Unter Männern

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

Fr, 11. November 2016

Ringen

Das 17-jährige Talent Johannes Voegele ringt im zweiten Jahr bei den Aktiven des TuS Adelhausen II.

RINGEN Regionalliga: RG Reilingen-Hockenheim – TuS Adelhausen II, Samstag, 20 Uhr. Drittletzter nach zwölf Kämpfen: Die Reserve des TuS Adelhausen steckt plötzlich unten drin. Der Knoten will einfach nicht platzen. Doch es geht ja um mehr als Punkte und Siege. Mit Johannes Voegele hat der TuS II ein Ausnahmetalent in seinen Reihen.

Johannes Voegele erkennt man schon von weitem. Die wuscheligen Locken auf dem Kopf des 17-Jährigen sind so etwas wie sein Markenzeichen. "Mittwoch ist der vollste Tag", sagt der Minselner. "Da trainiere ich zweimal." Seit 2015 lebt er im Freiburger Sportinternat, trainiert im Olympiastützpunkt und geht zur Wentzinger-Schule. Erst Freitagabend pendelt er in die Heimat Rheinfelden, um beim TuS Adelhausen das letzte Training der Woche mitzunehmen. Am Wochenende stehen dann die Kämpfe an. Seine Zeitfenster sind eng.

"Weitermachen", hört man ihn immer wieder sagen. Nach vorne schauen und nicht ausruhen also. So lautet seine Devise, die einst Torhüter Oliver Kahn nachhaltig in Umlauf brachte. TuS-II-Trainer Thomas Weber sieht Parallelen. "Johannes ist ein Ausnahmeringer mit unbändigem Willen", charakterisiert er seinen Schützling, der nie zufrieden sei. Der Freistilringer hat, obwohl noch nicht einmal volljährig, bereits eine Trophäensammlung an Land gezogen, auf die selbst arrivierte Sportler stolz zurückblicken würden. Seit zehn Jahren hat Voegele auf südbadischer Ebene keinen Kampf verloren. Seit 2012 holte er sich viermal den deutschen Meistertitel, zweimal war er bei der Europameisterschaft dabei, zuletzt in diesem Sommer.

"Ich will eine internationale Medaille"

"Auch wenn ich jeweils früh ausgeschieden bin, war das eine gute Erfahrung", erzählt Vögele und sagt forsch: "Jetzt will ich das, was jeder Ringer will: eine internationale Medaille." Sein Trainer bestätigt, wie realistisch diese Ziele sind: "Er hat absolut das Zeug dazu."

Seit vergangener Saison ringt Vögele in der Adelhauser Reserve. In seinem ersten Jahr hatte er mit sieben Siegen und ebenso vielen Niederlagen eine beachtliche Bilanz. In dieser Runde hat er dreimal aufgrund von Krankheit gefehlt. Zu Buche steht erneut eine ausgeglichene Ausbeute: vier Siege, vier Niederlagen.

"Das Highlight war aber mein Bundesliga-Debüt", verrät der Fliegengewichtler. Anfang Oktober berief Erstliga-Trainer Florian Philipp das Talent erstmals ins Bundesligateam. Gegen den starken Köllerbacher Andrei Dukov schlug sich Voegele ordentlich, auch wenn er 0:4 tehnisch unterlegen verlor. "Er hat ja über fünf Minuten durchgehalten", sagt einer, dessen Stolz sich nicht überhören lässt: Hannes Vögele ist nicht nur Abteilungsleiter beim Bundesligisten, er ist auch stolzer Vater. Die Geschichte zum Debüt-Kampf seines Sohnes ist indes eine kuriose. "Bis Freitagabend kann man beim Verband eine Lizenz beantragen", erklärt Hannes Vögele: "Danach hat man dann zwei Wochen Zeit, um die Gebühren zu überweisen." Im Überschwang des Vögele-Debüts ging aber unter, dass die Gebühren für Voegele junior noch nicht bezahlt worden waren. Im Nachhinein ging der Kampf deshalb am Grünen Tisch verloren. "Es war trotzdem toll zu sehen, was es gegen erfahrene ausländische Ringer noch braucht", sagt Johannes Vögele.

Am Samstag muss der TuS II bei der RKG Reilingen-Hockenheim, dem Sechsten des Klassements, ran. Vögele wäre nicht Vögele, wenn er nicht schon eine klare Kosten-Nutzen-Rechnung aufgemacht hätte: "Wenn wir weiter so gut trainieren, werden wir auch wieder anfangen zu gewinnen", sagt das Talent. Seine Betonung liegt dabei deutlich auf dem Wort "trainieren".