Nächster Rückschlag für deutsche Curler

sid

Von sid

Sa, 07. April 2018

Wintersport

Schwaches WM-Abschneiden / Nun droht bei der Sportförderung ein herber finanzieller Einschnitt.

LAS VEGAS (sid). Die Olympia-Qualifikation verpasst, die WM-Ziele deutlich verfehlt: Die deutschen Curler erleben schwere Zeiten und stehen mit Blick auf die Sportförderung vor einer ungewissen Zukunft. Denn es droht auch ein herber finanzieller Einschnitt.

"Es ist richtig, dass wir mit der Frauen- und Männermannschaft unsere Olympia-Ziele nicht erreicht haben. Dies führt auch dazu, dass wir Ergebnisse, Leistungen und Schwächen genau analysieren müssen", sagte Bernard Mayr, Präsident des Deutschen Curling-Verbandes (DCV). "Oft fehlt nicht viel zum Erfolg, aber am Ende vom Tag zählt das Resultat – und damit sind wir nicht zufrieden."

Bei der Männer-WM in Las Vegas setzte es den nächsten Rückschlag. Das deutsche Team um Skip Alexander Baumann aus Schwenningen belegt vor den letzten beiden Spielen mit nur einem Sieg aus zehn Partien abgeschlagen den letzten Platz im 13er-Feld. Das selbstgesteckte Ziel einer positiven Turnierbilanz war da schön längst außer Reichweite. Auch die Frauen um Skip Daniela Jentsch (Füssen) hatten bei ihrer Weltmeisterschaft im März nur Platz zwölf belegt und damit den angepeilten achten Rang klar verfehlt.

Dabei brauchen die deutschen Curler dringend Erfolgsmeldungen. Bis zum 22. Mai muss der DCV – wie alle Wintersportverbände – das neu geschaffene und umstrittene Potenzialanalyse-System (Potas) gefüttert haben. 151 Fragen aus 16 Haupt- und 53 Nebenbereichen wollen beantwortet werden. Im September wird dann das Geld für 2019 verteilt, es droht die Einstufung in die Gruppe der Verbände mit wenig oder gar keinem Potenzial und damit eine Kürzung der Fördergelder.

Dirk Schimmelpfennig, Vorstand Leistungssport im DOSB, verwies auf Anfrage auf den Herbst. Für den 6. September ist das Strukturgespräch mit dem DCV vorgesehen. Erst danach werde über "das Programm und die Förderung" im Olympiazyklus bis 2022 entschieden.

Schon 2014 hatte der DCV nur knapp den Wegfall der staatlichen Förderung verhindern können. Der Verband führte unter anderem einen hauptamtlichen Bundestrainer und einen Vizepräsidenten Sport ein. Doch der Erfolg ist bisher ausgeblieben, der Umbruch nach Erfolgszeiten von Andreas Kapp (Füssen) und Andrea Schöpp (Garmisch-Partenkirchen) ist bisher nicht geglückt.

"Unser Fokus liegt im Aufbau unseres Nachwuchses, das geht nicht von heute auf morgen", betonte Mayr und verwies auf die Junioren. Dort habe es bei der WM einen fünften Platz gegeben: "Die Mannschaft ist noch sehr jung und hat das Potenzial, sich in der Weltspitze zu etablieren."

Dass aber auch aktueller Erfolg nicht vor Einbußen schützt, zeigt sich ausgerechnet in der Curling-Hochburg Schweden. Der zweimalige Weltmeister Niklas Edin, Olympiazweiter von Pyeongchang und Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier, muss in Zukunft mit weit weniger Unterstützung auskommen als bisher. Im schlimmsten Fall sogar komplett ohne. "Wir haben Bescheid bekommen, dass wir mindestens im nächsten Jahr keine Förderung bekommen", sagte Edin am Rande der WM in Las Vegas, wo er mit nur einer Niederlage aus acht Spielen zusammen mit Kanada und Schottland an der Spitze stand.