Analyse

Wenn ARD und ZDF Olympia nicht mehr übertragen, leidet die Vielfalt der Disziplinen

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Di, 29. November 2016

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Wie geht es weiter mit der Vielfalt des Sports in Deutschland, wenn immer mehr Top-Wettkämpfe nur noch im Privat- und Bezahlfernsehen übertragen werden? Wird die Monokultur des Fußballs noch weiter wachsen? Versinken noch mehr kleine Sportarten in der Bedeutungslosigkeit? Das ist zu befürchten, wenn ARD und ZDF Olympische Spiele nicht mehr übertragen.

ARD und ZDF scheiterten mit ihrem Versuch, die Senderechte für die vier Winter- und Sommerspiele zwischen 2018 und 2024 zu erwerben. Die Berichterstattung übernimmt nun der Sender Eurosport. Er wird nur einen Teil der Wettkämpfe frei und kostenlos übertragen. Für den größten Teil des sportlichen Geschehens wird der Zuschauer künftig Geld bezahlen müssen – entweder über Pay-TV oder auf Internetplattformen. Noch scheinen die Verhandlungen der Öffentlich-Rechtlichen mit dem US-Medienunternehmen Discovery nicht endgültig gescheitert zu sein. Im Augenblick läuft aber alles darauf hinaus, dass die Berichterstattung über den olympischen Sport die größte Zäsur ihrer Geschichte erfährt.

Olympia-Gegner werden sich freuen. Endlich Schluss mit dem dopingverseuchten Spitzensport in ARD und ZDF! Endlich Ruhe vor Spektakeln, die vor Korruption und Betrug nur so zu strotzen scheinen. In der Tat ist an Olympia viel zu kritisieren. Die Art und Weise, wie das Internationale Olympische Komitee die Idee des fairen Wettstreits unter Gleichen in den vergangenen Jahrzehnten missbrauchte und die Spiele zur Geldmaschine umbaute, widert viele Menschen an – nicht zuletzt die Sportfans selbst.

Es gibt dabei nur ein Problem. Olympia ist mehr als ein 16-tägiges Spektakel einiger Stars. Die Spiele sind auch eine Leistungsschau all der vielen kleinen Sportarten, die normalerweise im Schatten des Fußballs stehen. Wenn nur noch ein Bruchteil der Spiele frei empfangbar sein wird, hat das Auswirkungen auf all jene Disziplinen und Spielarten des Sports, die nur alle vier Jahre eine echte Chance bekommen, sich einem Millionenpublikum zu präsentieren. Basketballer, Handballer, Leichtathleten und Ruderer bei Sommerspielen; Eishockey-Cracks, Eiskunstläufer, Snowboarder und Freestyler bei Winterspielen: Das sind nur acht Beispiele von vielen. Für Millionen Sportfans, aber auch für Millionen Aktive in den 90 000 Sportvereinen Deutschlands bietet Olympia die einzige Chance, ihren Sport einmal so packend und spannend präsentiert zu bekommen, wie er in Wahrheit ist.

Olympia ist mehr als die Freak-Show einer kleinen Minderheit. Es ist auch die Spitze einer Bewegung, die nach unten hin in den Freizeit- und Breiten- und Vereinssport mündet und in der viele Menschen einen hohen Wert sehen – aller Kritik zum Trotz. Die sportliche Landschaft in Deutschland ist so bunt und vielgestaltig wie kaum eine andere auf der Welt. Diese Vielfalt gilt es zu schützen.