Kolumne

Ruanda sponsert FC Arsenal mit 11 Millionen Euro pro Saison

Johannes Dieterich

Von Johannes Dieterich

Mi, 06. Juni 2018 um 11:19 Uhr

Fussball International

Einen entsprechenden Vertrag für Trikot-Werbung hat das Land, das zu den ärmsten der Erde zählt, mit dem Londoner Fußballclub abgeschlossen. Auch deutsche Entwicklungshelfer verteidigen den Deal.

Ein Werbevertrag zwischen dem zentralafrikanischen Staat Ruanda und dem Londoner Fußballverein FC Arsenal hat zu einer hitzigen Debatte geführt. Dass einer der ärmsten Staaten der Erde einen der reichsten Fußballklubs sponsert, bringt manche Beobachter in Rage, andere zur Verzweiflung. "Shirt of Shame", Hemden der Schande, titelt das britische Boulevardblatt Daily Mail. Ein "Eigentor für die Entwicklungshilfe", schimpft ein Abgeordneter der Konservativen Partei.

Auf der 200 Quadratzentimeter großen Reklamefläche auf den Trikotärmeln steht in schwarzen Lettern geschrieben: "Visit Ruanda" (Besuchen Sie Ruanda). Diese Worte kosten den ruandischen Staat umgerechnet mehr als elf Millionen Euro pro Saison, der Vertrag läuft über drei Jahre.

Die "Gunners" genannte Mannschaft verpflichtet sich auch, zu Trainingscamps nach Ruanda zu kommen. Zudem sollkünftig auf den Banden in Londons Emirates Stadion die Einladung zu lesen sein.

Das Geld für Arsenal soll aus dem Tourismusgeschäft stammen

Ruandas Präsident Paul Kagame hatte sich schon vor Jahren über Twitter als Anhänger von Arsenal geoutet. Mit der Marketinginvestition von fast 35 Millionen Euro sollen nach Darstellung der Regierung in Kigali Mehreinnahmen im ruandischen Touristengeschäft von bis zu 700 Millionen Euro erzielt werden. "Wer diesen Deal kritisiert, will entweder, dass wir für immer arm bleiben", sagt Clare Akamanzi, Chefin des Ruandischen Entwicklungsrats, "oder er hat keine Ahnung, dass Marketing ein wichtiger Teil jedes Geschäftes ist". Das Geld für Arsenal stamme aus dem Tourismusgeschäft.

Ruanda gehört zu den meistbesuchten Zielen in Afrika. Aus der deutschen Entwicklungshilfe kommen Stimmen, die die Regierung verteidigen. Die Europäer sollten aufhören, afrikanischen Ländern vorzuschreiben, wie sie sich zu verhalten hätten, so Stephan Klingebiel vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik.

Ein Haken bleibt. Zahlreiche Gunners-Fans brachten bei der Vorstellung des Trikots ihre Abneigung gegen die "hässliche" Ärmelwerbung zum Ausdruck.