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28. Juni 2010
Das neue Gefühl im Schopfheimer Sand
Die Volleyball-Vorzeigefrau Angelina Grün holt sich beim A-Top-Turnier ihren ersten Sieg als Beachvolleyballerin / Favoriten setzen sich auch bei den Männern durch.
BEACHVOLLEYBALL. Am Untergrund lag es sicher nicht, dass der Weg von Angelina Grün und Rieke Brink-Abeler am Samstag in Schopfheim ziemlich steinig war. Mit 150 Tonnen Feinsand hatten die Organisatoren um Turnierchef Martin Schaffner den Schopfheimer Marktplatz für das A-Top-Turnier der baden-württembergischen LBS-Cup-Serie zur Wohlfühlzone für Spitzenduos aus der deutschen Beachvolleyball-Szene umgebaut. Dennoch mussten sich die Favoritinnen Grün/Brink-Abeler für den Turniersieg ziemlich strecken. Bei den Männern gewannen am Sonntag die Vorjahressieger Marvin Klass und Tim Wacker (Rottenburg/Rhein-Main).
Seit Jahresbeginn hat Angelina Grün ihre Zukunft auf Sand gebaut. Doch das körnige Element bringt die neunmalige Volleyballerin des Jahres, die in der Halle ein Jahrzehnt lang die Angriffslast in der deutschen Nationalmannschaft trug, zuweilen noch aus dem Gleichgewicht. Sowohl im Viertelfinale gegen die späteren Finalistinnen Marie Dinkelacker und Richarda Zorn (Offenburg) als auch im Halbfinale gegen Leonie Müller und Ruth Flemig (Freiburg/Marmagen-Nettersheim) verschliefen Grün und ihre erfahrene Beachpartnerin Brink-Abeler (beide 30) den ersten Satz und mussten im zweiten Durchgang zwei Matchbälle abwehren.Werbung
"Wir kosten das Turnier hier wirklich aus", sagte Grün, die im Finale jedoch nicht zu stoppen war. Nun wandelte sie ihre physische Stärke in krachende Angriffsschläge um, denen die unterlegenen Dinkelacker und Zorn ("Sie haben uns im Viertelfinale wohl ein wenig unterschätzt") nicht mehr gewachsen waren.
Doch Schlaghärte und Blockhöhe sind im Beachvolleyball weniger gefragt als in der Halle. "Im Sand liegt die Kunst darin, Ruhe zu bewahren und nicht nur draufzuschlagen", hat Grün erkannt. Zudem ist die Psyche unter freiem Himmel stärker gefordert, da man sich nach einem Fehler nicht im Team verstecken kann und bei jedem Ballwechsel gefordert ist. "In der Halle kannst du nach einer Abwehr ruhig auf dem Boden liegen bleiben, hier lässt du damit deinen Partner im Stich", verdeutlicht Grün, die ihren Lernprozess als Novizin im Beachzirkus noch längst nicht abgeschlossen sieht: "Auf dem Feld mal das schwache Glied zu sein, das ist für mich eine neue Erfahrung."
Obwohl das prominente Duo bei den Weltserienturnieren bislang jedes Mal entweder in der internen deutschen Ausscheidung (nur vier Teams pro Nation sind erlaubt) oder in der Qualifikation hängen blieb, steckt es nicht den Kopf in den Sand. "Wir wollen uns eine gute Basis für das nächste Jahr schaffen", gibt Brink-Abeler, bereits 2004 deutsche Beach-Meisterin, vor. Grün erhielt von anderen Hallenspielern, die erfolgreich den Wechsel in den Sand schafften, den Rat, nicht zu verzagen und sich ein Jahr Zeit zu nehmen. "Geduld und Demut sind gefragt", sagt ihr Trainer Bernd Werscheck. An Olympia 2012 denke noch keiner.
Spielpraxis und Punkte für die deutsche Rangliste sammeln – diese Ziele erreichten Grün/Brink-Abeler in Schopfheim mit ihrem ersten Turniersieg. "Wir fliegen nun mit einem guten Gefühl nach Stavanger", bilanziert Brink-Abeler. Beim Weltserienturnier in Norwegen wartet am Montag wieder der deutsche Quoten-Vergleich auf die Spielerinnen des USC Münster, die dort schon als A-Jugendliche und in der Bundesliga zusammenspielten: "Ich habe geklatscht und Angie hat gespielt", sagt Brink-Abeler scherzhaft.
Während die Frauen am Samstagabend bei angenehmer Sommerfrische ihr Finale spielten, schwitzten die Männer tags darauf in der flirrenden Hitze wie Wüstensöhne. Als die ersten Stände und Zelte 25 Minuten vor Beginn des deutschen WM-Achtelfinales bereits abgebaut wurden, legte Raimund Wenning den Ball knapp neben die Linie, und das topgesetzte Duo Wacker/Klass hatte seinen ersten Matchball gegen seine Trainingskollegen aus Rottenburg und Frankfurt genutzt. Burkhard Sude und Christian Pampel, zwei weitere Hallen-Promis, schieden am Samstag aus und wurden Siebte.
Autor: Matthias Kaufhold


