Hauchdünn daneben geschossen

dpa

Von dpa

Fr, 16. Februar 2018

Olympische Spiele

Laura Dahlmeier gewinnt nach ihren beiden Goldmedaillen im 15-Kilometer-Rennen Bronze / Erik Lesser wird bei den Männern als Neunter bester Deutscher.

PYEONGCHANG (dpa). Die ganz große Biathlon-Party blieb diesmal aus, für Königin Laura Dahlmeier hatte aber auch die Bronzemedaille einen goldenen Glanz. "Ich bin wirklich überglücklich, die nächste Medaille. Das ist der Wahnsinn!", sagte die 24-Jährige nach Platz drei bei den Olympischen Winterspielen im Einzel-Rennen über 15 Kilometer. Bei den Männern riss dagegen die Serie, im sechsten Biathlon-Wettbewerb in Pyeongchang gab es erstmals keine deutsche Medaille. Beim Sieg des Norwegers Johannes Thingnes Bö musste sich Erik Lesser als bester DSV-Athlet mit dem neunten Platz begnügen.

Nicht so Dahlmeier: Nach ihrem phänomenalen Doppelsieg in Sprint und Verfolgung zeigte die Partenkirchnerin erneut eine starke Leistung und sicherte sich ihre dritte Medaille. Dahlmeier war die Freude über ihren neuerlichen Coup am Donnerstag anzusehen. Deutschlands Sportlerin des Jahres imitierte nach dem Sprung auf das Podest die Siegerpose von Usain Bolt. Nur wenige Millimeter trennten sie vom historischen dritten Titel. Lediglich den fünften ihrer 20 Schuss hatte die siebenmalige Weltmeisterin hauchdünn daneben gesetzt.

Hätte die Gesamtweltcup-Siegerin getroffen, hätte erneut sie anstatt der schwedischen Sensations-Olympiasiegerin Hanna Öberg gejubelt. Die 22-Jährige wird vom Ruhpoldinger Wolfgang Pichler betreut und traf alle ihre 20 Schüsse. Silber ging an Anastasiya Kuzmina aus der Slowakei. Dahlmeier hatte im Ziel 41,2 Sekunden Rückstand auf Öberg, die erstmals überhaupt auf dem Podium stand. "Das war schon eine Überraschung, aber sie hat es verdient", sagte Dahlmeier.

Ein möglicher Sechsfachtriumph mit Siegen in allen Olympiarennen ist damit nicht mehr möglich. Dahlmeier selbst hatte sich damit aber ohnehin nie beschäftigt. "Für mich war das kein Thema. Es ist immer hart, auf das Podium zu kommen und das ist kein Selbstläufer – auch nicht für mich", sagte Dahlmeier, die sich dennoch mal wieder in den Geschichtsbüchern verewigte. Sie ist die Erste im Frauen-Biathlon, die in den ersten drei olympischen Einzelrennen eine Medaille holte. Und die Ausnahmekönnerin hat im Massenstart sowie mit der Mixed- und Frauen-Staffel noch drei Chancen, um weiter Geschichte zu schreiben.

Die noch emotionalere Geschichte des Rennens lieferte Franziska Preuß. Zwar verdrängte Dahlmeier ausgerechnet ihre Teamkollegin um 18,5 Sekunden noch auf den vierten Platz. Aber vier Jahre nach ihrem denkwürdigen persönlichen Olympia-Debakel von Sotschi und einer Seuchenzeit meldete sich Preuß ohne Fehler eindrucksvoll in der Weltspitze zurück. "Ich war schon dankbar, dass ich überhaupt einen Start gekriegt habe. Ich bin zufrieden. Die anderen drei waren einfach schneller", sagte sie und strahlte erleichtert.

Unvergessen sind die Bilder von Sotschi, als die damals 19-Jährige als Startläuferin der Frauen-Staffel stürzte und schon beim ersten Schießen weinte. Es war der Anfang von vielen Rückschlägen. Im Vorjahr verpasste die einst als genauso talentiert wie Dahlmeier eingeschätzt Preuß die Weltmeisterschaft und beendete die Saison vorzeitig. Sie wurde an den Nasennebenhöhlen operiert, kam danach nur schwer in Schwung und dachte zwischenzeitlich ans Aufhören. Erst im letzten Rennen vor den Spielen holte sie das Olympia-Ticket. "Ich bin mega erleichtert, es war doch eine lange Pause", sagte Preuß.

Nicht nur Preuß, auch Lesser verfehlte bei den Männern eine Medaille knapp. Mit nur einem Schießfehler reichte es für den Thüringer, der 2014 in Sotschi über diese Distanz noch Silber geholt hatte, am Ende mit einem Rückstand von 1:27,3 Minuten zum neunten Platz. Bö holte seinen ersten Olympiasieg trotz zweier Schießfehler, allerdings war der Norweger in der Loipe der überragende Mann. Platz zwei ging überraschend an den Slowenen Jakov Fak, gefolgt vom Österreicher Dominik Landertinger. Beide blieben fehlerfrei. Martin Fourcade erreichte nach einem schwachen letzten Schießen zum zweiten Mal im dritten Rennen nicht das Podium und wurde Fünfter.

Im Gegensatz zu Lesser verfehlten die weiteren deutschen Starter die Top-Ten deutlich. Sprint-Olympiasieger Arnd Peiffer (3 Fehler) wurde 21., Simon Schempp (4) landete auf Platz 36 und Johannes Kühn (6) erreichte Platz 58.