Ein Drittligist spielt Champions League

sid

Von sid

Fr, 23. März 2018

Wintersport

Durch einen Terminstreit scheiden die Handballer aus Mannheim wohl aus der Königsklasse aus.

MANNHEIM (dpa). Es klingt wie ein Scherz, ist aber trotzdem wahr: Der deutsche Handball-Meister Rhein-Neckar Löwen bestreitet an diesem Samstag innerhalb weniger Stunden zwei bedeutsame Spiele. Erst müssen die Mannheimer um 16 Uhr in der Champions League zum Achtelfinal-Hinspiel beim polnischen Spitzenklub KS Kielce antreten, um 18.10 Uhr steht dann das Bundesliga-Topspiel beim THW Kiel an. Das ist das irrwitzige Ergebnis des Terminstreits zwischen Bundesliga (HBL) und Europäischer Handball-Föderation (EHF). Oder wie die Löwen es auf ihrer Homepage betiteln: "Ein schlechter Witz wird Wirklichkeit."

Da die Badener nach dem Abpfiff in Polen unmöglich rechtzeitig ins rund 900 Kilometer entfernte Kiel reisen können, haben sie Prioritäten gesetzt. Ihre erste Garde soll beim THW die Tabellenführung in der Liga ausbauen. Die zweite Mannschaft aus der dritten Liga darf zuvor beim polnischen Königsklassen-Gewinner von 2016 versuchen, nicht allzu hoch zu verlieren. "Das ist ein Riesenschaden für den Handball und eine Katastrophe für uns", sagte der Sportliche Leiter der Löwen, Oliver Roggisch, im Interview der Welt.

Das Verhältnis zwischen HBL und EHF ist schon lange belastet. Ohne sich mit der EHF abzustimmen, hatte die HBL das Topspiel der Löwen in Kiel auf diesen Samstag gelegt. Das hatte die Liga gemäß des seit dieser Saison gültigen TV-Vertrages mit der ARD vereinbart, die das Spiel zur besten Sendezeit und an einem Wochenende ohne Fußball-Bundesliga live übertragen wird.

"Im ersten Live-Spiel haben wir im Durchschnitt 1,6 Millionen Menschen erreicht. Das ist für ein Klub-Spiel sehr, sehr viel", begründete HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann die Terminierung. "Ich hoffe, dass wir in die Nähe dieser Marke kommen." In die Pläne der HBL einbezogen wurde die EHF laut eigener Angabe nicht.

Zwar hätten die Kieler im Achtelfinal-Hinspiel der Königsklasse ebenfalls am Samstag bei Pick Szeged antreten müssen. Der THW ging allerdings auf eine EHF-Forderung ein, sein mit dem Erreichen des vierten Platzes in der Gruppenphase erarbeitetes Heimrecht im Rückspiel zu tauschen.

Die Löwen dagegen blieben stur und stehen in der Königsklasse nun vor dem Aus. Dabei war der Spielkalender für die aktuelle Spielzeit nach EHF-Angaben bereits vor zwei Jahren in Übereinstimmung mit Europas Ligen festgelegt worden. Dementsprechend waren für diesen Samstag die beiden Achtelfinal-Auswärtsspiele der Löwen in Kielce sowie des THW in Szeged terminiert. Das jetzige Dilemma, da sind sich alle einig, schade dem gesamten Sport.