Der Dominierer der SZ Breitnau

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Mo, 23. Januar 2017

Nordische Kombination

Kombinierer Fabian Rießle feiert in Chaux Neuve seinen zweiten Weltcup-Einzelsieg in diesem Winter.

SKI NORDISCH. Zuerst mit Leichtigkeit abheben, dann auf zwei schmalen Latten schneller rennen als ein Pferd, heißt es in der Welt der Nordischen Kombinierer. Deren Legende ist Georg Thoma, 1960 Olympiasieger in Squaw Valley, der in diesem Jahr 80 Jahre alt wird und derzeit die Geburt einer neuen Sportart erlebt: die deutsche Domination. Alle zwölf Weltcup-Einzel-Rennen dieses Winters haben DSV-Athleten gewonnen. Einer der Dominierer ist Fabian Rießle von der SZ Breitnau. Im französischen Chaux Neuve feierte der 26-jährige St. Märgener am Sonntag seinen zweiten Weltcup-Einzelsieg in diesem Winter.

Triumphe sind für Fabian Rießle fast schon ein bisschen Alltag geworden. 2010 war er Team-Junioren-Weltmeister in Hinterzarten. 2014 gewann er bei Olympia in Sotschi nach einer kuriosen Kollision der DSV-Hoffnungsträger in der letzten Kurve Einzel-Bronze und erkämpfte als Schlussläufer Team-Silber. Im Februar 2015 gewann er nach einer 28-jährigen DSV-Durststrecke WM-Gold mit der Staffel im schwedischen Falun. Ein paar Stunden vor dem Nikolaustag feierte er im Dezember 2015 im norwegischen Lillehammer als erster Schwarzwälder der Kombinationsgeschichte seinen ersten Weltcup-Einzelsieg und trug zwei Monate lang das Gelbe Trikot des Weltcup-Gesamtführenden.

Beim erstmals in Schonach ausgetragenen Weltcup-Finale stürmte Rießle im März 2016 in der Weltcup-Gesamtwertung auf Rang drei. Ein Ende der Erfolgsgeschichte scheint nicht in Sicht. In jedem Winter kommt Rießle einen Schritt weiter voran. Längst ist er eine feste Weltcup-Größe und einer, den die Konkurrenten aus Norwegen und Japan fürchten. Seinen Dauerrivalen Joergen Graabak, mit dem sich Rießle im vergangenen März in Schonach nach einem unfairen Schlenker des Norwegers im Teamfinale einen lautstarken Disput geliefert hatte, hält Rießle in diesem Winter ebenso auf Distanz, wie den Japaner Akito Watabe.

Und er rückt zwei DSV-Teamkollegen immer näher: Eric Frenzel, fünfmaliger Weltcup-Gesamtsieger, der mit 944 Punkten vor Johannes Rydzek (930) und Rießle (721) die Weltcup-Wertung anführt. Die drei pflegen einen freundschaftlichen Ton, doch im Wettkampf sind sie beinharte Konkurrenten. Am Sonntag lieferte sich das Trio im französischen Jura einen Wettkampf, der Rießles Heimtrainer in helle Aufregung versetzte. Zu Hause vor dem TV-Schirm saß der Grundschullehrer Philipp Rießle und erlebte, wie seinem "kleinen" Bruder Großes gelang, weil er die taktischen Vorgaben seines engsten Vertrauten umsetzte.

Fabian Rießle, am Samstag noch Zweiter hinter Johannes Rydzek, lief nach Rang acht auf der Schanze ein unwiderstehliches Rennen. Vorne führte Frenzel. "Dann hat der Eric das Tempo angezogen", so Philipp Rießle. "Dann hat Rydzek attackiert", so der Bruder. "Und dann ist der Fabi den zwei am Schluss halt davongelaufen." Ein Satz, der in die Zukunft weist. Ein Satz mit Zündstoff. Was Fabian Rießle mit seinem nun schön fünften Weltcup-Einzelsieg in seiner Karriere gelungen ist, war eine Kampfansage. "Er hat noch nicht das exzellente Sprint-Verhalten des vergangenen Winters", so Philipp Rießle, "aber Fabians Sprünge sind mittlerweile sehr stabil". Das Nordic Triple in Seefeld am nächsten Wochenende komme genau zur rechten Zeit. Der Seefeld-Triumphator muss nicht immer Eric Frenzel heißen.

Dass Fabian Rießle zusammen mit seiner Lebensgefährtin Sandra Ringwald, die am Sonntag die deutsche Frauen-Langlaufstaffel beim Weltcup in Schweden als Schlussläuferin famos auf Rang zwei führte, ein bodenständiges Leben führt, ist vielleicht sein Erfolgsgeheimnis. Rießle ist: normal. Normal, das ist die höchste Auszeichnung, die es für einen Schwarzwälder gibt. In der Region zwischen Feldberg, Hinterzarten, Furtwangen und Schonach werden Blender rasch enttarnt. Wer dagegen isch wie er isch, auch in der Weltspitze seine Wurzeln nicht verleugnet und immer wieder in das vielleicht schönste Klein-Gebirge der Welt heimkehrt, weil er sich hier geborgen fühlt, der wird verehrt auf dem Wald.