Ringen

TuS Adelhausen hat gute Chancen auf das Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft

Uwe Rogowski und Matthias Konzok

Von Uwe Rogowski & Matthias Konzok

Fr, 17. November 2017

Ringen

Der TuS Adelhausen erlebt eine über das Bundesligateam hinaus erfolgreiche Saison, stößt aber personell an Grenzen / Freitag in Triberg.

RINGEN. Die Aussichten des TuS Adelhausen sind vielleicht so gut wie noch nie: Zwei Siege noch – dann ist ein Vorstoß mindestens in das Halbfinale um die deutsche Meisterschaft realistisch. Dass diese Saison für den Ringer-Club nicht nur als schöne Episode in Erinnerung bleibt, dafür soll gesorgt werden.

Florian Philipp stockt ein wenig, er scheint nicht zu verstehen. Ob er zufrieden sei mit der aktuellen Situation? Blöde Frage. "Unsere Zweite ist Tabellenführer, die Jugend II wird Meister in der Bezirksliga und die Jugend I ist in der höchsten Jugendliga vorne dabei", sagt der Adelhauser Bundesligatrainer im Schnellsprech, als habe er sämtliche Ringer-Tabellen vor Augen. "Und mit dem Bundesligateam sind wir Tabellenzweiter, stehen in den Playoffs." Schon gut, verstanden. Bei so einer Bilanz bleibt kein Raum für Unzufriedenheit.

Mit einem Sieg beim SV Triberg am Freitag – wieder mit Perez, Semisorow fraglich – sowie zum Rundenende in Nackenheim wäre Platz zwei sicher und eine Setzung als bester Staffel-Vize höchstwahrscheinlich, was ein Aufeinandertreffen mit den Meistern der drei Ligen bis zum Playoff-Halbfinale ausschließen würde. Ein weites Vordringen wäre angesichts der Anstrengungen, die der TuS mit Blick auf den starken Kader trotz einer gewissen Zurückhaltung unternimmt, folgerichtig. Angelov, John, Starcevic, Semisorow, Chakaev – Tiefstapelei würde die Konkurrenz belustigen. Doch Bundesligaringen ist nur das, was oben rauskommt.

Mit dem Unterbau sei der TuS "deutschlandweit vorne dabei", betont Trainer Thomas Weber, der mit der Regionalligamannschaft bei idealem Verlauf schon in zwei Wochen die Meisterschaft sicher machen könnte. Die zweite Liga sei als Entwicklungsfeld unbezahlbar, "hier ringen ehemalige Bundesligaakteure und Weltklasseathleten", präzisiert Weber, so könnten sich beispielsweise Nachwuchskräfte wie Felix Krafft oder Stephan Brunner für die Bundesliga nachhaltig vorbereiten.

Das ideale Sprungbrett. Denn von der Regionalliga ist der Leistungssprung laut Weber "nicht zu groß". Krafft traf am vergangenen Wochenende in Tennenbronn (14:11) auf den bulgarischen Olympiateilnehmer Dimitar Kumchev – beste Wettkampfausbildung für ein Ringertalent, denn um sich in der ersten Liga nicht zum Gespött zu machen, "müssen sie vorher entsprechende Gegner haben", sagt Weber. Etabliert sich ein Brunner im Bundesligateam, das sechs deutsche Ringer benötigt, stärkt das gleichzeitig die Verbindung zum Umfeld des Vereins, es müsse Ziel sein, die deutschen Positionen mit eigenen Ringern zu besetzen. Brunner war in dieser Runde schon sechsmal für den TuS in der Bundesliga im Einsatz.

Axel Asal "die wichtigste Verpflichtung der letzten Zeit"

Und hinter der Regionalliga? Der Weg aus der Jugend über die dritte in die zweite Mannschaft könnte unter anderem Alican Ulu dauerhaft gelingen, der Greco-Spezialist ist ein ehrgeiziges Talent. "Sein Trainingsfleiß macht sich bezahlt", sagt Weber. In Tennenbronn habe Ulu seinen ersten Regionalligasieg knapp verpasst (5:6 nach 5:0-Führung); Kontrahent David Brenn habe mit "Cleverness in den entscheidenden Situationen" gepunktet. Ulu könne aber "ein Leistungsträger in der Regionalligamannschaft werden".

Dass Talente beim TuS nach oben drängen, sei kein Zufall, sagt Weber, man habe sehr engagierte Jugendtrainer, mit A-, B- und C-Lizenzen, und "bis zu 50 Kinder im Training. Die Eltern sehen, dass sie beim TuS gut aufgehoben sind".

Ein wichtiger personeller Faktor sei Jugendleiter Axel Asal, sagt Florian Philipp. "Seit er da ist, geht es bei uns im Nachwuchsbereich stetig nach oben." Vor zwei Jahren kam Asal von der WKG Weitenau-Wieslet, wo er Co-Trainer unter Roland Vögtlin war. "Eine der wichtigsten Verpflichtungen der letzten Zeit", findet Philipp, allerdings stoße der Verein an Grenzen.

Soll der Status als Bundesligastandort mit gehobenem Anspruch erhalten und der als Nachwuchsschmiede ausgebaut werden, "müssen wir uns weiter ergänzen". Speziell in der sportlichen Leitung "drehen wir mit vier Leuten am Rad, sind schmal besetzt". Bundesliga und Regionalliga seien mit Trainingsleitung und Mannschaftsbetreuung "ein Riesenaufwand". Der Verein fahnde verstärkt nach kompetentem Zuwachs, was nicht einfach sei, so Philipp. Die Strahlkraft eines DM-Halbfinalisten würde die Suche vermutlich positiv beeinflussen können.

1. Bundesliga: SV Triberg – TuS Adelhausen, Freitag, 20.30 Uhr. Regionalliga: TuS Adelhausen II – AB Aichhalden, Samstag, 20 Uhr.