Eiskunstlauf

Die Oberstdorfer Savchenko und Massot holen EM-Silber

dpa

Von dpa

Sa, 28. Januar 2017

Wintersport

Trotz Verletzungspause gelingt Aljona Savchenko und Bruno Massot die Überraschung. Im tschechischen Ostrau brillieren die beiden und gewinnen die Silbermedaille bei den Europameisterschaften.

OSTRAU (dpa). Manchmal ist weniger mehr: Ohne den dreifachen Wurf-Axel brillieren die Oberstdorfer Eiskunstläufer Aljona Savchenko und Bruno Massot in ihrer Kür und gewinnen EM-Silber. Auch das Preisgericht war verzückt.

"Nach dieser langen Strecke mit der schweren Knöchelverletzung landet Aljona jeden Wurf auf einem Fuß, Wahnsinn!", sagte Alexander König. Der Trainer des Paares war hin und weg nach der Silbermedaille des Duos in Ostrau. "Für diese Situation war unser Lauf Gold wert", erklärte die fünfmalige Weltmeisterin.

Acht Wochen Pause nach dem Innenbandriss beim dreifachen Wurfaxel, beide Partner Grippe-krank im neuen Jahr und zuletzt nur zwei Wochen Vorbereitung – die Medaille schien fast aussichtslos. "Es hat richtig Spaß gemacht, da stimmte alles. Das sind Kämpfer", schwärmte Elke Treitz, Vizepräsidentin der Deutschen Eislauf-Union, kurz vor Mitternacht in den Katakomben der Ostravar Arena. Treitz hatte einen nicht ganz unerheblichen Anteil an diesem Erfolg. Trotz des Handicaps wollte Savchenko den dreifachen Wurfaxel zeigen, Treitz fuhr extra nach Oberstdorf und überzeugte sie davon, keine neuen Risiken einzugehen. Savchenko hörte ausnahmsweise auf den Rat und landete einen astreinen Doppel-Axel.

Den romantischen Titel "Lighthouse" von Patrick Watson interpretierten Savchenko/Massot zudem mit einer Leichtigkeit, die die 10 000 Zuschauer in der ausverkauften Halle von den Sitzen riss. Vom Preisgericht gab es dreimal die Höchstnote zehn für die Interpretation. Keine Paarläuferin kann in der Interpretation der Musik mit Savchenko mithalten. Und auch der anfangs hölzern wirkende Massot ist an ihrer Seite gewachsen.

Sogar Savchenkos ehemaliger Partner Robin Szolkowy zollte der besten Kür des Abends Respekt: "Es ist schön, so ein gutes Paar ohne die Top-Schwierigkeiten zu sehen. Man wartet nicht ständig auf Stürze." Der ehemalige Weltmeister heimste mit den Russen Jewgenia Tarasowa/Wladimir Morozow, die den Titel gewannen, den ersten großen Erfolg als Trainer ein. Sie waren technisch perfekt, nur der Ausdruck blieb blass. Wäre Savchenko im Kurzprogramm nicht gestürzt, hätte es gut anders ausgehen können.

Zwei Wochen werden die Zwei bei lukrativen Shows in der Schweiz ihren Erfolg genießen, dann wird wieder hart auf die Weltmeisterschaften Ende März in Helsinki hingearbeitet. "Da werden wir wohl den dreifachen Wurfaxel zeigen", kündigte König an. Vorher steht für Massot aber noch ein anderer Pflichttermin an: Am 18. März muss er in Sonthofen zum Deutschtest. Besteht er ihn, steht der Einbürgerung für das große Ziel Olympia-Gold im nächsten Jahr in Südkorea nichts mehr im Wege.