Wenn Rowdys den Golfplatz erobern

sid

Von sid

Mi, 28. März 2018

Tennis

Spieler klagen zunehmend über betrunkene Fans.

FRANKFURT (sid). Als seine Gattin beschimpft wurde, schrillten bei Rory McIlroy endgültig die Alarmglocken. Schnurstracks lief Nordirlands Top-Golf dem alkoholisierten Störenfried entgegen, brachte seinen Ärger über dessen geschmacklosen Rufe zum Ausdruck – und ließ den Schreihals entfernen. "Ich habe das Gefühl", sagte McIlroy später, "dass solche Vorfälle immer häufiger vorkommen." Tatsächlich mehren sich die kritischen Worte der Golfprofis, die für ihren perfekten Schlag höchste Konzentration benötigen und Ruhe fordern. Gerade in den USA verstoßen immer häufiger Fans gegen die Etikette. Sie stören die Abläufe, bepöbeln die Spieler – Schuld ist meist der Alkohol. "Ich verstehe ja, dass die Leute ihren Spaß haben wollen. Aber wenn es persönlich wird, muss man einfach reagieren", erklärte McIlroy. Im Februar hatte bereits der Weltranglistenzweite Justin Thomas (USA) einen Fan entfernen lassen.

McIlroy forderte deshalb, den Verkauf alkoholischer Getränke auf den Anlagen zu stoppen oder zumindest zu reduzieren. Bei den Verantwortlichen der PGA Tour stößt dieser Vorschlag allerdings auf taube Ohren."Das ist nunmal der Preis, wenn man neue Fans gewinnen will. Das müssen unsere Spieler einfach akzeptieren", sagte Commissioner Jay Monahan. "In jedem Sport gibt es Auswärtsspiele, wo die Leute nun mal gegen dich sind."

Im Golf ist dies allerdings anders, wirklich hitzige Auswärtsduelle gibt es nur alle zwei Jahre beim Ryder Cup zwischen den USA und Europa. Auch dort fließt der Alkohol, auch dort brüllen die Fans – größtenteils sind das allerdings anfeuernde Schlachtrufe und keine Schmähgesänge unterhalb der Gürtellinie. Die sind vor allem bei den Turnieren in den USA zu vernehmen. Tendenziell richten sich die Rufe der patriotischen US-Anhänger vor allem an Spieler wie McIlroy oder den Spanier Sergio Garcia, Golfer also, die in der Vergangenheit schon beim Ryder Cup für viel Emotionen gesorgt hatten. Der findet in diesem Jahr in Paris statt (28. bis 30. September).