Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

10. Februar 2012

Gnädingers Glück, Kiefers Pech

Die Biathletin des SC Todtnau schafft hauchdünn den Sprung zur Juniorenweltmeisterschaft – der Aiterner scheitert knapp.

  1. Foto: Matthias Kaufhold

  2. Kniefall im Schnee: Helena Gnädinger ist erleichtert über die WM-Qualifikation – Alexander Kiefer glitt das Ticket aus der Hand. Foto: ruoff/ kaufhold

BIATHLON. Praktisch mit dem letzten Schuss entschied sich für die Biathleten aus dem oberen Wiesental die Qualifikation für die Juniorenweltmeisterschaft. Und das Glück, das Helena Gnädinger vom SC Todtnau nach starkem Saisoneinstieg zur Seite stand, wollte sich bei Alexander Kiefer vom SC Schönau-Belchen nicht einstellen. Während Gnädinger als Fünfte der Qualifikationsrangliste gerade noch den Sprung zu den am 20. Februar beginnenden Titelkämpfen im finnischen Kontiolahti schaffte, muss Kiefer als Sechster der Junioren zu Hause bleiben.

Roman Böttcher, Trainer der besten Schwarzwälder Biathleten am Stützpunkt in Schönwald, zeigte deshalb viel Mitgefühl mit dem 20-Jährigen aus Aitern bei Schönau. Bis zum Deutschlandpokal am vergangenen Wochenende in Clausthal-Zellerfeld lag Kiefer eigentlich in der WM-Rangliste der Jahrgänge 1994 bis 1991 über dem Strich. "Dann aber hat ausgerechnet einer gewonnen, der in dieser Rechnung nicht gewinnen durfte", erklärt Böttcher: Steffen Bartscher vom SK Winterberg lief im Harz einen Doppelsieg bei den Junioren im Einzel (15 Kilometer) und Sprint heraus. Kiefer rutschte mit den Plätzen sechs und vier noch auf den sechsten Quali-Platz ab. Die ersten Vier erhalten hier das Ticket für Kontiolahti.

Werbung


Böttcher versucht den Wiesentäler wieder aufzurichten: "Alex hat viele Konkurrenten, die im Vorjahr noch vor ihm lagen, hinter sich gelassen und läuferisch einen Schritt nach vorn gemacht." Beim Deutschlandpokal ging er hinter WM-Starter Tobias Hermann (SC Gütenbach) am Samstag als Zweitschnellster über die Strecke, verbaute sich aber durch fünf Schießfehler eine Topplatzierung.

Hauchdünn ging es auch bei Helena Gnädinger zu. Die 19-jährige Todtnauerin, die seit Jahresbeginn als Sportsoldatin von der Bundeswehr in Fahl gefördert wird, lag in der WM-Wertung punktgleich mit Iris Grandl vom SC Bergen/Bayern auf dem fünften Rang. Nur eine von beiden darf aber mit, und so entschied die bessere Einzelplatzierung bei Gnädingers Deutschlandpokal-Erfolg am Arber Anfang Januar zugunsten der Wiesentälerin.

Für Böttcher hätte es so eng gar nicht werden müssen: "Ihr Leistungsniveau ist sicher höher einzuschätzen", sagt der Trainer. Aber Gnädinger hätten die Nerven bei den zurückliegenden Rennen einen Streich gespielt. "Sie war im Laufen ein bisschen gehemmt und kam nicht richtig aus sich raus", stellt Böttcher fest. Auch Gnädinger räumt ein, dass ihr der Quali-Druck zugesetzt hat: "Wenn man weiß, dass es knapp wird, kann das schon blockieren." In Clausthal-Zellerfeld kam die Todtnauerin über zwei vierte Plätze bei den Juniorinnen nicht hinaus. Doch nach der erfolgreichen Qualifikation fühlt sie sich wie beschwingt: "Jetzt habe ich den Kopf frei, eine Last ist abgefallen, ich fahre mit viel Freude zur WM."

"Jetzt habe ich den Kopf frei, eine Last ist abgefallen."

Helena Gnädinger
Über eine WM-Platzierung wollen weder Böttcher noch die Athletin selbst spekulieren: "Im Grunde ist alles drin", sagt der Trainer. Am Freitag trifft sich der deutsche Kader zur unmittelbaren Vorbereitung in Oberhof. Dort werden wohl auch die Einsätze in den WM-Wettbewerben festgelegt. Gnädinger hofft auch auf eine Berücksichtigung in der Staffel.

Ihr Neukircher WG-Kollege Roman Rees stürmte ziemlich souverän zu seinem WM-Start. Obwohl der Läufer des SV Schauinsland als 93er noch zur Jugendklasse 18/19 gehört, hatte er im Vergleich mit etlichen Junioren am Ende die Nasen vorn. Im Harz gewann Rees nach Rang fünf im Einzel den Sprint der Jugend 18/19. "Er ist läuferisch stark, sehr kaltschnäuzig und macht sich einfach keinen Kopf", beschreibt Böttcher die Vorzüge des Hofsgrunders.

Der gleichaltrige Lukas Rombach vom SC Wehr hatte die Weltmeisterschaft nicht wirklich auf der Rechnung. Dennoch ist er als Zehnter der Winterrangliste nicht weit davon entfernt. Rombach zeigte mit den Rängen sechs und fünf der J 18 in Clausthal-Zellerfeld keine schlechten Leistungen. "Er hatte sich durch zu viele Fehler beim Deutschlandpokal vor zwei Wochen die WM-Chance genommen", sagt Böttcher, für den Rombach gute Aussichten hat, sich am Ende der Saison für den C-Kader zu qualifizieren.

Zwei zweite Plätze bei den Frauen sprangen für Miriam Behringer vom SC Todtnau bei ihrem ersten Deutschlandpokalauftritt dieser Saison heraus. Dass die 21-Jährige beim IBU-Cup, der Kategorie direkt unter dem Weltcup, mit wechselhaftem Erfolg unterwegs ist, verwundert Böttcher nicht: "Sie hat noch nicht die Konstanz, um ihr Leistungsniveau permanent abzurufen." Weil sie ihren Trainingsumfang stark erhöht hat, seien ihre Kräfte irgendwann am Ende. "Sie wird aber solche Rückschläge verarbeiten", ist sich Böttcher sicher. Da Behringer 2010 im schwedischen Torsby und 2011 im tschechischen Nove Mesto mitlief, wird dem SC Todtnau nun eine besondere Ehre zuteil: drei WM-Teilnahmen in Folge.

Autor: Matthias Kaufhold