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16. April 2012

Coup in Down Under

Triathlet Steffen Justus gewinnt das WM-Rennen über die olympische Distanz in Sydney.

  1. Steffen Justus Foto: AFP

SYDNEY (dpa). Jan Frodeno war einer der Ersten, der ihm zu seinem Coup beglückwünschte. Knapp vier Monate vor den Spielen in London bewies Steffen Justus durch seinen Sieg in Sydney, dass es mehr als nur einen deutschen Weltklasse-Triathleten über die olympische Distanz gibt. "Gratulation für meinen langjährigen Teamkollegen Stefan Justus", twitterte der verletzte Olympiasieger Frodeno aus der Heimat.

Kurz zuvor hatte Justus mit einem Jubelsprung ins Ziel seinen ersten Erfolg bei einem WM-Rennen gefeiert. Während Frodeno sich in der Heimat mit einer Wadenverletzung plagt, zeigte der WM-Zweite von 2010 am Samstag, was er im Olympiajahr drauf hat. Justus ist der zweite Deutsche, der seit Einführung der Serie vor drei Jahren ein WM-Rennen gewann. Frodeno hatte 2009 in Yokohama und 2010 in Seoul gesiegt. "Das gibt mir zusätzliche Motivation für die kommenden Aufgaben und vor allem auch eine Menge Selbstvertrauen und Sicherheit für das Wettkampfjahr 2012", sagte Justus nach seinem Triumph vor dem Opernhaus in Sydney – und durfte um Mitternacht weitere Glückwünsche entgegennehmen: Der gebürtige Jenaer wurde nämlich am Sonntag 30 Jahre alt.

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Außer Frodeno konnten der britische Weltmeister Alistair Brownlee, dessen Bruder und WM-Zweite Jonathan sowie der WM-Dritte Javier Gomez aus Spanien den Trip nach Australien aus unterschiedlichen Gründen nicht antreten. Das Fehlen der Stars schmälerte den Erfolg von Justus aber nicht. Sein Triumph kam nicht überraschend. Schmatzel oder Schmertzel, wie er von Freunden und Bekannten genannt wird, mischt seit Jahren in der Spitze mit. Sein Wille im Training, seine Fokussierung und seine Stabilität seien Justus’ Qualitäten, so Wolfgang Thiel, Sportdirektor der Deutschen Triathlon Union (DTU). "Und vor allem seine Laufstärke."

Die zeigte der Sohn des ehemaligen 1500-Meter-Europameisters Klaus-Peter Justus auch in Sydney. Zudem agierte der in Saarbrücken lebende und trainierende Justus taktisch klug. Nach 1:51,04 Stunden für die 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen hatte er im Ziel einen Vorsprung von neun Sekunden auf den Südafrikaner Richard Murray.

Zum Medaillenkandidaten für London wollten die Verantwortlichen Justus (noch) nicht machen. "Das Ergebnis zeigt aber, dass wir in der Vorbereitung vieles richtig gemacht haben", sagte DTU-Sportchef Thiel. Mit dem Sieg hat Justus auch den letzten Leistungsnachweis für das Olympia-Ticket erbracht. Er kann sich nun voll auf London konzentrieren. Den einzigen Start vor Olympia im Rahmen der WM-Serie hat er im Juli in Hamburg.

Außer Justus hatten Frodeno und Anja Dittmer 2011 als Erste die Qualifikation geschafft. In diesem Jahr müssen sie noch eine Top-20-Platzierung vorweisen. Auch Dittmer erfüllte als 20. die Formalie. Beste Deutsche war die Münchenerin Anne Haug, die als Siebte ihre Ambitionen auf den zweiten Olympia-Platz neben Dittmer unterstrich. Siegerin in Sydney wurde die Australierin Erin Densham.

Autor: dpa