Die fünfte Schanze

Dieter Maurer

Von Dieter Maurer

Mi, 11. Juli 2018

Skispringen

In Hinterzarten steht ein Bakken auf der Kirchwiese, der Laien vier Meter weite Sprünge erlaubt.

SKISPRINGEN. "Hinterzarten erhält eine fünfte Schanze." Die überraschende Nachricht verbreitete sich rasch in der Springerhochburg. Ungläubiges Staunen und Kopfschütteln allenthalben. Da hatte der Gemeinderat doch eben erst einen Zuschussantrag für eine 2,2 Millionen teure Sanierung des Anlaufs der Rothausschanze gestellt. Und im Adler-Skistadion stehen doch schon vier Schanzen – von der K 15 bis zur K 95. Was soll da noch eine weitere Anlage? Sie sei zwar für Kinder gedacht, aber dennoch?

Das schier Unerklärliche klärte sich rasch auf. Es war früh morgens auf der Kirchwiese. Zwei Mitarbeiter der Peter Riedel GmbH aus Raschau in Sachsen luden lange Stangen, eine Treppe und weitere Elemente aus ihrem Transportfahrzeug. Dabei gingen ihnen die Bauhofmitarbeiter Wolfgang Steiert, Siegfried Mark und Bernhard Hahne sowie Albert Zähringer aus Breitnau, 44 Jahre als Sprunglauftrainer im Nachwuchsbereich tätig, zur Hand. Gemeinsam bauten sie die Alu-Leichtmetallkonstruktion zusammen. Gegen 11 Uhr zog das Sextett die letzten Schrauben fest, damit stand die "Mobile Track".

Der Turm der transportablen Kinderschanze misst eine Höhe von 2,20 Metern. Nach fünf Metern Anlauf kommt der Bakken. Die maximale "Flug"-Weite liegt bei vier Metern. Gelandet wird auf einem weißen, 20 Meter langen Teppich. Bei trockenem Wetter werden Anlaufspur und Aufsprung gewässert. Die Anlage ließ schon in Tschagguns in Österreich, in Leipzig und Chemnitz sowie bei einem Weihnachtsmarkt im Erzgebirge Kinderherzen höher schlagen. "Überall war der Andrang riesig", erzählte ein Mitarbeiter.

Die Firma Riedel aus der 3500 Einwohner zählenden Gemeinde Raschau ist Hersteller von Spezialsporttechnik und hat sich international einen Namen gemacht. Ihr Angebot reicht von Anlaufspursystemen über Messplattformen bis hin zu Netzwerken für Kameratechnik inklusive Wetterstation. Ingenieur Peter Riedel gilt als erfinderischer Tüftler und Perfektionist. Bei ihm muss alles bis ins Detail stimmen und den Richtlinien des Internationalen Skiverbands entsprechen – auch bei einer Kinderschanze. Rainer Steiert aus Hinterzarten und Franz Lickert aus Breitnau kennen die Firma und stellten die Verbindung her. Sie sind sich sicher: Eine solche Anlage ist eine Bereicherung für den am kommenden Freitag im Rahmen der deutschen Skisprungmeisterschaft stattfindenden Nachtbummel des Einzelhandels in Hinterzarten. Das Motto lautet schließlich: "Nacht der Adler".

Zwei Mitarbeiter von Riedel kommen dann mit Sprungskiern, Schuhen und Helmen im Gepäck angereist. Franz Lickert, Vorstandsmitglied der Skizunft Breitnau und einst selbst Weitenjäger, wird um 18 Uhr den Eröffnungssprung machen. Dann dürfen interessierte Mädchen und Jungen die Anlage ausprobieren. Einzige Voraussetzung: Sie sollten Skifahren können.

Von der "fünften" Schanze auf der Kirchwiese besteht direkter Blickkontakt zur großen Rothaus-Schanze im Adler-Skistadion. Dort ermitteln an diesem Freitagnachmittag (ab 16.30 Uhr) die besten Skispringerinnen und Skispringer aus Deutschland ihre nationalen Titelträger. Zudem gibt es einen Jugendwettbewerb. Die Sieger werden am Freitagabend um 21 Uhr auf der Kirchwiese bei der K-4-Sprungschanze geehrt.