Das Lächeln wiederfinden

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Fr, 27. Januar 2017

Nordische Kombination

Andreas Wank beim Weltcup in Willingen/ Kombinierer und Springer bei der Jugend-DM in Baiersbronn gefordert.

SKI NORDISCH. Sport kann grausam sein. Eben noch wie ein Fixstern über allen anderen schwebend, ist mancher Athlet plötzlich raus aus dem Wettkampfgeschehen, zurückgeworfen auf sich selbst. Skispringen ist ein Risikosport. Das musste Doppelweltmeister Severin Freund erfahren, der nach einer Hüftverletzung monatelang pausierte. Jetzt zog er sich bei einem Trainingssprung einen Kreuzbandriss zu. Die Saison ist vorbei, die Titelverteidigung bei der WM Utopie. Unverhofft kehrt damit Andreas Wank vom SC Hinterzarten, der am Wochenende das Continentalcupspringen in Sapporo gewonnen hatte, in Willingen zurück ins Weltcupteam.

Er hat nicht damit gerechnet. Und was Freund passiert ist, tut Wank "wirklich richtig leid". Dennoch will er seine Chance nutzen und, womöglich im letzten Moment, den Sprung zur WM im finnischen Lahti schaffen. Dort könnte Wank, 2014 Olympiasieger mit dem Team, gebraucht werden und gefragt sein. Als offener und humorvoller Interviewpartner. Mit einem strahlenden, entwaffnenden Lächeln. Das hatte er am 1. Januar, wie vor zwei Jahren schon einmal, nach dem Neujahrsspringen der Vierschanzentournee in Garmisch-Partenkirchen verloren, weil ihn Bundestrainer Werner Schuster zurück in den Continentalcup, die zweite Liga der Weitenjäger, verbannte.

Die Weltcup-Hoffnungen von übermorgen sind am Wochenende bei der deutschen Jugendmeisterschaft der Springer und Kombinierer in Baiersbronn gefordert. Ursprünglich waren die Titelkämpfe in Klingenthal geplant, doch weil die Veranstalter im Vogtland die Probleme mit der Präparierung der Anlaufspur nicht in den Griff bekamen, wurde die DM auf die 90-Meterschanze in Baiersbronn verlegt. Dort hätte Jonathan Siegel ein Heimspiel erwartet, doch weil Andreas Wank in den Weltcup aufrückt, wurde der 18-Jährige, der am Skiinternat Furtwangen (SKIF) ausgebildet wird, für den Continentalcup in Bischofshofen nominiert.

Bei den Olympischen Jugendspielen (EYOF) in Lillehammer hatte Siegel im vergangenen Februar Silber und Bronze gewonnen, bei der Junioren-Weltmeisterschaft im rumänischen Rasnov sprang er zwei Wochen später zusammen mit seinem älteren Bruder David und den SKIF-Kumpeln Adrian Sell und Tim Fuchs (Degenfeld) zu Mannschaftsgold.

Die JWM 2017, die am Montag in Park City (USA) beginnt, war erklärtes Saisonziel für den Titelverteidiger. Doch im Sommer ging: nichts. Jonathan Siegel sprang in ein Leistungsloch und zum Auftakt des Winters im Deutschlandpokal hinterher. Die JWM-Qualifikation verpasste er ebenso klar wie Adrian Sell. "Schade drum", sagt Skisprung-Landestrainer Rolf Schilli, aber dramatisch sei das nicht. Wer den Weg in die Spitze schaffen wolle, der müsse auch lernen, zu scheitern. Das Wellental der Enttäuschung habe Jonathan Siegel, "auch wenn er noch ein, zwei offene Baustellen hat", hinter sich gelassen: "Er hat sein Lächeln wiedergefunden." Am Start in Park City ist, als einziger baden-württembergerischer Springer, Tim Fuchs. Die deutsche Jugendmeisterschaft für die Springer der Jahrgänge 1999 und jünger ist eine Standortbestimmung, die für manche Athleten aus dem Schwarzwald noch zu früh kommt. Die Qualifikations-Norm für die DM hätten eigentlich nur fünf seiner Springer erfüllt, so Schilli, aber er nehme ganz bewusst zehn Athleten, darunter Quirin Modricker und Yanik Idesheim vom SC Hinterzarten, mit nach Baiersbronn, "weil die Jungs Erfahrung sammeln sollen".

Kombinierer ohne drei Medaillenkandidaten

Zeitgleich im Deutschlandpokal am Start sind Adrian Sell, die Brüder Axel und Jan Mayländer, Justin Nietzel vom SC Hinterzarten und Skispringerin Pia Kern (ST Schonach-Rohrhardsberg), Tochter des Extremskifahrers und Freeride-Pioniers Flori Kern. Erwartungen, so Schilli, habe er nicht. Er sei schließlich dafür da, geistige Hürden zu überwinden: "Das geht nur mit relaxtem Training.

Sport kann hart sein: Gleich drei Medaillenkandidaten aus dem Land verpassen die Jugend-DM in der Kombination. Constantin Schnurr verletzte sich bei einem Alpencupspringen, Jonas Jäkle vom Skiteam Schonach-Rohrhardsberg, der im vergangenen Winter bei den Springern und Kombinierern im Deutschen Schülercup (DSC) dominiert hatte, stürzte jüngst beim J-16-Springen der Deutschlandpokalserie in Villach und zog sich eine Gehirnerschütterung zu. Nach einem Kreuzbandriss ist der Winter für Jan Andersen vom Skiinternat Furtwangen vorbei.

Landestrainer Thomas Krause reist mit neun Nachwuchskombinierern zur Jugend-DM, darunter Julian Ketterer und Paul Schlegel von der SZ Breitnau und Jonas Maier vom SC Waldau. Nach zwei traumhaften Trainingswochen auf den Schanzen in Schonach und Hinterzarten und perfekt präparierten Loipen sieht Krause seine Athleten hoch motiviert: "In der Jugend 16 ist ein Podestplatz drin, da bin ich sehr optimistisch."