Die Biathleten suchen den Weg aus der Krise

dpa

Von dpa

Fr, 07. September 2018

Biathlon

Bis Sonntag tagt der Biathlon-Weltverbandes IBU in Kroatien / Franz Steinle will Vizepräsident werden / Oberhof hofft auf die Austragung der WM 2023.

POREC (dpa). Wenn es am Freitag an Kroatiens Mittelmeerküste um die Zukunft einer ganzen Sportart geht, wollen sich die deutschen Funktionäre nicht wegducken. "Meine Kandidatur ist durchaus als klares Signal zu verstehen, dass wir uns als führende Biathlonnation in der Verantwortung sehen, aktiv an der Aufklärung und an den notwendigen Weichenstellungen für die Zukunft mitzuarbeiten", sagte Franz Steinle. In der schwersten Krise des Biathlon-Weltverbandes (IBU) will der Präsident des Deutschen Ski-Verbandes als erster Vizepräsident in eine Führungsposition.

Nach dem russischen Staatsdopingskandal und umfassenden Ermittlungen wegen Korruption innerhalb der IBU sind Transparenz und ein energisch geführter Anti-Dopingkampf vonnöten, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. "Ich bin zuversichtlich, dass die IBU eine Kehrtwende vollzieht. Die Leute, die gerade die Strippen ziehen, sind aufgewacht", sagte der zweimalige Weltmeister Erik Lesser. Der Thüringer ist Mitglied der Athletenkommission und ahnt, wie ernst die Lage für den liebsten Wintersport der Deutschen ist: "Sie wissen, dass sie mit der Beliebtheit des Biathlonsports kämpfen. Dass sie Angst haben müssen, die Sponsoren nicht zu verprellen."

Um das abzuwenden, brauche man "eine transparente Verbandsführung und ein korruptionsfreies Verbandswesen", sagte Lesser. Der 68 Jahre alte Jurist Steinle will in Porec am späten Freitagnachmittag nicht nur in den Vorstand, sondern auch erster Stellvertreter des ebenfalls neu zu wählenden Präsidenten werden. Für das höchste Amt kandidieren die Lettin Baiba Broka und der Schwede Olle Dahlin.

Von der Zusammensetzung der Gremien und dem Anteil an frischen Kräften dürfte es abhängen, in welche Richtung die IBU geht. "Wir brauchen jetzt einige schnelle, transparente und nachhaltige Entscheidungen", sagte Steinle. Vor allem im Kampf gegen Doping-Betrüger. "Ich kann nur dafür kämpfen, dass man in der näheren Zukunft alles dafür tut, um Doping auszurotten", sagte Lesser.

Seit Ende 2017 laufen Ermittlungen der österreichischen Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wegen Doping- und Betrugsverdachts sowie Geschenkannahme. Der ehemalige IBU-Präsident Anders Besseberg aus Norwegen ist von den Ermittlungen nach Angaben des Verbandes ebenso betroffen wie russische Sportler und Betreuer. 65 Dopingfälle sollen vertuscht worden sein. Besseberg bestreitet die Vorwürfe. Als Folge der Ermittlungen hatte das Internationale Olympische Komitee alle Zahlungen an die IBU eingestellt. Erst nach der Präsidentenwahl und einer Anti-Doping-Reform soll es wieder Zuwendungen geben. "Es wäre schön, wenn der Präsident und das neue Exekutivkomitee fair und kompetent die Belange des Verbandes leiten, dass man den Athleten zuhört. Denn die Athleten machen den Sport und nicht die Funktionäre", sagte der zweimalige Olympiazweite Lesser, der feststellte: "Das Image hat auf alle Fälle gelitten."

In Porec fällt am Sonntag eine weitere wichtige Entscheidung. Das thüringische Oberhof bewirbt sich um die WM 2023. "Eine WM vor diesen unglaublichen Fans würde ganz sicher eine positive Sogwirkung für die nachfolgenden Jahre haben, von der nicht nur die Region Thüringen und Deutschland, sondern der gesamte Sport nachhaltig profitieren würde", sagte Steinle, der ergänzte, dass Deutschland "eine, wenn nicht die wichtigste tragende Säule" für die ganze Sportart ist. Auch deswegen wolle man verstärkt in die Verantwortung.