Ringen

TuS Adelhausen würde sich einer reformierten Bundesliga anschließen

Uwe Rogowski und Matthias Konzok

Von Uwe Rogowski & Matthias Konzok

Fr, 25. November 2016

Ringen

TuS Adelhausen würde sich reformierter Ringer-Bundesliga anschließen / WKG in der Warteschleife.

RINGEN. Aus zwei mach eins: Der Deutsche Ringer-Bund will zur neuen Saison die erste und zweite Bundesliga zusammenlegen. Bei bis zu vier regionalen Staffeln à zehn Clubs sollen Kosten und Risiken für die Vereine begrenzt und die höchste Klasse attraktiver gestaltet werden – so jedenfalls heißt es vom DRB. Ob es so kommt, ist fraglich. Pläne gab es schon viele. Der Ringer-Bezirk Oberrhein wäre von der Reform jedenfalls betroffen. Wie steht es um die Meinungen? Der TuS Adelhausen würde sich wohl nicht verschließen, doch es gibt ein Problem: Es mangelt an Kommunikation.

TuS Adelhausen

Unmittelbar betroffen ist der TuS Adelhausen als Erstligist, dessen zweite Mannschaft zudem in der – noch drittklassigen – Regionalliga vertreten ist. Am 20. Dezember, drei Tage nach dem Ende der Hauptrunde, läuft die Frist des Dachverbandes ab. Bis dahin muss sich der TuS wie alle anderen 37 Bundesliga-Clubs entscheiden: Meldet er für die neue erste Liga oder erteilt man dem DRB eine Absage? Auf dem Dinkelberg sieht man die Reformpläne positiv. "Es macht Sinn, die Kosten in den Griff zu bekommen", sagt der TuS-Vorsitzende Aribert Gerbode. Denn der finanzielle Ausuferungsprozess Clubs könnte mit einer Deckelung gestoppt werden; vorgesehen ist eine Budgetlimitierung von, dem Vernehmen nach, 150 000 Euro. "Das reicht an die jetzige Größe eines Zweitliga-Budgets heran." Zudem hätte eine regionale Einteilung positive Effekte. "Die Fahrtkosten wären geringer", erklärt Gerbode mit Blick auf mögliche Konkurrenten wie Triberg, Urloffen oder Freiburg. Zugleich könnten die Zuschauereinnahmen durch reizvolle Regionalduelle und mehr Gästefans steigen. Doch gibt es auch einen Haken: Melden zu wenige Teams, könnte Adelhausen auch in einer Staffel mit bayrischen Vereinen landen. "Burghausen wäre eine Tagesreise", so Gerbode. Elementar sieht er derzeit aber ein anderes Problem: "Der Verband muss mehr mit den betroffenen Vereinen kommunizieren." Es gelte, die eigene Reform zu bewerben. Stattdessen herrscht das große Schweigen im Walde. Es passt ins Bild der zerstrittenen Ringerzunft, deren Erstligisten offen eine Abspaltung und Gründung einer eigenen Liga forcierten. Für Gerbode jedoch ist klar, dass eine Zukunft nur in Einklang mit dem Dachverband denkbar ist. Über das Stimmungsbild der anderen Vereine kann nur gemutmaßt werden. "Wie man hört, sind die östlichen Vereine gar nicht happy", berichtet Gerbode, der vor dem Adelhauser Auswärtskampf am Samstag in Mainz zugleich aber bestätigt: Der TuS plant, fristgerecht für die neue erste Liga zu melden.

Weitenau-Wieslet

Es ist grotesk: Die WKG Weitenau-Wieslet bringt sich durch ihren sportlichen Erfolg in die Bredouille. Vor dem Kampf am Samstag bei Schlusslicht KG Fachsenfeld/Dewangen zählt die WKG zur Spitzengruppe der Regionalliga – und befindet sich in Aufstiegsgefahr. Der Meister muss aufsteigen, andernfalls wird ein Verein drei Klassen tiefer strafversetzt. Sportlich käme der Aufstieg in die Bundesliga aber zu früh, sagt Walter Möhrle, erster Vorsitzender des SV Wieslet. "Wir haben ziemlich viele junge Ringer. Mindestens ein weiteres Jahr in der Regionalliga wäre für sie sinnvoll." Zudem setzt die WKG bewusst auf einheimische Akteure, eigene Talente. Für Wöhrle gibt es noch zu viele offene Aspekte, um die Reform zu bewerten. Wie viele Ausländer sind zugelassen? Wie sind die Staffeln eingeteilt? In Weitenau-Wieslet weiß man um die Gefahr, dass auf den Verein höhere Kosten zukommen können. "Wir sind damit schon mal schlecht gefahren", erinnert sich Möhrle an jene Zweitliga-Zeit, als die WKG plötzlich bis nach Burghausen und Hof fahren musste. Am Ende nahm der Club den Abstieg in Kauf, um zu überleben. Die finanzielle Herausforderung wäre heuer die größte Hürde für die WKG. Zwar ist die Frist auf den 20. Dezember gesetzt, doch obwohl die WKG ein potenzieller künftiger Zweitligist ist, "hat mit uns ist bislang niemand Kontakt aufgenommen". Die Kommunikation ist suboptimal: So hängt die WKG in der Warteschleife. "Wir müssen abwarten, was passiert", sagt Möhrle. Klarheit gebe es zudem wohl erst im Februar. "Für die Planungen ist das viel zu spät", kritisiert Wöhrle.

RG Hausen-Zell

Die RG bewegt das Thema Reform nur periphär. Das Vorgehen des Verbandes bei gewissen Dingen wird zum teil befremdend zur Kenntnis genommen, etwa dass der SVG Weingarten für die Ausrichtung der Endrunde wohl das Betreiben des lukrativen VIP-Zeltes untersagt wurde. "Das will der Verband wohl selber machen", sagt RG-Coach Florian Hassler, der für mehr Solidarität unter den Clubs plädiert. Doch das Thema erste und zweite Liga ist für die Hausen-Zeller weit weg. "Wir sehen uns in der Regionalliga, das ist für uns vorläufig die richtige Liga", sagt Björn Gut, der Abteilungsleiter Sport. Aufgrund der Rahmenbedingungen sei alles oben dran "noch Jahre entfernt". "Das Theater im Oberhaus", wie Gut sagt, "ist für uns nicht wichtig." Er geht davon aus, dass die Reform in den oberen Ligen ohnehin anders verlaufen würde und eigentlich auch solle. "Ich bin überzeugt, dass es keine 40 Mannschaften in einer Liga werden, es wird ja noch Rückzüge geben." Genau hier liege etwas im Argen. "Denn das Problem ist doch, dass es von Jahr zu Jahr weniger Vereine im Ringen werden." Gut könnte sich "das Modell Eishockey" vorstellen, eine reine Profiliga. "Es kommt der rein, der es sich leisten kann." Und darunter sollten "die Strukturen regionalisiert" sein. Die RG schaut sich die Reformpläne aus der Ferne an. "Wir haben derzeit weder das Potenzial für die höheren Ligen noch Ambitionen", so Gut. Die Hausen-Zeller planen derzeit noch zweigleisig – also auch für die Oberliga. Doch die Wiesentäler haben sich mit einer Siegesserie eine gute Ausgangsposition verschafft, die Liga zu halten. Sollte es zwei Absteiger geben, wonach es momentan aussieht, würde ein weiterer Sieg reichen. Dass der schon am Samstag beim ASV Nendingen II geholt wird, ist unwahrscheinlich. Angesichts der jüngsten Vorstellungen allerdings auch nicht utopisch.