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10. Februar 2012 10:02 Uhr

CAS

Dopingsünder Ullrich – Rolle der Uniklinik weiter unklar

Es ist der endgültige Sturz einer Sport-Ikone: Der CAS stempelt Jan Ullrich zum Dopingsünder und stützt sich dabei auf Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft und der Guardia Civil.

Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) sieht es als erwiesen an, dass der ehemalige Radprofi Jan Ullrich während seiner aktiven Karriere Blutdoping betrieben hat. Das höchste Sportgericht in Lausanne stützte sich dabei auf Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft Bonn und der spanischen Guardia Civil. Offen bleibt nach wie vor, ob Ullrich auch von Sportmedizinern der Uniklinik Freiburg gedopt wurde. Er selbst schwieg am Donnerstag zu den Vorwürfen, kündigte aber eine Erklärung an.

Mit seinem Urteil zog der CAS einen Schlussstrich unter mehrjährige staatliche Ermittlungen und sportjuristische Auseinandersetzungen. Er sperrte Ullrich vom 22. August 2011 an für zwei Jahre. Diese Strafe ist allerdings praktisch bedeutungslos, denn der ehemalige Profi des Teams Telekom/T-Mobile hat seine Karriere bereits vor fünf Jahren beendet. Außerdem erkannte der CAS dem heute 38-Jährigen Rang drei bei der Tour de France 2005 und den Gesamtsieg bei der Tour de Suisse 2006 ab. Ullrich muss dem Gewinner des Verfahrens, dem Radsport-Weltverband, 10 000 Schweizer Franken Prozesskosten bezahlen. Nach Schätzungen der Deutschen Presse-Agentur soll er im Laufe seiner Karriere mindestens 50 Millionen Euro verdient haben.

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Der gebürtige Rostocker wurde im DDR-Sport groß und gewann 1983 als Neunjähriger sein erstes Schulrennen. Vom systematischen Staatsdoping im sozialistischen Unrechtsregime auch an Jugendlichen will Ullrich aber nie etwas mitbekommen haben. Zu Beginn der 1990er Jahre zog er nach Merdingen, wo er fast ein Jahrzehnt lang lebte. Betreut wurde er während dieser Zeit von der Sportmedizin der Freiburger Universitätsklinik. Bis heute ist nicht bewiesen, dass die ehemaligen Universitätsmediziner Andreas Schmid und Lothar Heinrich auch Ullrich gedopt haben. Eine 2007 unter öffentlichem Druck eingesetzte Kommission der Uniklinik konnte zwar systematisches Doping beim Team Telekom/ T-Mobile von 1993 bis 2006 belegen. Die Kommission unter dem ehemaligen Richter Hans-Joachim Schäfer vermied es aber in ihren Berichten 2008 und 2009, einen direkten Bezug zum prominentesten Telekom-Fahrer herzustellen. Ullrich beteiligte sich auch nie an der Aufklärung. Allerdings gelangte die Kommission an möglicherweise gefälschte Patientenakten. Danach soll die Uniklinik zwei verschiedene Akten zu Ullrich geführt haben: eine mit unauffälligen Blutwerten und eine zweite, in der offenbar die tatsächlichen Werte festgehalten wurden.

Gefälschte Patientenakte ist nur ein Indiz für Doping

Die getarnte Akte trug laut Kommission die Aufschrift "Maier, Ulrich, geboren am 02.12.1937". Jan Ullrichs Geburtsdatum lautet: 02.12.1973. Es wurden also möglicherweise nur die beiden letzten Zahlen gedreht. Die unauffälligen Werte in der offiziellen Patientenakte könnten von einem der behandelnden Ärzte herrühren. Bewiesen wurde das aber nie. Gegen Schmid und Heinrich ermittelt schon seit 2007 die Staatsanwaltschaft Freiburg, ein Ende ist abzusehen.

Der Sportgerichtshof CAS stützte sich in seinem Urteil nicht auf die Erkenntnisse aus Freiburg, sondern auf Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft Bonn und der Guardia Civil. Danach war Ullrich seit 2005 Kunde von Eufemiano Fuentes. Im Kühlschrank des mutmaßlichen Dopingarztes wurden Blutbeutel gefunden, die sich Ullrich zuordnen lassen. Außerdem überwies der Radprofi mehr als 80 000 Euro an den Mediziner.

Doping-Bekämpfer Werner Franke hatte das bereits 2007 behauptet und musste sich in der Folge zahlreicher Attacken durch Ullrichs Anwälte erwehren. Erst nach viereinhalb Jahren bekam Franke vor Gericht recht. Der Heidelberger äußerte sich am Donnerstag enttäuscht über das Urteil: "Es war seit Jahren überfällig und ist viel zu weich für all das Zeug. Ullrich ist doch über 20 Mal alleine zum Blutdoping zu Fuentes gefahren."

Ullrich selbst hat Doping stets bestritten und – auf juristischen Rat hin – nur gesagt, er habe "niemanden betrogen". Seit 1997 ist in Merdingen eine Straße nach ihm benannt. Noch immer bekommt er Angebote von Sponsoren. Sein neuester Werbepartner ist Alpecin ("Doping für die Haare").

Autor: Andreas Strepenick