"Ich wollte den Sieg sehr, sehr arg"

sid

Von sid

Mo, 23. Januar 2017

Nordische Kombination

Fabian Rießle gewinnt seinen fünften Weltcup-Einzelwettbewerb.

CHAUX-NEUVE (dpa/BZ). Die deutschen Nordischen Kombinierer bleiben in diesem Winter in den Einzelentscheidungen ungeschlagen. Auch in Chaux-Neuve gestatten die Athleten von Bundestrainer Hermann Weinbuch nur dem Japaner Akito Watabe einen Podestplatz bei zwei Wettbewerben. Am Samstag gewann Johannes Rydzek vor Fabian Rießle von der Skizunft Breitnau. Am Sonntag war dann Rießle dran, feierte seinen insgesamt fünften Weltcup-Erfolg (den zweiten in dieser Saison) und siegte vor Rydzek sowie Eric Frenzel.

"Ich wollte den Sieg heute sehr, sehr arg, hab gedacht, die Butter lasse ich mir nicht wieder vom Brot nehmen", sagte Rießle im Ziel. Der 26-jährige Schwarzwälder lag nach dem Skatingrennen über zehn Kilometer 2,2 Sekunden vor Rydzek (Oberstdorf) und 7,9 Sekunden vor Eric Frenzel (Oberwiesenthal).

Nach dem Springen, das einmal mehr der Norweger Jarl Magnus Riiber für sich entschieden hatte, war Rießle Achter gewesen, Frenzel Vierter und Rydzek Elfter. Der aus Baiersbronn stammende und in Freiburg lebende Manuel Faißt trat am Sonntag nach dem Springen nicht mehr zum Langlauf an, am Tag zuvor hatte er den 19. Platz belegt.

Die beiden erfolgreichsten deutschen Kombinierer der vergangenen zwei Jahre, Frenzel und Rydzek, trennen nun im Gesamtweltcup gerade noch 14 Punkte. Schuld daran war der Samstag. 800 Meter vor dem Ziel trat Rydzek Frenzel unbeabsichtigt auf den Skistock. Der brach und der Olympiasieger war damit im Kampf um den Sieg geschlagen, wurde auch noch von Akito Watabe vom Podium verdrängt.

Da Rydzek zuvor auch nicht viel für das Tempo getan hatte und so erheblich Körner für den Endspurt gespart hatte, war Frenzel bedient. "Ich entschuldige mich für alles, was heute so vorgefallen ist", sagte danach Rydzek kleinlaut, ohne die ganz große Freude über den vierten Saisonsieg zu versprühen.

"Wir haben es in Einzelgesprächen noch einmal ausgewertet", berichtete Weinbuch. Er und sein Trainerteam befinden sich trotz der Erfolgsserie in einem Dilemma. "Wir haben drei Siegkandidaten, bei Eric und Johannes geht es um den Gesamtweltcup. Ich kann doch keinem verbieten, seine Stärken auszuspielen, um zu gewinnen", erklärte Weinbuch.

Im Klartext: Wenn Frenzel gewinnen will, muss er sich einen Vorsprung mit weiten Sprüngen erarbeiten. Denn im Schlussspurt ist er Rydzek und Rießle unterlegen. Und dass diese beiden sich darauf verlassen und auf der Strecke nicht viel für die Führungsarbeit tun, kann ihnen keiner verdenken. "Da sind mir als Trainer komplett die Hände gebunden. Ich kann erst an das Teamwork appellieren, wenn die Konkurrenz aus unseren taktischen Spielchen Kapital schlagen würde. Aber das sehe ich derzeit überhaupt nicht", betonte Weinbuch.

Seefeld-Triple steht nun an, danach geht’s nach Asien

Am Sonntag ging jedenfalls alles mit rechten Dingen zu, es zeigte aber genau Weinbuchs Einschätzung. Frenzel musste bei äußerst geringen Abständen nach dem Springen viel für das Tempo tun, in der Hoffnung, die anderen zu zermürben. Rießle und Rydzek konnten Kräfte für den Endspurt sparen. "Eric muss weiter springen. Das hat er auch drauf. Mich freut aber, dass die beiden anderen ihre Probleme beim Springen überwunden und aufgeholt haben", sagte der Bundestrainer.

Der letzte Monat vor der WM in Finnland bietet nun kaum mehr eine Verschnaufpause. Vom kommenden Freitag an steht mit dem "Triple" in Seefeld der erste Saisonhöhepunkt an, danach geht es auf Asien-Tour – und von dort direkt in die unmittelbare Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft in Lahti, die vom 22. Februar bis 5. März stattfindet.