deutschland zu schaffen."

Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung in Frankfurt gehen in ihren seit November 2015 laufenden Ermittlungen allein den steuerlichen Aspekten des WM-Skandals nach. Ob durch die dubiosen Geldflüsse Stimmen für die deutsche WM-Bewerbung gekauft wurden oder nicht – darauf findet auch der erst Anfang Mai publik gewordene Abschlussbericht der Steuerfahndung keine Antwort.

Im Zentrum der Affäre stehen zwei Zahlungen über je 6,7 Millionen Euro. Der WM-Organisationschef Franz Beckenbauer erhielt 2002 ein entsprechendes Darlehen von dem früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus und leitete das Geld auf ein Konto in Katar weiter, das zum Firmengeflecht des damaligen und nachweislich korrupten Fifa-Funktionärs Mohamed Bin Hammam gehörte. 2005 zahlte dann nicht Beckenbauer die 6,7 Millionen an Louis-Dreyfus zurück, sondern der DFB. Der Verband überwies das Geld an die Fifa, die leitete es an den Franzosen, der 2009 starb, weiter. Deklariert wurde das in der Steuererklärung als Beitrag zur WM-Gala.