Skispringen

Deutsches Team fliegt in Titisee-Neustadt auf Platz drei

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Sa, 09. Dezember 2017 um 18:55 Uhr

Skispringen

Die deutschen Skispringer setzen die Serie ihrer Podestplätze fort. Beim Team-Weltcup in Titisee-Neustadt fliegen sie auf Platz drei hinter Norwegen und Polen. Am Sonntag gibt’s noch einen Einzel-Weltcup.

Vor 5000 begeisterten Skisprung-Fans im eisig kalten Kessel des Schmiedsbachtals trugen die deutschen Weitenjäger ihren ersten Heimweltcup in diesem olympischen Winter aus. Markus Eisenbichler vom TSV Siegsdorf hatte in Durchgang eins mit 134,5 Metern zunächst gut vorgelegt, doch der Oberstdorfer Karl Geiger vermasselte seinen Flug im Hochschwarzwald völlig und landete nach kargen 123 Metern. Das Podest schien für das Team von Bundestrainer Werner Schuster schon nach zwei von acht Sprüngen außer Reichweite geraten zu sein. Andreas Wellinger vom SC Ruhpolding mit 139,5 Metern und Schlussspringer Richard Freitag von der SG Nickelhütte Aue mit 134,5 Metern schafften es aber immerhin, den Rückstand bis zur Halbzeit nicht zu groß werden zu lassen. Die Polen mit ihrem überragenden Schlussspringer Kamil Stoch (142,5 Meter) hatten sich am Ende des ersten Durchgangs vor den Norwegern an die Spitze gesetzt, das Team des Deutschen Ski-Verbands (DSV) lag mit 26 Punkten Rückstand auf Platz drei.

Freitag gelang der weiteste Satz des Tages

Ging da noch etwas im Finale? Nur auf den Positionen eins und zwei sollte sich etwas ändern. Eisenbichler blieb mit 128 Metern im Soll, Geiger konnte sich mit 129,5 Metern immerhin steigern. Als dann Wellinger nach 141 Metern einen Weltklasse-Sprung auf den perfekt präparierten Schnee der Hochfirstschanze setzte, war immerhin klar, dass die deutschen Skispringer auf dem Podest stehen würden. Doch auch Weltcup-Spitzenreiter Freitag, vor einer Woche mit Platz eins und Platz zwei der dominierende Athlet beim Weltcup im russischen Nischni Tagil, konnte selbst mit phänomenalen 143,5 Metern, dem weitesten Satz des Tages, nur noch Platz drei sichern, aber nicht mehr zu den Polen und Norwegern aufschließen.

Freitag zeigte sich mit Platz drei im Team zufrieden

Die lieferten sich ein Wimpernschlagfinale. Winzige 0,8 Punkte trennten Sieger Norwegen mit Robert Johannson, Daniel André Tande, Anders Fannemel und Johann André Forfang am Ende vor dem umjubelten polnischen Team mit Piotr Zyla, Maciej Kot, Dawid Kubacki und Kamil Stoch. Dass die Skispringer aus Polen mit ihrem Trainer Stefan Horngacher aus Titisee-Neustadt und Norwegen eine entscheidende Rolle spielen würden beim Teamwettkampf, hatte sich schon in der Qualifikation für den Einzel-Weltcup unmittelbar zuvor abgezeichnet. Gleich fünf Vertreter aus Polen schafften es da unter die besten Acht, dazwischen konnten sich nur noch zwei Norweger und Richard Freitag als Qualifikations-Dritter schieben. Freitag zeigte sich am Ende mit Platz drei im Team "ganz zufrieden". Auf die Frage, was ihn im Augenblick so gut macht, antwortete er: "Keine Ahnung."

Markus Eisenbichler haderte am Ende ein wenig mit seinen Sprüngen, doch er erinnerte daran, dass man es angesichts der starken Konkurrenz auch erst einmal aufs Podest schaffen müsse: "Immerhin haben wir die Slowenen und die Österreicher hinter uns gelassen", sagte er. Slowenien blieb nur Platz vier, die einst so erfolgsverwöhnten Österreicher mussten sich mit Rang fünf begnügen. "Es war mehr drin, aber wir können auch zufrieden sein", meinte er.

Quali für Einzelspringen im Schneetreiben

Für den Einzelwettkampf am Sonntag (15.30 Uhr/ARD live) qualifizierten sich alle sieben Skispringer des deutschen Aufgebots in Titisee-Neustadt: Constantin Schmid vom WSV Oberaudorf, Pius Paschke vom WSV Kiefersfelden, der Breitnauer Stephan Leyhe vom SC Willingen, Karl Geiger vom SC Oberstdorf, Markus Eisenbichler vom TSV Siegsdorf, Andreas Wellinger vom SC Ruhpolding und Richard Freitag von der SG Nickelhütte Aue. Den weitesten Quali-Sprung stand der Norweger Johann André Forfang mit 140 Metern bei anfangs noch fairen und erst zum Ende hin schwierigen Windbedingungen und Schneetreiben. Stephan Leyhe, der einzige Schwarzwälder im siebenköpfigen DSV-Team, sicherte sich mit 130 Metern und Platz elf souverän seinen Platz im Einzelspringen. Den Teamwettkampf vom Samstagabend durfte er allerdings nur als Zuschauer erleben.

Viele Skisprungstars in Neustadt mit dabei

Böse Überraschungen gab es nicht in der Quali, bei der seit Beginn dieser Saison nach einer Entscheidung des Ski-Weltverbands (FIS) erstmals auch die zehn Besten der Weltrangliste antreten müssen. Der einstige Seriensieger Gregor Schlierenzauer aus Österreich wird an diesem Sonntag nach überstandener Knieverletzung ebenso vom Bakken gehen wie die ewig jungen Altmeister Noriaki Kasai (45) aus Japan und Janne Ahonen (40) aus Finnland. Vierfach-Olympiasieger Simon Ammann aus der Schweiz, der ebenfalls schon 36 Jahre alte Publikumsliebling, deutete als Quali-Zehnter mit 134 Metern sogar an, dass am Sonntag mit ihm zu rechnen sein wird. Die Veranstalter erwarten beim Einzelspringen wieder mindestens 5000 Fans an der Schanze.

Erstmals fand der Weltcup in Neustadt bei Flutlicht statt

Franz Steinle, der Präsident des Deutschen Ski-Verbands, attestierte den 800 Helferinnen und Helfern in Titisee-Neustadt einmal mehr erstklassige Arbeit. Die Hochfirstschanze sei "eine tolle Anlage, was auch die Springer allesamt bestätigen", sagte Steinle der Badischen Zeitung. Erstmals flogen die Besten der Welt im Schmiedsbachtal mitten in die Winternacht hinein – die neu installierte Flutlichtanlage machte es möglich. Sie war eine Vorgabe der FIS. "Das Flutlicht ist natürlich ein wichtiger Baustein für die Sicherung des Weltcup-Standorts", erklärte der DSV-Präsident. Aber die nationale und internationale Konkurrenz sei nach wie vor groß: "Man wird immer darum kämpfen müssen, einen Weltcup zu bekommen."

Weitere Informationen auf
www.weltcupskispringen.de