Skispringen

Markus Eisenbichler pausiert einen Tag

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Di, 03. Januar 2017 um 00:00 Uhr

Skispringen

Markus Eisenbichler, Deutschlands einzig verbliebene Hoffnung bei der Vierschanzentournee, darf sich einen Tag ausruhen. Danach wird er auf der Bergiselschanze in Innsbruck antreten.

Markus Eisenbichler hat bei dieser Tournee großes Glück. Er darf fünf Nächte lang im gleichen Hotel schlafen. Auspacken, einpacken, weiterfahren: Dieser zusätzliche Stress bei der Reise zu den vier Schanzen bleibt dem 25-Jährigen zumindest im Augenblick erspart. Die deutschen Skispringer logieren fünf Tage lang im österreichischen Seefeld, dem Austragungsort der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft des Jahres 2019.

Seefeld liegt genau zwischen Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck, der zweiten und der dritten Tournee-Station. Werner Schuster, der Bundestrainer des Deutschen Ski-Verbands (DSV), erprobt nun schon zum zweiten Mal das Konzept, das seinem Team in der ganzen Aufregung zwischen den Jahren zumindest ein bisschen Ruhe bescheren soll. Die Springer und ihre Begleiter fahren die Wettkämpfe zwei und drei von Seefeld aus an.

Oder sie entspannen sich dort. Das ging an diesem Dienstag, dem einzigen Ruhetag der 65. Vierschanzentournee. Als Eisenbichler, Deutschlands einzige verbliebene Tournee-Hoffnung, also an diesem Dienstagmorgen erwachte, standen nur zwei Termine auf seinem Programm: vormittags eine Art Sponsoren-Show und nachmittags ein wenig Krafttraining.

Die Sponsoren-Show, das war ein Fahrtraining auf Eis, das ein namhafter deutscher Automobilhersteller für die DSV-Athleten und ihre österreichischen Kollegen organisiert hatte. Es fand in einem verschwiegenen kleinen Seitental nördlich von Seefeld statt, und wäre es dem Automobilhersteller gelungen, den Weg dorthin wie versprochen mit Fähnchen auszuschildern, dann hätten die Journalisten auch dorthin gefunden und zuschauen dürfen.

Ein paar Kniebeugen nach vier Sprungtagen

So aber war es wohl nur den Wenigsten vergönnt, die Fahrkünste der Flieger-Asse auf der Eispiste zu bestaunen. Am Nachmittag schickte Bundestrainer Schuster die Seinen dann in den Kraftraum. "Nach vier Sprungtagen ist es notwendig, den Jungs mal wieder ein paar Kilogramm aufzuladen und sie ein paar Kniebeugen machen zu lassen", erläuterte Schuster.

Eisenbichler wird das Eisen vielleicht mit viel Freude gestemmt haben vor der Qualifikation zum dritten Wettkampf auf der Bergiselschanze von Innsbruck an diesem Dienstag und dem Wettkampf selbst am Mittwoch (jeweils 14 Uhr/ARD und Eurosport). Mit seinem vierten Platz an Neujahr in Garmisch-Partenkirchen erfüllte er zwar nicht unbedingt die Erwartungen der Skisprung-Nation Deutschland, aber zumindest seine eigenen, und das ist ihm viel wert. So kann es weitergehen, dachte er sich. "Die Schanze in Innsbruck liegt mir ganz gut", erklärte er. "Aber es ist mir momentan ziemlich egal, welche Schanze kommt. Ich lasse es laufen, wie es läuft."

Mit dem Gewinn der Gesamtwertung kann Eisenbichler nicht mehr ernsthaft rechnen. 19,2 Punkte Rückstand hat er auf den neuen Tournee-Führenden Kamil Stoch aus Polen. Auch vom Tournee-Zweiten Stefan Kraft aus Österreich trennen den Siegsdorfer zur Halbzeit bereits 18,4 Punkte, vom Gesamtdritten Daniel André Tande aus Norwegen 12,6 Punkte.

"Markus kann noch unter den besten Drei landen", glaubt Bundestrainer Schuster. "Man weiß nie, was bei der Tournee so alles passiert." Vieles von dem, was bei dieser Tournee bisher geschah, kann dem Nationalcoach freilich nicht gefallen. Sieht man einmal von Eisenbichler ab und vom Breitnauer Stephan Leyhe, der mit Platz acht in Garmisch-Partenkirchen das beste Weltcup-Resultat seiner Karriere erreichte, stagniert die Entwicklung der DSV-Fliegerstaffel. Ja, schlimmer noch: Im Fall von Richard Freitag sei sie sogar "stabil rückläufig", wie Schuster am Neujahrstag grimmig bemerkte. Ein Weltklassespringer ist der 25-Jährige nur noch in der Theorie. In der Praxis macht er nach Schusters Beobachtung "immer irgendwo einen Fehler. Klappt es am Schanzentisch, hat er ein Problem im Flug. Oder eben umgekehrt."

Auch an Andreas Wellinger, dem vielleicht begabtesten Talent unter Schusters Obhut, scheint der Bundestrainer so langsam zu verzweifeln. Der 21-Jährige kommt in seiner Entwicklung nicht vom Fleck, bleibt als Tournee-Elfter wieder einmal unter seinen Möglichkeiten. Er könnte viel mehr, da ist Schuster sich mit allen Experten einig. Den lange verletzten Severin Freund schützt Schuster ausdrücklich, er ist in den Berechnungen des DSV in diesem Winter außen vor. Bleibt Markus Eisenbichler. Dass er einen Kamil Stoch, einen Stefan Kraft und einen Daniel André Tande noch schlagen könnte ist freilich schwer zu glauben.