"Die müssen sich lang machen"

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Von dpa

Mo, 19. Februar 2018

Skispringen

INTERVIEW mit Medaillengewinner Andreas Wellinger über Matratzen, Fußball in der Tiefgarage – und das Teamspringen.

PYEONGCHANG. Nach dem überraschenden Sieg auf der Normalschanze hat Skispringer Andreas Wellinger am Samstag Silber auf der Großschanze gewonnen. An diesem Montag (13.30 Uhr) tritt er mit Richard Freitag, Karl Geiger und Stephan Leyhe aus Breitnau noch im Teamspringen an. Zuvor hatte Erik Roos vom Sportinformationsdienst Gelegenheit, mit Wellinger zu sprechen.

BZ: Andreas Wellinger, nach Gold nun Silber. Nicht schlecht, oder?

Wellinger: Ja, schöner kann man es sich eigentlich gar nicht wünschen. Dass es bei Olympia in beiden Wettkämpfen so funktioniert hat, ist unbeschreiblich. Echt überwältigend, was ich alles erleben darf.

BZ: Die ganz großen Emotionen blieben diesmal aus...

Wellinger: Es war anders, weil Gold noch viel, viel überraschender kam als Silber. Wenn man unten steht und nichts mehr beeinflussen kann, ist das echt blöd. Heute ging es zack-zack, und schon war ich Zweiter.

BZ: Was sagen Sie zu Kamil Stoch?

Wellinger: Ich habe mich für Kamil extrem gefreut, weil er ein sehr, sehr fairer Sportsmann ist. Er hat einfach zwei gute Sprünge gezeigt.

BZ: Ihr zweiter Sprung auf 142 Meter hätte trotzdem fast zu Gold gereicht.

Wellinger: Ich habe schon im Flug gemerkt, dass ich richtig gute Bedingungen habe. Und die habe ich ausgenutzt. Im ersten Moment war ich mit meiner Landung nicht ganz zufrieden, der Telemark war ein bisschen tief. Aber im Endeffekt war ich zufrieden. Dass es dann so ausgeht, ist ziemlich, ziemlich cool.

BZ: Haben Sie überhaupt alle Glückwunsch-Nachrichten vom ersten Wettkampf schon beantwortet?

Wellinger: Ich bin relativ weit gekommen, aber jetzt platzt das Handy wieder.

BZ: Welche Rolle spielt für Sie die Zeit abseits der Wettkämpfe?

Wellinger: Eine große. Das fängt schon mit den Matratzen an. Auch das Deutsche Haus ist wichtig. Wir haben da einen eigenen Kraftraum, können Kaffee trinken, abschalten.

BZ: Was war das mit den Matratzen?

Wellinger: Wir haben 30 oder 40 Matratzen nach Südkorea geliefert bekommen, die nach Bedarf genutzt werden. Wir hatten das Glück, dass unser Co-Trainer vorgeflogen ist und gleich mal fünf geblockt hat. Die sind deutlich besser als die, die vorher im Bett waren.

BZ: Stimmt es, dass Sie sich in der Tiefgarage vorbereiten?

Wellinger: Ja, wir haben keine Sporthalle im Dorf. Man muss in unserem Haus nur ganz nach unten fahren. Wir nutzen das zum Aufwärmen und Fußball spielen. Wir haben zwei Tore aufgestellt und dann ging’s los.

BZ: Stehen da denn keine Autos?

Wellinger: Die Tiefgarage ist so groß, da passen 10 000 Autos rein.

BZ: Jetzt geht es um Team-Gold. Wie sehen Sie die Chancen angesichts der Leistung ihrer Kollegen?

Wellinger: Jeder hat noch ein bisschen Luft nach oben, hat hier aber auch schon seine besten Sprünge gezeigt. Deswegen bin ich optimistisch. Wenn alle ihr Bestes zeigen, müssen sich die anderen lang machen.

BZ: Was meinen Sie: Sind die Norweger zu schlagen?

Wellinger: Möglich ist alles.

Andreas Wellinger wurde im bayerischen Traunstein geboren und startet für den SC Ruhpolding. Der 22-Jährige gewann bei der Nordischen Ski-WM 2017 in Lahti sowohl auf der Normal- als auch auf der Großschanze Silber und wurde dort auch zusammen mit Carina Vogt, Svenja Würth und Markus Eisenbichler Weltmeister mit der Mixed-Mannschaft.