Die Champions im Schwarzwald

Andreas Strepenick und Nikolai Kirner

Von Andreas Strepenick & Nikolai Kirner

Fr, 23. März 2018

Nordische Kombination

Beim Doppel-Weltcup der Nordischen Kombinierer in Schonach starten an diesem Wochenende alle Olympiasieger von Pyeongchang.

SCHONACH. Das Beste zum Schluss: Die Stars der Olympischen Winterspiele von Südkorea werden ihre Saison an diesem Wochenende im Schwarzwald beenden. Beim Doppel-Weltcup der Nordischen Kombinierer in Schonach starten Eric Frenzel, Johannes Rydzek, Vinzenz Geiger und Fabian Rießle. Vor allem auf Rießle ruhen die Hoffnungen der Fans in der Heimat. Er gewann zuletzt drei Weltcups in Serie und ist in der Form seines Lebens. Wenn da nur die ehrwürdige Schanze nicht wäre. Sie liegt ihm nicht. Er mag sie nicht. Und er ist auf ihr schon krass gescheitert.

Mindestens 10 000 Fans werden am Samstag und am Sonntag an der Langenwaldschanze und im Skistadion Wittenbachtal erwartet. Die Schonacher haben mehr Schnee, als sie brauchen. Sollte das beginnende Tauwetter wieder einmal an der Skatingpiste im Wittenbachtal nagen, können die Veranstalter Nachschub "aus gut gefüllten Schneedepots" holen, wie Heidi Spitz vom Ausrichter SC Schonach erklärt. ZDF und Eurosport übertragen die Wettkämpfe – doch die Chance, den Olympia-Helden von Pyeongchang einmal hautnah zu begegnen, sollte sich kein echter Wintersportfan entgehen lassen. Drei Wettkämpfe gab es in der NoKo, der Nordischen Kombination, in Südkorea. Aus allen gingen die Kombinierer des Deutschen Ski-Verbands (DSV) als Sieger hervor. Eric Frenzel, Johannes Rydzek, Fabian Rießle und Vinzenz Geiger entschieden extrem dominant den Teamwettbewerb für sich. Eric Frenzel gewann die Kombination aus Sprung und Lauf von der Normalschanze. Nach dem Wettkampf von der Großschanze standen am Ende gleich drei DSV-Athleten auf dem Podest: Rydzek, Rießle und Frenzel. Dieser Triumph fand weltweit Beachtung.

Sie waren erfolgreich bei den Spielen und schienen dort unangreifbar. In den Weltcups aber fehlte ihnen die Konstanz. Frenzel, der zuletzt fünfmal in Folge die Gesamtwertung gewonnen hatte, rettet sich gerade mit letzter Kraft in die Frühlingspause. Beim Weltcup in Klingenthal sprang und lief er am Sonntag auf den 26. Rang, während der Japaner Akito Watabe die Gesamtwertung erstmals in seiner Karriere für sich entschied. Auch der Oberstdorfer Rydzek, Deutschlands Sportler des Jahres 2017, ist Ende März ziemlich platt. "Wir freuen uns alle auf den Heimweltcup und auf das Schwarzwälder Publikum, das uns immer sensationell anfeuert", sagt Rydzek. Aber er fügt hinzu, dass es "dann auch reicht, wenn ich ehrlich bin".

Bundestrainer Hermann Weinbuch sieht das Problem seiner Champions eher in den Köpfen. "Körperlich scheinen die Jungs noch immer sehr stark. Mental merkt man aber, dass die Saison recht anstrengend war." Und "Fabi" Rießle? Der 27-Jährige von der Skizunft Breitnau gewann beide Weltcups in Klingenthal und vor einer Woche auch noch den im norwegischen Trondheim. "Dass es so gut lief, hat mich mega gefreut", sagt er. Doch selbst der St. Märgener räumt ein, "dass es jetzt von Wettkampf zu Wettkampf immer zäher wird". Er hat noch die Chance, hinter Watabe Zweiter der Weltcup-Gesamtwertung zu werden und seine ohnehin schon famose Saison zur bislang erfolgreichsten seiner Karriere zu krönen.

Wenn da nur die widerspenstige Langenwaldschanze nicht wäre. Der kleine Bakken ist schwierig zu springen, und Rießles Erinnerungen daran sind nicht die besten. Im vergangenen Jahr stürzte er nach einem sehr guten Sprung und verletzte sich an der Hüfte. 2013 konnte er sich als 63. gar nicht erst für den Weltcup qualifizieren. "Ich hab’ den Bock vor dem Umbau nicht gemocht und nach dem Umbau auch nicht", sagte Rießle vor zwei Jahren der BZ: "Eine Liebe wird das nicht mehr." Dazu kommt das Gesetz der Serie. Der Weltcup am Samstag wird schon zum 46. Mal als sogenannter Schwarzwaldpokal ausgetragen. Deutsche Kombinierer konnten ihn insgesamt 16-mal gewinnen. Nur ein Schwarzwälder war nie darunter. "Das wäre also an diesem Wochenende eine Premiere", sagt Heidi Spitz vom SC Schonach. Aber wie das so ist mit den Serien: Irgendwann reißt auch die längste.

Das Weltcup-Finale der Nordischen Kombinierer in Schonach beginnt mit der Qualifikation zum ersten Einzelwettkampf an diesem Freitag, 23. März, um 16 Uhr auf der Langenwaldschanze. Der erste Weltcup, annonciert als Schwarzwaldpokal, findet am Samstag, 24. März, um 12 Uhr (Skispringen) und 14.15 Uhr (Skilanglauf) statt. Der letzte Weltcup der Saison beginnt am Sonntag, 25. März, um 10 Uhr (Skispringen) und endet mit dem Skilanglaufrennen um 13 Uhr im Skistadion Wittenbachtal.

Alle Informationen auf http://www.schwarzwaldpokal.de