Nachruf

Hermann Wehrle war ein Mann des Skisports

Dieter Mauer

Von Dieter Mauer

Mo, 16. Juli 2018 um 00:00 Uhr

Skispringen

Viele Trauergäste geben Hermann Wehrle in Hinterzarten das letzte Geleit.

Es hatte Symbolcharakter. Im Adler-Skistadion in Hinterzarten fand an diesem Nachmittag die deutsche Meisterschaft im Skispringen statt. Unweit davon nahm in der katholischen Kirche "Maria in der Zarten" eine große Skisportfamilie Abschied von dem im Alter von 69 Jahren verstorbenen Hermann Wehrle.

Als äußeres Zeichen des Dankes und der Wertschätzung stellte der Skiclub einen Sprungski neben den Sarg. Zum Andenken zündeten die Skiclub-Vorsitzenden Tanja Metzler und Eugen Winterhalder dort eine Kerze an.

Schon bei der morgendlichen Mannschaftsführerbesprechung im Rahmen der deutschen Skisprungmeisterschaft hatte Tanja Metzler die Vertreter aus sechs Landesverbänden über den Todesfall informiert. Den Trainern und Betreuern war der Name Hermann Wehrle ein Begriff. Sie hatten ihn bei unzähligen Veranstaltungen in den vergangenen Jahren kennen und schätzen gelernt. Viele besuchten auch den Trauergottesdienst in der katholischen Kirche "Maria in der Zarten". Renndirektor Walter Hofer repräsentierte den Weltskiverband, Präsident Franz Steinle den Deutschen Skiverband (DSV). Vom Skiverband Schwarzwald (SVS) war der Vorsitzende Stefan Wirbser dabei, der auch ehemaliger Arbeitskollege von Wehrle im Rathaus Hinterzarten war. Ihre letzte Ehre erwiesen dem Verstorbenen viele Sportler, unter ihnen die ehemaligen Olympiasieger und Weltmeister Georg und Dieter Thoma sowie Martin Schmitt.

Der frühere Pfarrer von Hinterzarten, Michael Knaus, war aus Hechingen gekommen und spielte die Orgel. Dazu sang Vani Wankelmuth. Den Gottesdienst hielt Pfarrer Arno Zahlauer. Der frühere Bürgermeister von Hinterzarten, Hansjörg Eckert, erinnerte in seiner Ansprache an die Verdienste des Verstorbenen. Er war 48 Jahren für die Kommune tätig, zuletzt als Hauptamtsleiter: "Hermann Wehrle hat Hinterzarten mitgestaltet und maßgeblichen Anteil an der guten Entwicklung unserer Gemeinde." Eckert bezeichnete den ehemaligen Langläufer als einen "Naturburschen mit starkem Charakter." Der "Macher" habe sich zudem für den nordischen Skisport eingesetzt: "Das Skispringen war seine Leidenschaft."

"Ich kann es noch gar nicht glauben, dass Hermann hier nie mehr dabei sein wird."

Skiclub-Vorsitzende Tanja Metzler
Hermann Wehrle trat 1965 in den Skiclub ein. Von 1970 bis 1994 gehörte er dem Vorstand an, zunächst als Kassierer, dann 22 Jahre als nordischer Sportwart. Er war Kampfrichter Sprunglauf, Rennleiter bei nationalen und internationalen Sportereignissen sowie Chef des Organisationskomitees für das Sommerskispringen. In den Anfängen zeichnete er für die Dreier-Tournee Hinterzarten-Stams-Predazzo verantwortlich. Bei der Junioren-Weltmeisterschaft 2010 in seinem Heimatort war er stellvertretender Generalsekretär.

Der Um- und Ausbau des Schanzenzentrums Anfang der 1980er Jahre sowie die Erweiterung auf vier Schanzen und die Verbesserung der Infrastruktur wurden von ihm geprägt. Im Skiverband Schwarzwald wirkte er fünf Jahre als Sprunglaufreferent. Der Deutsche Skiverband ernannte ihn zum DSV-Jugendsportwart, später zum Sportwart Sprunglauf und Nordische Kombination. Als Mannschaftsführer trug er bei mehreren Junioren-Weltmeisterschaften Verantwortung. Im Vorstand des Olympiastützpunkts Freiburg-Schwarzwald vertrat er einige Jahre den DSV. Eckert erklärte: "Hermann Wehrle war in der nordischen Skiwelt ein geschätzter Fachmann und gefragter Ansprechpartner."

Auch bei Siegerehrung am Freitagabend auf der Kirchwiese erinnerte Bürgermeister Klaus-Michael Tatsch an das Wirken des Verstorbenen: "Skispringen und Hinterzarten gehörten zusammen." Am Rande der deutschen Skisprungmeisterschaft an diesem Wochenende im Adler-Skistadion sagte Tanja Metzler, seit 2006 Vorsitzende des Skiclubs: "Ich kann es noch gar nicht glauben, dass Hermann hier nie mehr dabei sein wird."