Manipulationen

300 Sieger im Langlauf stehen unter Doping-Verdacht

dpa/sid

Von dpa & sid

So, 04. Februar 2018 um 18:03 Uhr

Skilanglauf

Kurz vor Olympia sorgen Berichte über Doping-Manipulationen im Ski-Langlauf für Irritationen. Mehr als 300 Medaillen sollen von Athleten mit verdächtigen Blutwerten gewonnen worden sein.

Kurz vor den Winterspielen in Pyeongchang haben Enthüllungen über dopingverdächtige Blutwerte von Ski-Langläufern, die in den vergangenen 16 Jahren insgesamt 313 Medaillen bei Olympia und Weltmeisterschaften gewonnen haben, für Unruhe gesorgt. Dies ist fast die Hälfte aller Langlauf-Medaillen, die bei diesen Titelkämpfen zwischen 2001 und 2017 vergeben wurden. Das berichteten die ARD-Dopingredaktion, die Sunday Times, das schwedische Fernsehen SVT und das Schweizer Digitalmagazin republik.ch am Sonntag.

Dem Rechercheverbund war von einem Whistleblower eine Datenbank mit rund 10.000 Bluttests von fast 2000 Wintersportlern zugespielt worden, die diese ungewöhnliche Häufigkeit verdächtiger Blutwerte dokumentieren soll. Experten zufolge liegt laut einer ARD-Mitteilung die Wahrscheinlichkeit einer anderen Ursache als Doping für derartige Werte unter Topathleten bei lediglich einem Prozent.

50 Sportler auf der Liste, die für Olympia qualifiziert sind

Die Daten zeigten zudem, dass mehr als 50 Skilangläufer auf der Qualifikationsliste für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang bei Bluttests auffällige Werte aufwiesen, die nahelegten, dass sie in der Vergangenheit betrogen haben könnten und ohne Sanktion davongekommen seien. Die größte Anzahl an Athleten mit verdächtigen Werten stamme aus Russland mit 51 Sportlern gefolgt von Deutschland mit 22 Athleten. 76 Prozent aller russischen Medaillen im betreffenden Zeitpunkt wurden demnach von Athleten mit verdächtigen Blutwerten gewonnen.

Der Deutsche Olympische Sportbund wollte zunächst keine Stellungnahme dazu abgeben. "Wir brauchen noch mehr Informationen", sagte DOSB-Sprecherin Ulrike Spitz.

"Es gibt eine beachtliche Zahl von Medaillengewinnern mit ungewöhnlichen oder höchst ungewöhnlichen Blutprofilen", sagte der US-Arzt James Stray-Gunderson der ARD. "Das deutet auf beachtliche Verbreitung von Doping im Skilanglauf hin."