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13. Juli 2012
Angela König: Königin der Vielseitigkeit
BZ-SERIE (3): Angela König ist als Trainerin und Lehrerin sportliches Vorbild für junge Menschen.
SKILANGLAUF. "Ich hab’ immer alles Vielseitige spannend gefunden", sagt Angela König. Viele Sportarten hat sie gerne ausprobiert. Vielleicht sei das ja der Grund dafür, dass sie es in keiner ganz nach oben schaffte, meint die Bubenbacherin – lächelnd und ohne jede Spur von Bedauern. Hauptsache Sport, Bewegung in der Natur, Begegnung mit Gleichgesinnten, das war und ist der heute 59-Jährigen wichtiger als der vordergründige Erfolg, der sich an Siegen und Titeln orientiert. Wobei sie auch davon einige vorzuweisen hat.
"Alles ein bisschen Zufall", sagt Angela König über ihre sportlichen Anfänge. Mit zehn, elf Jahren begann sie bei der LG Eisenbach-Bubenbach mit Leichtathletik. Vater Heinrich Spitz war dort Trainer und Abteilungsleiter. Im Skilanglauf gab’s damals noch keine Rennen für Schüler, erinnert sich die zierliche Frau. Der Kreisjugendskitag 1964 war ihr erstes Rennen auf den schmalen Latten. Doch es bedurfte eines Anrufs von Reinhold Rohrer, Trainer, Sportwart und "Macher" des Ski-Clubs Bubenbach, bis die 14-jährige Angela drei Jahre später begann, "richtig zu trainieren". Nach geschaffter Qualifikation bei der Schwarzwaldmeisterschaft durfte sie 1968 erstmals zur deutschen Meisterschaft nach Nesselwang.Werbung
Bereits im folgenden Jahr kam die junge Hochschwarzwälderin durch den Sport erstmals nach Skandinavien: Als deutsche Vizemeisterin startete sie im schwedischen Bollnäs bei der Nordischen Junioren-Ski-Europameisterschaft. "Der damalige Kronprinz Carl Gustaf hat mir die Hand geschüttelt, jedem Teilnehmer", erinnert sich Angela König an einen besonderen Moment. Auch 1970 in Gosau (Österreich) und 1971 in Nesselwang gehörte sie zur Junioren-EM-Auswahl des Deutschen Skiverbands: "Es waren immer vier Mädchen dabei, ich war immer die Vierte." 1970 und ’71 hatte Angela Spitz mit ihren Vereinskameradinnen Margarete Rohrer und Lisbeth Kleiser in der Staffel die deutsche Jugendmeisterschaft gewonnen. Das Bubenbacher Mädchen-Trio qualifizierte sich 1972 auch für das olympische Jugendlager bei den Winterspielen in Sapporo, das ihnen neue Horizonte eröffnete.
Danach rückte für die 20-Jährige das Mathematik- und Sportstudium an der Pädagogischen Hochschule (PH) Freiburg in den Vordergrund. Beide Fächer passten gut zusammen, findet sie noch heute: In der Mathematik galt "immer dranbleiben" bis zur Lösung, im Sport "üben, üben, bis man’s kann, es muss nicht der erste Platz rauskommen". Zur Leichtathletik – "ich war eher die Sprinterin" – kamen noch Volleyball, Handball, Fußball, später Tennis, im Skilanglauf startete sie nur noch bei Hochschulmeisterschaften. "Man hat überall andere Leute kennen gelernt, das war mir wichtig."
Ihren Mann Edi König hatte sie schon früher kennen gelernt, doch 1976, im Jahr ihres ersten Staatsexamens, sind der Breitnauer und Angela Spitz einander "näher gekommen", erzählt sie schmunzelnd. Die baden-württembergische Meisterschaft 1977, ausgerichtet vom SC Neustadt auf der heimischen Hochebene, erlebte sie dann als ein sportliches "Highlight". Am Freitag gewann Angela Spitz das Rennen über zehn Kilometer, während die vier Jahre jüngere Schwester Ulrike gerade Abitur schrieb. "Sie war eigentlich deutlich besser" in der Loipe, sagt die Erstgeborene. Doch am Sonntag schafften die Schwestern das Kunststück, sich den Titel über fünf Kilometer mit der selben Laufzeit zu teilen.
keine Abfahrt"
Königs Absage an Straßenmarathons
Beim Engadiner Skimarathon war die Bubenbacherin bei jedem ihrer Starts beste deutsche Frau. Ihren "Lieblingsmarathon", den Pustertaler in Südtirol, hat sie zwischen 1984 und 1988 viermal gewonnen. Bei der Senioren-Weltmeisterschaft im bayerischen Hirschau 1985 gewann Angela König auf Anhieb mehrere WM-Titel in ihrer Altersklasse. Weil dort aber "die Leute total verbissen" gewesen seien, sagt sie, "ist mir eine Schwarzwaldmeisterschaft lieber". Oder die vom SV Friedenweiler 2008 am Herzogenhorn ausgerichtete deutsche Seniorenmeisterschaft bei "Superwetter". "Sechs Titel für zwei Könige" titelte die BZ danach, denn das Ehepaar König hatte alles gewonnen, was es zu gewinnen gab.
"Dafür hab’ ich auch trainiert", sagt Angela König. Das tut sie in der Regel mehr "nach Körpergefühl" als nach Plan. Was sie motiviert, ja beflügelt, erzählt sie mit strahlenden Augen: Bei Traumwetter auf einem Pass die Berge ringsum sehen und viele Frauen im Rennen um sich herum haben wie etwa 2006 beim Drei-Zinnen-Alpin-Marathon über 21 Kilometer in Südtirol – "da kann ich rennen". Oberste Maxime auch beim Berglauf: "Ich will für mich oben ankommen, ohne dass ich tot bin".
Eine vielseitige sportliche Ausbildung war der Sportlehrerin auch bei der Jugendarbeit in ihrem Verein immer sehr wichtig. Jungen und Mädchen von sieben Jahren an bot sie ein abwechslungsreiches Training an: Spiele, Waldlauf und Wandern zählten ebenso dazu wie klassische Leichtathletik und Skilanglauf. Großen Wert legte die Pädagogin stets darauf, "dass auch die Schwächeren respektiert wurden" und niemand ausgegrenzt wurde. Den von ihnen ins Leben gerufenen Eisenbacher Läuferabend organisierten Angela und Edi König von 1993 bis 2008.
Mit 50 Jahren begann die Übungsleiterin ihre Aktivitäten im Verein zu reduzieren. Die Kindergruppe gab sie ab, die seit 1977 von ihr geleitete Frauenriege des SC löste sich auf. Jetzt genießt sie mit ihrem Mann Ski- und Bergtouren.
Noch immer unterrichtet die 59-Jährige an ihrer ersten Schule, dem Realschulzug des Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG) in Furtwangen. Beim Schulwettbewerb "Jugend trainiert für Olympia" hat sie in mehr als drei Jahrzehnten OHG-Mannschaften in Leichtathletik, Mädchenfußball, Basketball und natürlich Skilanglauf betreut. Die Langläufer schafften es "fast immer" ins Bundesfinale. "Die körperliche Ausbildung ist auch ganz wichtig für den Kopf", so die Erfahrung der "Lehrerin mit Leib und Seele".
Angela König war und ist auch Sportlerin mit Leib und Seele. Davon haben bis heute viele junge Menschen profitiert.
Autor: Annemarie Zwick





