Deeskalation beim Langlauf

EINWURF: Es knirscht nur der Schnee

Matthias Kaufhold

Von Matthias Kaufhold

Mo, 23. Januar 2017

Skilanglauf

Die Morgenmuffel unter den Skilangläufern kommen am Notschrei spätestens dann aus den Puschen, wenn beim Kampf um die letzte Parknische auf der Passhöhe an einem Samstagmittag ausgeschlafenes Rangierverhalten erforderlich ist. Da tauschen ein BMW-Fahrzeughalter (rein zufällig mit Schweizer Kennzeichen) und ein Daihatsu-Lenker (rein zufällig mit Kennzeichen EM) schon mal verbale Frostigkeiten aus, weil der BMW in der Spitzkehre so geparkt ist, dass die Kotflügel vorbeifahrender Gefährte unweigerlich die Schneewände am Platzrand rasieren. Spätestens am zweiten Anstieg hat der Japankombi-Fahrer seine Niederlage im Parkwettstreit aber wettgemacht, weil er skatend über die schnellere Technik verfügt als der Klassik-Traditionalist aus dem Helvetierland. So wachsen sich Konflikte in der Loipe aus. Trotz des üblichen Überfüllungsphänomens an Freiburgs beliebtester Langlaufdestination ist man im Wald zügig allein mit sich, dem Schnee und den Herausforderungen des kernigen Streckenprofils. Wenn man für die Mühsal zwischendurch mit grandioser Alpensicht unter blauem Himmel belohnt wird, lächeln sich auch Emmendinger und Zürcher wieder augenzwinkernd zu. In der Spur knirscht nur der Schnee beim Stockeinstich. Langlauf erfrischt nicht nur den Kreislauf, sondern wirkt auch deeskalierend. Und wer sich beim nächsten Mal schon ungestresst in die Bindung einklicken will, für den bleiben immerhin zwei Alternativen: früh aufstehen oder umweltbewusst auf den Bus umsteigen.