Die Schwarzwälder können es einfach

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Mo, 11. Dezember 2017

Skispringen

Das neue Flutlicht bewährt sich: Flüge der weltbesten Skispringer in die Nacht hinein beim Skisprung-Weltcup an der Hochfirstschanze in Titisee-Neustadt.

SKISPRINGEN. Johann André Forfang schwärmte. "Die Schanze liegt mir", sagte er, "es gefällt mir hier." Forfang, 22, schaute noch einmal hoch in den Nachthimmel über dem Schmiedsbachtal, und dann begann er, die neue Flutlichtanlage zu loben. "Sie ist perfekt", erklärte der Norweger: "wirklich schön." Es gebe nichts auszusetzen am Weltcup-Standort Titisee-Neustadt. "Es macht sehr viel Spaß hier zu springen."

Die 800 freiwilligen Helferinnen und Helfer werden das gern gehört haben nach drei langen, windumtosten Tagen und Nächten, in denen Frau Holle immer wieder mal ein paar gut gefüllte Kissen ausschüttelte über der Hochfirstschanze und in denen der Winter im Hochschwarzwald eindrucksvoll zeigte, was er noch drauf hat im 21. Jahrhundert. Erstmals konnten die weltbesten Skispringer mitten in die Nacht hineinsegeln hoch über den Dächern der Wälderstadt. Das neue Flutlicht war Tagesgespräch unter Fans, Springern, Beobachtern und Organisatoren, und es bestand seine Bewährungsprobe. Es ist kein überflüssiger Luxus, sondern unerlässlich bei dem Versuch, Titisee-Neustadt so zukunftssicher wie möglich zu machen. "Das Flutlicht war eine Vorgabe des Internationalen Ski-Verbands FIS", sagte Franz Steinle, der Präsident des Deutschen Ski-Verbands (DSV), in Titisee-Neustadt. "Es ist ein wichtiger Baustein für die Sicherung des Standorts."

Zurücklehnen darf man sich aber auch jetzt nicht im Schwarzwald. Steinle, aber auch andere erinnerten daran, dass die internationale Konkurrenz groß sei, immer noch weiter wachse und an vielen Orten in Asien mit Geld nur so um sich werfen könne – was den Schwarzwäldern in ihrer Geschichte noch nie geglückt war. "Man wird immer darum kämpfen müssen, einen Weltcup zu bekommen", sagte Steinle der Badischen Zeitung. Aber das ist für die Schwarzwälder nichts Neues. Sie haben keine Gelddruckmaschine, aber sie halten mit Herzblut und Gastfreundlichkeit dagegen und mit einer Erfahrung, die ihresgleichen sucht. Das Schanzenteam im Schmiedsbachtal steht unter Fachleuten in dem Ruf, besonders routiniert, eingespielt und aufmerksam zu sein und sich ebenso schnell wie kompetent auf neue Situationen einstellen zu können. Dieser Standortvorteil ist unschlagbar – und wird von den Offiziellen bei der FIS und beim DSV registriert. Der deutsche Doppelsieg mit Richard Freitag und Andreas Wellinger nach der langen Hängepartie mit widrigsten Bedingungen bestätigte am Sonntagabend: Die Schwarzwälder können es einfach.