Eine rosige Zukunft

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

Fr, 22. Dezember 2017

Sonstige Sportarten

JAHRESRÜCKBLICK I: Das Sportjahr in der Region verlief abwechslungs- und für viele Akteure auch äußerst erfolgreich / Ein Blick auf die erste Jahreshälfte.

Ein volles Sportjahr der Region neigt sich dem Ende. Die BZ blickt auf die erste Jahreshälfte. Von beeindruckenden Erfolgen, unerwarteten Neubeginnen und rosigen Zukunftsaussichten.

Geglückte Generalprobe
Das Jahr begann mit einer geglückten Generalprobe. Im Januar fand am Nordic Center Notschrei die deutsche Meisterschaft der Behinderten im Langlauf und Biathlon statt. Das erste einer Serie größerer Events im südlichsten Zipfel Südbadens. Mit Erfolg: "Bei so wenig Schnee so gute Bedingungen zu schaffen, das ist beeindruckend", lobte hinterher der frischgebackene Deutsche Meister im Klassiklanglauf und Biathlon Martin Fleig aus Gundelfingen. Mit besseren Abschlussnoten kann der Endspurt der Vorbereitung auf den IPC-Weltcup der Behinderten, den der SC Oberried im Januar 2018 ausrichtet, kaum starten. Vorsitzender Michael Martin und sein 50-köpfiges Helferteam werden die internationale Premiere am Notschrei schon schaukeln.

Auf dem Sprung
Von Schopfheim auf die Weltbühne des Skisprungs? Bis dorthin ist es für Quirin Modricker sicherlich noch ein weiter Weg. Doch über das nötige Talent verfügt der Schopfheimer, der für den SC Hinterzarten startet, zweifelsfrei: im Januar wurde Modricker deutscher Jugendmeister, im Februar folgte der Landestitel. Aktuell liegt er im Deutschland-Pokal auf Rang zwei der U 17. Modricker ist eines der vielen Wintersporttalente der Region, beispielsweise feierte Biathlet Elias Asal vom SC Wieden im März die deutsche Vizemeisterschaft der Schüler.

Das Nonplusultra
"Wir konnten uns ja früh darauf einstellen", relativiert Ralf Moser mit acht Monaten Abstand die Freude über die Meisterschaft. Mit seinem FV Lörrach-Brombach war er vergangene Saison in der Fußball-Landesliga das Nonplusultra. Im April feierte das Moser-Team den Aufstieg in die Verbandsliga, am Ende lag der Ligadominator zwölf Punkte vor dem Zweiten SV Kirchzarten. In der neuen Spielklasse findet sich das Team bestens zurecht. Mit Blick auf Mannschaft, Nachwuchs und Infrastruktur scheint die Zukunft des FVLB rosig. Doch gibt es auch Anlass für ein bisschen Wehmut: Nach der Saison macht Moser Schluss. Nach zehn Jahren. "Ich erwarte schon, dass da dann mehr Freizeit ist", scherzt der Erfolgstrainer.

Spitze in Deutschland
Zu Scherzen aufgelegt ist kurz vor Weihnachten Elena Brugger. "Über die Weihnachtstage kann man auch mal zuschlagen", freut sich die 20-Jährige. Oft genug müssen die Ringer schließlich penibel auf ihr Gewicht achten. Auf dem Sprung zum drittletzten Training vor der Weihnachtspause zieht die Top-Ringerin des TuS Adelhausen, die in Freiburg Psychologie im dritten Semester studiert und am Olympiastützpunkt trainiert, eine zufriedene Bilanz. "Mit Abstand werte ich die Erfolge noch höher." Deutsche Meisterin in der Gewichtsklasse bis 55 Kilogramm und Bronze bei der Junioren-Europameisterschaft im Juli. Der Bezirk mischt folglich auch bei den Frauen in Deutschlands Elite mit. Bei den Männern nahm das Hochrheintrio Oliver Hassler, Alexander Semisorow und Manuel Wolfer im August an der Weltmeisterschaft in Paris teil.

Ohne Reue
"Ich bin nicht so der Typ fürs Hadern", sagt Björn Birkner ein gutes halbes Jahr nach seiner persönlichen Schlagzeile des Jahres. Wie auch. Bei dem vollen Terminplan des 26-jährigen Rheinfelders bleibt keine Zeit für Melancholie. Gründe gäbe es auf den ersten Blick genug. Im Sommer beendete das hochveranlagte Rudertalent seine Nationalmannschaftskarriere. Eine Nichtnominierung zu viel, die Aussicht auf Olympia zu gering. Dabei erahnten die Nationaltrainer einst eine rosige Zukunft an Birkners Sportlerhorizont. Im ersten Jahr bei den Aktiven wurde er WM-Achter. Das Talent fiel nicht weit von den sprichwörtlichen Bäumen der Familie. Vater Wolfgang holte einst WM-Gold (1985), Bruder Philipp schnappte sich 2013 den fünften WM-Platz. Doch grämt sich Björn Birkner nicht. "Ich habe direkt im Anschluss auf mein Medizin-Staatsexamen lernen müssen." Mittlerweile absolviert er sein Praktisches Jahr. Ein Tertial in Recklinghausen, die anderen in Dublin und St. Moritz. Der 1,90-Meter-Mann kommt viel rum. Und ganz dem Rudern hat er nicht abgeschworen. Mit sieben ehemaligen Nationalmannschaftsruderern hat er den "Exit8"-Achter gegründet. Erfolgreich: Die deutsche Großbootmeisterschaft in Salzgitter gewann das Team mit großem Abstand. Im Moment planen sie für ein Rennen im Frühjahr in San Diego. "Das ist fast schon eine runde Sache", findet Birkner. Zufriedener kann man die Weihnachtspause kaum angehen.

Erst im Glück, dann im Pech
"Stimmt schon", gesteht Felix Köhler, "die erste Jahreshälfte war erfolgreicher als die zweite." Im Mai holte der Bad Säckinger Duathlet den Europameistertitel, im Juni wurde der 33-Jährige Deutscher Meister. Danach häufte sich das Pech. Zwei Wochen vor der WM stürzte er bei 90 Sachen vom Rad. Der Traum vom WM-Treppchen war futsch, die Motivation fürs kommende Jahr ist nun aber noch größer. "Ich will angreifen", sagt Köhler. Trotz Ferien wird der Läufer und Radfahrer nicht den ruhigen Lenz geben. "Endlich ist mal mehr Zeit für Training", lacht der Depotleiter eines Paketlieferanten. Das neue Sportjahr kann kommen.