Chancengleichheit im Sprungsport

dpa

Von dpa

Di, 27. März 2018

Skispringen

Die Skispringerinnen sollen künftig wie die Männer verstärkt auf Großschanzen vom Bakken gehen.

PLANICA (dpa/str). Zehntausende Zuschauer, prestigeträchtige Standorte und immer mehr Preisgeld: So sieht die Skisprung-Tour der Männer aus. Leere Ränge, kleine Schanzen und Austragungsorte fernab der öffentlichen Aufmerksamkeit: So sieht mancherorts die Skisprung-Tour der Frauen aus. Damit das nicht so bleibt, plant der Ski-Weltverband (FIS) nächsten Winter eine Angleichung. Die Frauen sollten künftig auf den großen Schanzen springen und häufiger gemeinsam mit den Männern antreten, kündigte Renndirektor Walter Hofer in Oslo an. Auch ein gemeinsamer Weltcup in Deutschland sei geplant.

Was bei Biathleten und Langläufern längst Usus ist, soll nach und nach Einzug bei den Schanzen-Assen finden. Die Frauen um Weltmeisterin Carina Vogt haben für diesen Schritt, der in diesem Sommer von FIS-Komitee und Council endgültig beschlossen werden soll, lange gekämpft. Sie wollen mehr Aufmerksamkeit, eigene Wettkampfserien, mehr Mixed-Wettbewerbe und verstärkt die große Schanze. "Dass es jetzt so schnell geht, hätte ich nicht gedacht", sagte Vogt nach den jüngsten Entwicklungen. Auch die männlichen Kollegen freuen sich, wenn sie künftig mit vergrößertem Tross durch den Winter ziehen dürfen. "Ich finde es cool für die Mädels. Die Wettkampfserie ist noch immer am Anfang, aber sie entwickelt sich immer weiter", sagte Olympiasieger Andreas Wellinger. "Vielleicht haben wir dann ja das eine oder andere Mixed mehr."

Auch der Weltcup-Zweite Richard Freitag befürwortet den geplanten Schritt des Weltverbands zu einer Zusammenführung. "Grundsätzlich hoffen wir, dass sie den Anschluss kriegen. Verdient haben’s die Mädels auf jeden Fall", sagte der 26 Jahre alte Sachse. Für Freitag könnte es dann auch die Gelegenheit zu einem gemeinsamen Wettbewerb mit seiner zehn Jahre jüngeren Schwester Selina geben. "Aber das hat noch Zeit. Sie hat noch Zeit", befindet Freitag. Markus Eisenbichler freut sich "natürlich, dass auch mal weibliche Begleitung dabei ist". Im gemischten Team hat der Bayer schon einmal eine WM-Goldmedaille mit Vogt und Svenja Würth bejubeln dürfen.

Das Frauen-Skispringen hat sich in den vergangenen Jahren stark entwickelt, vor allem technisch. "Die Maren Lundby springt schon extrem cool", meinte Wellinger zur Norwegerin, die in diesem Winter den Frauen-Weltcup dominiert hat. Auch Alfons Hörmann hat sich für eine Angleichung ausgesprochen. "Es wäre schön, wenn die Kräfte in dieser so faszinierenden Sportart mehr und mehr geschlechterübergreifend gebündelt werden", sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes der Allgäuer Zeitung.

Im vergangenen Winter waren die Skispringerinnen unter anderem in Hinterzarten zu Gast. Ob der kleine Standort mit seiner Normalschanze auch 2018/2019 einen Weltcup austragen darf, ist im Augenblick unklar. "Das ist noch nicht entschieden", sagte Stefan Wirbser, Präsident des Skiverbands Schwarzwald, am Rande des Weltcups der Nordischen Kombinierer in Schonach der BZ.