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20. August 2012

Das Mixed-Debüt und ein Heimsieg

Frauen und Männer springen gemeinsam in Hinterzarten.

  1. Deutschland-Premiere: Im Mixed-Team schaffen es (von links) Ulrike Gräßler, Richard Freitag, Carina Vogt und der Breitnauer Andreas Wank auf Platz drei. Foto: ACHIM KELLER

  2. Am Sonntag gewinnt Andreas Wank, der am Stützpunkt in Hinterzarten trainiert, auch noch das traditionelle Einzelspringen der Männer. Foto: Achim Keller

HINTERZARTEN. Die deutschen Skispringer machen gerade ganz neue Erfahrungen. "Jetzt musst du ja erst einmal anklopfen, bevor du in den Container stürmst", sagt Richard Freitag. Und Pascal Bodmer findet es "echt angenehm, diesen Mixed-Wettkampf einmal auszuprobieren". Vor einer Woche im französischen Courchevel und nun in Hinterzarten erlebten die Männer, wie sich das anfühlt, dieses Team-Springen mit den Frauen, an dem der Internationale Ski-Verband (FIS) gerade herumexperimentiert.

Auf die Welt-Premiere in Courchevel folgte am Wochenende die Deutschland-Premiere im Hochschwarzwald. In Frankreich schaffte es das Mixed-Team auf Platz zwei hinter Japan, und auch in Hinterzarten glückte den beiden Frauen und den beiden Männern des Deutschen Ski-Verbands (DSV) der Sprung aufs Podest. Ulrike Gräßler, Carina Vogt, Richard Freitag und Andreas Wank schafften es am späten Samstagabend auf Rang drei hinter den einmal mehr dominierenden Österreichern und dem Überraschungs-Zweiten Japan.

Die Schwarzwälder Trainingsgruppe setzt in Hinterzarten Glanzpunkte

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Bodmer, der in Courchevel mitspringen durfte, sieht in dem Mixed-Team-Wettkampf "eine gute Abwechslung zum Weltcup-Alltag". Der 21-Jährige aus Stegen im Dreisamtal rückte nach seinem schweren Sturz vor anderthalb Jahren in Planica nun wieder auf in die erste Gruppe der deutschen Skispringer. Bundestrainer Werner Schuster sieht in ihm nach wie vor ein großes, wenn nicht sogar das größte Talent, das die Nachwuchsarbeit in Deutschland in den vergangenen Jahren hervorgebracht hat. Doch während Bodmer daran gewöhnt ist, im Fokus der Medien zu stehen und alle paar Augenblicke in eine Fernsehkamera zu schauen, bedeutet das neue Mixed-Format für die weiblichen Vertreter des Sprungsports weitaus mehr als nur ein bisschen Abwechslung vom Weltcup-Einerlei. "Wir haben ziemlich lange um Anerkennung gekämpft", sagt Carina Vogt vom württembergischen Verein SC Degenfeld. "Wir sehen und wissen jetzt, dass unsere sportliche Leistung auch honoriert wird".

In der Tat macht das Frauenskispringen in diesen Monaten einen Riesensatz nach vorn. Das neue Mixed-Format brachte in der Öffentlichkeit noch nahezu unbekannte Top-Springerinnen wie Daniela Iraschko aus Österreich auf ein gemeinsames Siegerpodest mit Gregor Schlierenzauer, einem der Weltstars im Springerzirkus, dessen Namen jeder Fan des Wintersports kennt. Die Frauen erfahren einen Schub in der öffentlichen Aufmerksamkeit, und dieser Schub wird sich in den kommenden anderthalb Jahren noch verstärken: Dann, wenn Anfang 2013 erstmals auch ein Mixed-Springen bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Val di Fiemme (Italien) ausgetragen wird. Und mehr noch, wenn bei den Olympischen Winterspielen des Jahres 2014 in Sotschi erstmals auch Medaillen an Skispringerinnen vergeben werden. Der DSV stellte den Frauen in der vergangenen Woche bereits eine Mitarbeiterin für die Medienarbeit zur Seite, und die 52 weltbesten Frauen in Hinterzarten genossen es am Wochenende sichtlich, dass ihre sportlichen Leistungen kontinentweit auf Eurosport live gezeigt wurden.

"Wir sind davon überzeugt, dass der Team-Wettbewerb der Frauen und der Männer das Potenzial für ein Highlight hat", sagt Walter Hofer, der Renndirektor der FIS. Mit hohem Interesse hat der Spitzenvertreter des Weltverbands in Hinterzarten beobachtet, was passiert, wenn Länder ihre besten Frauen und ihre besten Männer gemeinsam an den Start bringen. Nach dem Sommer-Debüt auf bewässerten Kunststoffmatten will Hofer das neue Format nun auch in den Weltcup-Winter auf Schnee implantieren. "Wir werden auf jeden Fall versuchen, ein separates Highlight für den Winter zu entwickeln", sagt er.

Rudi Tusch, beim DSV verantwortlich für Fernsehübertragungen von Wintersport-Highlights, glaubt an die Zukunft der Mixed-Wettbewerbe – und an die des Frauenskispringens ohnehin. Nicht nur deshalb, weil die FIS es kontinuierlich aufwertet. Tusch stellt auch fest, dass die Zahl der Länder, die Erfolge im Sprungsport feiern können, sich durch neue Formate stark erhöht. "Nehmen Sie zum Beispiel die Italiener", sagt Tusch. "Italien stellt sehr starke Frauen, aber weit weniger erfolgreiche Männer." Im Mixed hätten jetzt auch Verbände, die schon lange keinen Erfolg mehr feiern konnten, plötzlich die Möglichkeit, den Sprung ganz nach vorn zu schaffen. Auch Walter Hofer glaubt, "dass die Chancen vieler Länder auf Podestplätze sich erhöhen werden". Tanja Kleiser-Schwörer, die Vorsitzende des SC Hinterzarten, freut sich sehr darüber, dass das Skispringen der Frauen generell an Bedeutung gewinnt. "Es ist schön, dass wir sie nun sowohl im Sommer als auch im Winter bei uns im Adler-Skistadion zu Gast haben", sagt sie.

Insgesamt gab es am Wochenende gleich vier Wettbewerbe auf der Schanzenanlage: einen Einzelwettbewerb der Frauen, ein Jugend-Skispringen, den Mixed-Team-Wettkampf und schließlich am Sonntag auch noch das traditionelle Männer-Skispringen. Es endete aus Schwarzwälder Sicht mit dem besten aller möglichen Ergebnisse: Andreas Wank, der seit zwei Jahren in Breitnau lebt und am Stützpunkt in Hinterzarten trainiert, entschied den Matten-Grandprix der Männer souverän für sich. Wank, der für seinen Heimatverein WSV Oberhof startet, setzte sich mit Sprüngen auf 100,5 und 104,5 Meter an die Spitze vor dem Japaner Reruhi Shimizu und dem Tschechen Lukas Hlava. Fünf Deutsche hatten es ins Finale der besten 30 Springer geschafft. "Es ist sensationell", sagte Wank. "Vergangene Woche bin ich hier gesprungen und habe mich noch etwas schwer getan. Jetzt ist es umso schöner, vor heimischem Publikum zu gewinnen und die deutsche Hymne zu hören."

Autor: Andreas Strepenick


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