Vierschanzentournee

Alle drei Schwarzwälder für das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen qualifiziert

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

So, 31. Dezember 2017 um 16:44 Uhr

Skispringen

Neun der 13 deutschen Starter qualifizieren sich für das Neujahrsspringen der Vierschanzentournee in Garmisch-Partenkirchen. Darunter auch die drei Schwarzwälder Stephan Leyhe, David Siegel und Andreas Wank.

Am ersten Tag des neuen Jahres 2018 (14 Uhr/ZDF) wird auf der Olympiaschanze bereits eine Vorentscheidung darüber fallen, wer noch eine realistische Chance auf den Gesamtsieg bei der 66. Vierschanzentournee hat. Man kann sie im Stadion von Partenkirchen noch nicht gewinnen, aber man kann sie schon verlieren - so viel steht fest.

16 Jahre nach Sven Hannawalds Grand-Slam - er gewann als erster und nach wie vor einziger Skispringer alle vier Springen und damit natürlich auch die Gesamtwertung - ruhen die deutschen Hoffnungen nach wie vor auf dem Weltcup-Führenden Richard Freitag von der SG Nickelhütte Aue. Mit seinem zweiten Platz zum Auftakt in Oberstdorf hinter dem Polen Kamil Stoch wahrte er seine Chance, Hannawald zumindest beim dem Gewinn der Gesamtwertung nachfolgen zu können.

Zwei Meter Rückstand für Freitag

4,2 Punkte Rückstand hat der 26-Jährige im Augenblick auf Stoch, das sind umgerechnet gut zwei Meter. Neben Stoch präsentierte sich allerdings auch sein Landsmann Dawid Kubacki als Dritter überraschend stark zum Tournee-Start in Oberstdorf. Das polnische Team wird von Stefan Horngacher in Titisee-Neustadt trainiert, Stoch hatte bereits die Tournee 2016/2017 unter Horngachers Regie für sich entscheiden können.

Die Qualifikation am Sonntag in Garmisch-Partenkirchen hatte wie immer nur begrenzte Aussagekraft für den eigentlichen Wettbewerb am Montag. Seit sie aber für alle, auch die zehn Weltbesten verpflichtend ist, kann sie niemand mehr auslassen - auch die Top-Starter nicht. Der Norweger Johann André Forfang entschied sie mit einem Ausnahmesprung auf 140,5 Meter für sich. Dawid Kubacki wurde mit 135,5 Metern Zweiter vor seinem polnischen Teamkollegen Stefan Hula mit der gleichen Weite. Richard Freitag bewies mit 135 Metern und Platz vier, dass er hervorragend regenerieren konnte in der Nacht nach dem Auftaktwettbewerb in Oberstdorf. Alles Weitere wird der Montag zeigen.

Stephan Leyhe aus Breitnau auf Platz 20

Auf jeden Fall sind dann die drei Vertreter der Trainingsgruppe aus Hinterzarten im weltweit beachteten Neujahrsspringen zu sehen. Stephan Leyhe, der Breitnauer vom SC Willingen, machte seine Sache gewohnt souverän. "Ich bin zufrieden", sagte der 25-Jährige der Badischen Zeitung in Garmisch-Partenkirchen nach seinem Sprung auf 129 Meter und Platz 20: "Der Tag heute ist gut verlaufen für mich." Potenzial sieht Leyhe noch an der Kante. "Da rutschen mir die Beine manchmal noch ein bisschen durch. Da bin ich im ersten Flugdrittel dann einfach zu steil und verliere zu viel Geschwindigkeit."

David Siegel vom SV Baiersbronn, der zu Beginn des Jahres 2017 nach Titisee-Neustadt umzog und ebenfalls in Hinterzarten trainiert, konnte sich mit 121 Metern und Rang 36 ebenfalls für den Montag qualifizieren. "Der Sprung war okay heute", sagte der 21-Jährige. "Ich konnte mich ähnlich wie in Oberstdorf steigern und hoffe, dass ich am Montag daran anknüpfen kann." Vor zwei Jahren hatte Siegel mit einem 16. Platz in Garmisch-Partenkirchen zum ersten Mal international auf sich aufmerksam gemacht. "Ich habe sehr gute Erinnerungen an die Schanze", erklärte er.

Olympiasieger Ammann verpasste die Qualifiaktion

Andreas Wank, der zuletzt längere Zeit mit Rückenproblemen zu kämpfen hatte, versprach nach der Qualifikation, auch an Neujahr wieder alles zu geben. 120,5 Meter hatten ihn auf den 45. Platz gebracht, aber er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. "Ich warte jetzt auf den einen Wettkampfsprung, bei dem es einfach einmal super klappt", erklärte er der BZ.

Die Qualifikation sah aber auch zwei prominente Verlierer. Doppel-Doppel-Olympiasieger Simon Ammann verpasste nach 120,5 Metern ausgerechnet als 51. knapp den Sprung in den Wettkampf. Dabei hält der inzwischen 36 Jahre alte Schweizer ausgerechnet hier in Garmisch-Partenkirchen den Schanzenrekord mit 143,5 Metern. Das ist allerdings schon genau acht Jahre her. Auch Skisprung-Oldie Noriaki Kasai (45) aus Japan wird vielen Fans fehlen. 115 Meter brachten ihn in der Quali nur auf Platz 58.

Dreikampf zwischen Stoch, Freitag und Kraft?

Es war ein sonniger letzter Tag im Jahr 2017 am Fuß der Zugspitze, der Himmel blau, die Stimmung gut. Dauerregen und Wind-Chaos in Oberstdorf waren vergessen, und die Voraussetzungen für einen fairen Wettkampf am 1. Januar des neuen Jahres schienen gut zu sein. Die Abstände nach dem ersten von vier Wettkämpfen in Oberstdorf sind noch gering. Es spricht im Augenblick noch einiges dafür, als würde sich die Tournee tatsächlich zum erwarteten Dreikampf zwischen Stoch, Freitag und dem Österreicher Stefan Kraft entwickeln.

Kraft, der einzig verbliebene Hoffnungsträger des Österreichischen Ski-Verbands, hatte es am Oberstdorfer Schattenberg am Samstag auf Platz vier gebracht. Stoch führt vor dem Neujahrsspringen in der Gesamtwertung mit 279,7 Punkten vor Freitag (275,5), dem Überraschungs-Dritten Kubacki (270,1) und Kraft (262,8). Unter den Norwegern scheint nur noch der 22 Jahre alte Johann André Forfang als Siebter mit 255,3 Punkten einigermaßen aussichtsreich im Rennen zu liegen. Deutschlands zweites Flieger-Ass Andreas Wellinger hatte in Oberstdorf mit ausgesprochen schlechten Windbedingungen zu kämpfen, er liegt vor dem zweiten Wettbewerb mit 254,0 Punkten auf Rang zehn.

Leyhe mit Chancen auf Teilnahme an Springen in Österreich

Nach dem Neujahrsspringen entscheidet Bundestrainer Werner Schuster, welche sieben Starter der Deutsche Ski-Verband zu den beiden österreichischen Wettbewerben in Innsbruck (4. Januar 2018) und Bischofshofen (6. Januar 2018) entsenden wird. Unter den drei Schwarzwäldern hat im Augenblick nur der Breitnauer Leyhe eine realistische Chance, die Tournee zu Ende springen zu dürfen. Siegel (38.) und Wank (33.) hatten am Oberstdorfer Schattenberg das Finale der besten 30 verpasst.

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