Intersex im Sport

KOMMENTAR: Die Suche nach einer Lösung

Georg Gulde

Von Georg Gulde

Sa, 28. April 2018

Leichtathletik

Es war das Jahr 2009, als Caster Semenya erstmals groß auf sich aufmerksam machte. Die damals 18-jährige Südafrikanerin gewann bei der Leichtathletik-WM in Berlin überlegen den Titel im 800-Meter-Lauf der Frauen. Ihr Laufstil ähnelte schon damals stark dem eines Mannes, er ist geprägt von Kraft. Fast neun Jahre nach der Goldmedaille von Berlin haben die Leichtathletik und andere Sportarten immer noch keine Lösung gefunden, wie mit hyperandrogynen Athletinnen à la Semenya umgegangen wird. Ihre Testosteronwerte sind meist dreimal höher als der Höchstwert von 99 Prozent der Frauen, also haben sie einen Vorteil – so argumentieren die einen. Die anderen kommen mit dem Argument, dass es in einem dopingverseuchten Leistungssport widersinnig sei, wenn man Athletinnen dazu zwinge, Medikamente zu nehmen. Darf Semenya belangt werden, weil sie hohe Testosteronwerte hat, für die sie nichts kann? Oder sollte eine Strafe nicht doch nur die Athleten treffen, die dopen? Der Fall von Semenya und anderen Intersexfrauen kann indes nicht rein medizinwissenschaftlich abgehandelt werden. Es geht auch um Themen wie Menschenwürde, Ethik, das dritte Geschlecht – und die Wettkampfeinteilung in Mann und Frau, die im Sport bislang typisch ist. Und es geht um die Frage, was ist fair und was ist unfair? War es fair, dass Semenya 2016 bei Olympia in Rio Gold über 800 Meter holen konnte und in Francine Niyonsaba (Burundi) und Margaret Nyairera Wambui (Kenia) zwei weitere Athletinnen mit männlichen Zügen Silber und Bronze gewannen? Ist es fair, wenn künftig Mädchen mit hohem Testosteronwert mehr gefördert werden als ihre Konkurrenz mit niedrigeren Werten? Es ist unklar, wie der Fall Caster Semenya, dessen letztes Kapitel noch nicht geschrieben ist, den Sport verändern wird. Dass er ihn verändern wird, ist indes abzusehen. Mal sehen, ob der Sport in zehn Jahren eine überzeugendere Lösung anzubieten hat als 2018.